Die Erich-Kästner-Schule kämpft ums Überleben

Katrin Kantelberg

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Schulleiter Jürgen Albath und Kathrin Rohe vom Förderverein der Erich-Kästner-Schule. - © Katrin Kantelberg
Schulleiter Jürgen Albath und Kathrin Rohe vom Förderverein der Erich-Kästner-Schule. (© Katrin Kantelberg)

Bad Salzulfen-Schötmar . Immer mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden an den Regelschulen unterrichtet. Inklusion heißt das Zauberwort, die sich in der Realität allerdings schwierig gestaltet. Vor allem Lehrer an Grund- und Hauptschulen klagen, dass sie den Kindern kaum noch gerecht werden können. Dennoch sollen viele Förderschulen schließen, unter ihnen auch die Erich-Kästner-Schule.

Noch unter der alten Landesregierung fiel in NRW die Entscheidung, kleinere Einrichtungen aufzugeben. Die Stadt beschloss 2016, die Kästner-Schule auslaufen zu lassen. Das heißt, dass nur noch Schüler bestimmter Jahrgänge aufgenommen werden dürfen. Die Schule blutet aus und das, obwohl es mit der neuen Landesregierung wieder einen Hoffnungsschimmer gibt. Die hatte beschlossen, an den Förderschulen festzuhalten und die Vorgabe der Mindestgrößen zu überprüfen.

Doch die Entscheidung steht weiterhin aus und könnte für die Kästner-Schule zu spät fallen, wie Schulleiter Jürgen Albath, Lehrerin Silke Sturm und Kathrin Rohe vom Förderverein befürchten. „Die Arbeit der Schule kann an den Regelschule nicht ersetzt werden", ist Lehrerin Silke Sturm überzeugt, dass die Förderschüler dort untergehen und nicht genügend gefördert würden.

Es fehle an Sonderschullehrern, so dass die Pädagogen letztlich weder den Regel-, noch den Förderschülern gerecht werden könnten. Das sieht auch Kathrin Rohe ähnlich, deren Tochter zunächst in einer Integrationsklasse auf der Grundschule unterrichtet wurde. „Nach der vierten Klasse konnte sie keine Schreibschrift und nur bis zehn rechnen." Wohl seien die Lehrer bemüht gewesen, aber es fehlten einfach zu viele Kräfte. Das änderte sich auf der Erich-Kästner-Schule, wo ihre Tochter in kleinen Klassen die nötige Förderung erhielt und mittlerweile die zehnte Klasse besucht – mit Aussicht auf eine Lehrstelle.

Zusammen mit Schulleiter Jürgen Albath bitten Eltern und Lehrer die Stadt daher, den Auflösungsbeschluss so lange aufzuheben, bis genaue Zahlen der neuen Mindestgrößenverordnung aus Düsseldorf vorliegen. Damit, so Jürgen Albath, „könnten wir Kindern helfen, die ansonsten in die Förderschulen nach Lage, Detmold oder Blomberg fahren müssten". Lehrer und Eltern wollen jetzt mit Unterschrifts-Listen und einer Facebook-Gruppe für den Erhalt der Schule werben. Ob das hilft?

Fachbereichsleiterin Katja Mönnigmann-Steinbeck hält die Kästner-Schule pädagogisch zwar für überaus sinnvoll, dennoch sei die Stadt aber an die Vorgaben des Landes gebunden. Sei der tatsächliche Bedarf größer, müsse die Stadt dies nachweisen, und das sei schwierig, eben weil viele Eltern ihre Kinder mittlerweile auf die Regelschulen schicken. Auch Frank Sommerfeld (SPD), Vorsitzender des Schulausschusses und des Arbeitskreises Schulentwicklungsplanes, bleibt skeptisch. Am kommenden Donnerstag trifft sich der Arbeitskreis, dann soll es zumindest eine Tendenzabfrage geben.

Im Anschluss werden Bildungsausschuss und Rat über die Kästner-Schule entscheiden. Sommerfeld macht keinen Hehl daraus, dass die Stadt in einem Dilemma stecke. Das Schulzentrum Lohfeld platzt aus allen Nähten, nachdem die eigentlich schon totgesagte Hauptschule sich als überaus lebendig erweist. Eine Lösung könnte der Umzug der Haupt- in die Kästner-Schule sein – doch darf man aus purer Raumnot eine Förderschule schließen? Letztlich, so Frank Sommerfeld, „geht es um die Größe der Schulen und die Frage, ob wie beide aufrechterhalten können".

Alle warten auf die Zahlen aus Düsseldorf

Die Erich-Kästner-Schule in Schötmar ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Laut einer UNO-Vorgabe haben Kinder und Jugendliche mit Behinderungen das Recht, auf einer allgemeinbildenden Schule unterrichtet zu werden. Daher forderte die alte rot-grüne Landesregierung, mehr Kinder inklusiv zu unterrichten und nur die größeren Förderschulen zu erhalten.

Für eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen gab sie die Mindestgröße von 144 Schülern vor, gut 120 hatte die Erich-Kästner-Schule. 2016 beschloss die Stadt, die Schule sukzessiv auslaufen zu lassen. Derzeit besuchen noch 77 Kinder die Schule. In Bad Salzuflen gibt es zurzeit über 100 Jungen und Mädchen mit anerkanntem Förderbedarf. Die neue schwarz-gelbe Landesregierung will die Förderschulen wieder stärken. Noch allerdings fehlen konkrete Aussagen.

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