Party-Gäste feiern in ehemaligem Bordell

Bar "Rendezvous" ist eine Legende in Schötmar

Von Heidi Stork

In der Bar "Rendezvous" feierten die 70er-Jahre-Fans eine ausgelassene Party. - © Foto: Stork
In der Bar "Rendezvous" feierten die 70er-Jahre-Fans eine ausgelassene Party. (© Foto: Stork)
Früheres Bordell wird 

zur Partylocation - © Bad Salzuflen
Früheres Bordell wird
zur Partylocation (© Bad Salzuflen)

Bad Salzuflen-Schötmar. Die Bar "Rendezvous" ist längst zu einer Legende in Schötmar geworden. Seit etwa zwölf Jahren ist das Etablissement geschlossen. Jetzt hat hier eine rauschende Retro-Party stattgefunden.

Fast jeder Schötmaraner kennt sie, aber keiner will je dort gewesen sein. Seit Jahren ist der einstige Ort der Freude geschlossen und wurde am Wochenende für eine Revival-Party wieder geöffnet. Wer unter dem grünen Baldachin die Bar betritt, findet sich im Ambiente der 70er-Jahre wieder: Verruchte Beleuchtung, roter Plüschteppich, Samtsessel und Tischlampen mit goldenen Fransen. Dazu zwei Tanzflächen mit Discokugeln auf zwei Ebenen, zahlreiche Nischen mit kleinen Sitzgruppen und schweren Vorhängen, die vor neugierigen Blicken schützen sollten. Die mit Rosen durchwirkte Pfauentapete versprüht noch heute die schwere Süße des einstigen Freudenhauses.

Information
Bar "Rendezvous"

Ende der 1960er Jahre entstand aus dem ehemaligen Saal des Hotel Korf nach aufwändigen Umbaumaßnahmen die legendäre Bar "Rendezvous". Vier bis fünf Bardamen sorgten täglich für das leibliche Wohl der überwiegend männlichen Gäste. Aus Altersgründen schloss Inhaber Kurt Groth vor etwa zwölf Jahren das Etablissement. Inzwischen hat sich die ehemalige Bar zum beliebten Ort für Partys entwickelt. (hst)

Vor 40 Jahren haben hier junge Männer ihre Unschuld verloren und ältere Herren ihr, wenn auch meist kurzes Glück gefunden. Davon wissen die Schötmaraner zu berichten, aber auch die Wände dieser außergewöhnlichen "Begegnungsstätte" erzählen pikante Geschichten. "Es ist, als hätte vor 30 Jahren jemand den Schlüssel der Bar weggeworfen und heute wieder gefunden", beschreibt Angelika Swainson ihre ersten Eindrücke beim Betreten der Bar, während im Hintergrund "Yes Sir, I Can Boogie" von Baccara dröhnt.

Sie ist mit Familie und Freunden gekommen, um Mode und Musikstil der 70er noch einmal zu feiern. Ein großer Teil der etwa 150 Gäste kann sich noch allzu gut an die "Modesünden" von damals erinnern, und der geneigte Betrachter fragt sich, wie viele Secondhand-Läden für diese schrägen Rüschenhemden, Frottee-Anzüge und Schlaghosen abgeklappert wurden, oder ob die Garderobe gar im eigenen Kleiderschrank geschlummert hat? Gegen Mitternacht erreicht die ausgelassene Party ihren Höhepunkt, als zahlreiche Afro-Köpfe auf den Tanzflächen ihr lockiges Haupt zu "Stayin‘ Alive" von den Bee Gees schütteln oder auf der Empore John Travoltas Tanzdarbietungen aus "Saturday Night Fever" imitieren.

Eine besondere Atmosphäre, die die Besucher nach wie vor in Stimmung bringt. Und so waren Sabine und Dirk Beise vom "Café del Sol" sofort vom Rotlicht-Charme fasziniert, als sie gemeinsam mit Stephan Groth, Küchenchef des Hotel Korf das Lokal besichtigten. "Damit war die Idee zu einer Retro-Party geboren", erklärt Dirk Beise. Mit dem Bürgerverein, den Stadtwerken und der Volksbank habe man Partner für das Projekt gewonnen. Da die Veranstaltung rasend schnell ausverkauft gewesen sei, werde es schon im Juli diesen Jahres eine Wiederholung in der ehemaligen Vergnügungshölle von Schötmar geben.

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