Wegen der Bauphase droht den Schülern vom Schulzentrum Aspe der Container

Katrin Kantelberg

  • 0
Vorbild für Aspe: Am Lohfeld werden bereits seit Jahren Schüler im Container unterrichtet. - © Tim Albert
Vorbild für Aspe: Am Lohfeld werden bereits seit Jahren Schüler im Container unterrichtet. (© Tim Albert)

Bad Salzuflen. Das Schulzentrum Aspe wird für rund 25 Millionen Euro saniert. Jetzt könnte es noch teurer werden, denn während der Bauarbeiten fehlen Ausweichquartiere. Container sollen Abhilfe schaffen. Die aber kosten rund 1,5 Millionen Euro.

Kommenden Dienstag werden die Pläne in der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Bauen und Bildung vorgestellt. Dann wird auch das beauftragte Architekturbüro H4a seine Vorentwurfsplanungen vorstellen. Klar aber ist, dass – entgegen der ersten Aussagen – während der Bauphase, die im kommenden Jahr starten soll, zusätzlicher Raum für Klassen nötig ist. In ihrer Vorlage verweist die Verwaltung dabei vor allem auf die Gesamtschule, die im Schuljahr 2018/19 erstmalig mit der Jahrgangsstufe 13 auch im Sekundarbereich II voll ausgelastet ist. Weitere Raumreserven, so schreibt die Verwaltung, stehen bereits jetzt nicht mehr zur Verfügung.

Daher hat sie unterschiedliche Modelle geprüft, um die Misere zu beheben. Variante 1 geht dabei von Ankauf oder Anmietung von Containern aus. Zunächst würden die Realschüler vorübergehend in die Container ziehen. Im Anschluss folgte die Gesamtschule, deren Langhaus in zwei Bauabschnitte geteilt würde, so dass zunächst der Bereich Nord von den Arbeiten betroffen wäre, im Anschluss würden die Klassen aus dem Bereich Süd in die Container übersiedeln.

Etwa drei Jahre hat die Verwaltung für die Bauarbeiten angesetzt. Die Mehrkosten für Anmietung oder auch Erwerb der Container beziffert sie mit 1,29 bzw. 1,1 Millionen Euro. Hinzu kämen noch Bodenplatten und Anschlüsse (insgesamt 1,5 Millionen Euro).

Mit einer längeren Bauzeit auf 50 oder auch 42 Monate könnten die Raumnöte zwar entzerrt werden, dafür aber würde das Kostenvolumen laut Verwaltung deutlich steigen. Die Mehrkosten lägen dann bei 2,4 bis etwa 2,9 Millionen Euro. Eine weitere Alternative wäre auch der Bau einer Modulschule, die im Vergleich zu den Containern einen besseren Standard hätte. Die Lebenszeit wäre mit etwa 20 Jahren zwar deutlich höher als die der Container (10 Jahre), ebenso aber mit etwa 3,17 Millionen Euro auch die Kosten. Die Verwaltung schlägt daher vor, als Übergangslösung Container anzukaufen oder zu mieten. Dabei verweist sie darauf, dass sich der Ankauf bereits nach 20 bis 24 Monaten als die wirtschaftlichere Alternative erweise, zumal die Kästen im Anschluss auch wieder veräußert werden könnten.

Die gemeinsame Sitzung der Ausschüsse für Bauen und Verkehr und Bildung und Kultur beginnt am Dienstag, 17. Oktober, 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses.

Politik zieht Reißleine

Neubau und Sanierung des Schulzentrums Aspe verschlingen Millionen. Ging ein erstes Büro zunächst von rund 14 Millionen Euro aus, so sahen die weiteren Planungen des Büros H4a Kosten von bis zu 30 Millionen Euro vor. Politik und Verwaltung zogen die Reißleine, H4a überarbeitete die Pläne, und man einigte sich auf eine Sparvariante von 25 Millionen Euro. Dafür sollen an der Realschule zwei neue Lernhäuser entstehen, Altgebäude in Teilen abgerissen oder auch aufgestockt werden. Das Zehnerhaus bleibt erhalten, wird aber besser ausgestattet. Gemeinsam mit der Gesamtschule wird das neue Selbstlernzentrum genutzt. Die Gesamtschule ihrerseits wird grundlegend modernisiert und umgestaltet. 11.950 Quadratmeter Fläche an der Gesamtschule sind betroffen, an der Realschule sind es 2700.

Kommentar: Teure Kröten schlucken

von Katrin Kantelberg

Das war vorhersehbar: Während der Bauphase benötigt das Schulzentrum Aspe zusätzliche Ausweichquartiere. Schon jetzt, so die Verwaltung, gäbe es kaum noch freie Kapazitäten. Wie also konnten die Planer bei der Präsentation 2016 noch davon ausgehen, keine weiteren Räume zu benötigen? Sicherlich, das Mammutprojekt hat sich um ein Jahr auf 2018 verschoben, und damit sind in der Gesamtschule auch die Jahrgänge der Oberstufe voll belegt. Doch das ist seit langem bekannt. Hat das beauftragte Büro schlecht recherchiert? Oder gar die möglichen Zusatzkosten angesichts des Preisdrucks lieber ignoriert? Klar ist, wieder einmal muss die Stadt eine teure Kröte schlucken – und eines ist sicher: Beim Schulzentrum Aspe werden weitere folgen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!