Viererticket wird Salzufler Jugendlichen zum Verhängnis

Trotz Schwarzfahrer-Strafe können 16- und 17-Jährige ihre Bahnfahrt nicht fortsetzen

Von Jens Rademacher

 - © Symbolfoto: NW
(© Symbolfoto: NW)

Bad Salzuflen. Wegen einer falsch abgestempelten Vierfahrtenkarte haben fünf Jugendliche aus Bad Salzuflen einen Zug verlassen müssen. Weil die Schaffnerin die Fahrkarte einzog, strandeten sie mitten in der Nacht in Lage.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Doch dass seine 17-jährige Tochter mit vier Freunden wegen der falsch abgestempelten Fahrkarte spätabends am Lagenser Bahnhof strandete, bringt den Bad Salzufler Burkhard Keuntje auf die Palme. Das Quintett im Alter von 16 und 17 Jahren, berichtet Keuntje, hatte für die Rückreise vom Kinobesuch in Bielefeld nach Bad Salzuflen die Zugverbindung über Lage gewählt und sich eine Vierfahrtenkarte und eine Einzelkarte zugelegt. "Sie waren sich nicht sicher, wie das Viererticket zu entwerten ist", so Keuntje. Die Jugendlichen entschieden sich dafür, es nur einmal abzustempeln.

Falsch, wie sie bei der Kon­trolle im Zug kurz vor Lage erfuhren. Das Ticket hätte viermal abgestempelt werden müssen. Dass nun eine Strafe folgte, will Keuntje nicht bemängeln. Aber dass die Schaffnerin im Zug der Nordwestbahn bei dem Vorfall Anfang des Monats die Fahrkarte einzog, kann er nicht nachvollziehen: "Sie beschlagnahmte das Fahrticket, wohl wissend, dass die Jugendlichen in Lage umsteigen mussten und nun ohne gültigen Fahrausweis die Weiterfahrt nach Hause nicht mehr fortsetzen konnten", ärgert sich Keuntje. Denn Geld für eine neue Fahrkarte fehlte.

Dabei waren die Personalien der Jugendlichen aufgenommen worden, um von ihnen später das für Schwarzfahrer vorgesehene "erhöhte Beförderungsentgeld" zu kassieren. Zusätzlich bekamen sie einen Beleg darüber. Allerdings: Die Bezeichnung "Beförderungsentgelt" führt in die Irre.

Denn es berechtigt laut Katrin Hofmann, Pressesprecherin der Nordwestbahn, nicht zur "Beförderung", sprich: zum Zugfahren bis zum Zielhalt inklusive Umstieg. "Das erhöhte Beförderungsentgelt ist kein Freifahrtschein für den nächsten Zug", sagt sie und räumt ein, dass es sich hier um einen "schwierigen" Fall handle. Doch die Beförderungsbedingungen seien leider nun mal so. "Die Fahrkarte wird für ungültig erklärt und eingezogen. Das ist üblich."

Kurios bleibt freilich, dass auch der Jugendliche in die Röhre guckte, der mit dem abgestempelten Viererticket eigentlich kein Schwarzfahrer war. Für Burkhard Keuntje ist es "unverantwortlich" und "unverschämt", fünf Jugendliche "mitten in der Nacht auf einem einsamen Bahnhof auszusetzen". Die Nordwestbahn hat die Strafe nach eigenen Angaben aus Kulanz inzwischen von 45,90 Euro pro Person auf 20 Euro reduziert. Und die gestrandeten Jugendlichen wurden schließlich von ihren Eltern mit dem Auto abgeholt.

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