Mit Video: Zigarrenrollerin zeigt ihre Kunst in Salzuflen

Dietmar Welle

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Ganz in ihrem Element: Die kubanische Exzellenz-Rollerin Luisa Cruz Medina an ihrem kleinen Arbeitstisch. Mit der linken Hand nimmt sie ein wenig natürliches Harz, um die Blätter miteinander zu einer Zigarre zu verbinden. - © Vera Gerstendorf-Welle
Ganz in ihrem Element: Die kubanische Exzellenz-Rollerin Luisa Cruz Medina an ihrem kleinen Arbeitstisch. Mit der linken Hand nimmt sie ein wenig natürliches Harz, um die Blätter miteinander zu einer Zigarre zu verbinden. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Bad Salzuflen. Der Duft der Tabakblätter bringt den milden Herbstabend zum sanften Schwingen. Es herrscht eine wohltuend entspannte Atmosphäre in Maxi Schusters Geschäft „Cigarren, Lebens-Art & Cie." in der Brüderstraße. Und das hat einen Grund: Denn in sich ruhend und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen geht Luisa Cruz Medina ihrem Handwerk nach.

An ihrem Arbeitstisch rollt die Kubanerin mit einer unendlichen Sanftheit Zigarren. Nicht ein festgelegtes Format wie zum Beispiel die gängigen Robusto, Corona oder Churchill. Nein – die kleinen Wunderwerke bleiben so, wie Medina sie geschaffen hat. Mal dicker, mal dünner, mal kürzer, mal länger.

Eigens aus dem karibischen Inselstaat ist Luisa Cruz Medina nach Deutschland gereist, um die Kunst der Fertigung von Habanos, so nennen sich die ausschließlich aus Kuba kommenden Zigarren, in ausgesuchten Fachhandelsgeschäften zu präsentieren. Bei ihrem Besuch in Bad Salzuflen begleitet sie Luis Mustelier Perez, der als Reiseleiter und Übersetzer fungiert. Und der 56-Jährige ist stolz, mit Luisa Cruz Medina eine echte Hochkaräterin im Schlepptau zu haben: „Luisa verfügt über eine unendlich reiche Erfahrung der kubanischen Zigarrenmacherkunst."

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Die aus Havanna stammende und 1946 geborene Rollerin begann 1984 ihre Ausbildung in der Manufaktur Sancti Spiritus. Dort zeichnete sie schon bald als Spezialistin unter anderem für Qualitätskontrolle verantwortlich. „Kubanische Zigarren werden nach der traditionellen Methode ,totalemente a mano‘, also vollständig per Hand, gerollt", erklärt Perez und fügt hinzu: „Grundsätzlich gibt es bei den rund 6000 Rollerinnen und Rollern drei Kategorien, 7 bis 9. Eine einjährige Ausbildung und damit die Fähigkeit, einfache Formate zu fertigen, ist der Beginn. Die Meisterklasse ist in der Lage, große Doppelfigurados und andere aufwendige Shapes herzustellen." Es liegt auf der Hand, dass die Torcedora (Rollerin) Medina längst zur höchsten, der 9. Kategorie zählt.

Das Rollen von Zigarren läuft fast so wie das Kochen in einer offenen Küche. Der Gast kann bei jedem Handgriff zuschauen und sich langsam auf den Genuss einstimmen. So nimmt Medina von einem kleinen Päckchen aus ihrer Heimat mitgebrachtem Tabak ein paar Blätter (die Einlage), legt sie in das etwas kräftigere Umblatt und ummantelt alles mit einem feinen Deckblatt. Fertig ist die Zigarre.

„Zollrechtlich ist das hier eine kleine Fabrik", schaut Maxi Schuster – Habanos-Specialist der ersten Stunde – mit Freude zu, als die Torcedora eine eindrucksvolle Double Corona hinzaubert. Rollerinnen (70 Prozent der rund 6000 kubanischen Zigarrenfertiger sind weiblich) der Kategorie 9 schaffen um die 40 der mächtigen Doppel-Figurados an einem Tag. Das Format Robusto hingegen wird von einer Torcedora in einer Schicht 130 Mal gefertigt.

Bei ihrer Reise durch Deutschland mit mehr als 100 Stationen in zwei Monaten nimmt Luisa Cruz Medina kein Geld für ihre Arbeit. Wer mag, darf einen kleinen Obolus entrichten, ansonsten steht die Erlebnisreise ganz im Zeichen des Habanos-Geistes, der in die Welt getragen werden soll.

Daheim, bei ihren Lieben in der Karibik, zählt Medina zu einer fast schon privilegierten Zunft und hat am Ende des Monats schon einmal so viel verdient wie ein kubanischer Arzt. Und auch Maxi Schuster, von Perez als „beste Zigarren-Kennerin Deutschlands" bezeichnet, bestätigt: „Eine gute Havana ist wie ein guter Wein. Man genießt sie zu besonderen Gelegenheiten und gern auch im Kreise von Gleichgesinnten. Man kann abends den Tag Revue passieren lassen und findet seine innere Ruhe."

Die schmeckte schon Fidel Castro

Cohiba ist die Spitzenmarke der Habanos. Diese Zigarren wurden 1966 speziell für den kubanischen Präsidenten Fidel Castro kreiert und in der damals geheim gehaltenen, heute jedoch weltberühmten Manufaktur „El Laguito" gefertigt. Zunächst waren die Cohibas ausschließlich als repräsentative Geschenke für Staatsoberhäupter und Diplomaten bestimmt. 1982 wurde die Cohiba dann auch auf dem internationalen Markt präsentiert. Die Blätter der Cohiba stellen die Auslese der Auslese der besten Tabakplantagen der Region Vuelta Abajo dar. Von dort stammen in der Regel auch die Einlage, das Um- und das Deckblatt.
Quelle: www.5thavenue.de

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