Zu viel Nitrat im Sonneborner Brunnen

Wulf Daneyko

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Ein Landwirt bringt Gülle aus: Das gilt als eine, aber nicht als einzige Ursache für die Nitratbelastung im Grundwasser. - © Patrick Pleul/dpa
Ein Landwirt bringt Gülle aus: Das gilt als eine, aber nicht als einzige Ursache für die Nitratbelastung im Grundwasser. (© Patrick Pleul/dpa)

Barntrup. Die Klage der EU-Kommission gegen Deutschland wegen zu hoher Nitratbelastungen im Grundwasser beschäftigt auch die nordlippischen Kommunen. In Barntrup sehen Experten dringenden Handlungsbedarf. Der Förderbrunnen in Sonneborn übertrifft den erlaubten Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter. Teilweise seien dort Werte von 60 Milligramm gemessen worden, hieß es jetzt im Betriebsausschuss der Stadt Barntrup.

Das Gremium hielt eine spezielle "Nitratsitzung" ab. Diese baute auf einer Tagung zur Nitratprävention beim Kreis Lippe Anfang des Monats auf, an der Wasserversorger, Bürgermeister und auch Vertreter der Kooperation Landwirtschaft-Wasserwirtschaft teilnahmen.

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"Extertal hat kein Problem"

Auch der Extertaler Betriebsausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema Nitrat beschäftigt. Laut Verwaltung ist der Nitratgehalt aller Extertaler Tiefenbrunnen seit Jahren konstant und befindet sich deutlich unterhalb des Grenzwertes. "Wir nehmen das Thema ernst, aber es gibt kein aktuelles Problem in Extertal", betonte Kämmerer Hubertus Fricke. "Wir fördern sehr gutes Wasser."

Im Barntruper Betriebsausschuss informierte der Geologe Dr. Michael Kerth über die Belastung der Brunnen vor Ort: "In Barntrup sind mehr als 50 Prozent der geförderten Wassermenge mit einem Nitratgehalt von mehr als 40 Milligramm pro Liter belastet, so dass aus Sicht des Kreises akuter Handlungsbedarf besteht." Im Förderbrunnen Sonneborn seien teilweise Werte von 60 Milligramm gemessen worden. Eine Gefahr für die städtische Wasserversorgung bestehe aber nicht, erklärte das Wasserwerk auf Anfrage. Das Wasser aus diesem Brunnen werde mit dem aus anderen vermischt, so dass man wieder unter den erlaubten Grenzwert komme, sagte Wassermeister Matthias Haase.

Es müssten dringend Wege gefunden werden, den Nitrateintrag ins Grundwasser zu verringern, mahnte Dr. Michael Kerth im Ausschuss. Die Kosten einer Nitrataufbereitung für einen Hochbehälter könnten in die Millionen gehen. "Wir haben keine Zeit mehr abzuwarten", betonte er. Auch die privaten Brunnen in Barntrup hätten zum Teil erhöhte Werte, so dass hier eine Aufbereitung erfolgen müsse.

Als Hauptverursacher sieht der Experte die Düngung mit Mist und Gülle. Besonders nordöstlich von Barntrup gebe gebe es eine intensive Landwirtschaft. Da einige Böden zu dünn seien, "gelangt zu viel Nitrat bis ins Grundwasser", erklärte der Geologe. Deshalb soll nun die Zusammenarbeit mit den Landwirten ausgeweitet werden. Dirk Sprute, Geschäftsführer der Kooperation Landwirtschaft-Wasserwirtschaft, stellte einen Maßnahmenkatalog vor. Dieser umfasst die Erstellung von Düngeplänen bis hin zu Flächenstilllegungen in Wasserschutzzonen.

Auf 758 Hektar seien etwa 30 Betriebe betroffen. "Da die Landwirte ihre Flächen im Rahmen der Gesetze bewirtschaften, müssten sie finanziell entschädigt werden, wenn sie weniger Düngung aufbringen sollen." Auch die Novellierung der Düngemittelverordnung werde nicht weit genug geändert, um die Nitratwerte zu senken. "Der Kreis Lippe muss selbstständig handeln, wir können nicht auf den Bund warten", sagte Sprute.

Nach Angaben von Harald Vetter, Vorsitzender der Kooperation, werden derartige Maßnahmen sechsstellige Kosten verursachen, die vermutlich über die Erhöhung der Wassergebühren finanziert werden müssten. "Dann bezahlt der Bürger sein billiges Brot mit teurem Wasser", resümierte der Ausschussvorsitzende Adolf Albert.

Kommentar: "Nicht auf andere warten"

von Thorsten Engelhardt

Die Nitratbelastung im Grundwasser ist keineswegs nur ein Thema in Barntrup, sie ist ein Thema in allen Gegenden mit intensiver Landwirtschaft. Nach den jüngsten Zahlen des Kreises Lippe weisen acht Trinkwasserbrunnen in Lippe zu hohe Werte auf - acht von 189.

Das hört sich nicht dramatisch an, und die Dramatik sinkt noch einmal, wenn man betrachtet, wie die Kommunen damit umgehen: Sie mischen Wasser aus weniger belasteten Brunnen mit Wasser aus höher belasteten Quellen und kommen so auf Werte, die unbedenklich sind. Das aber ist kein Grund für ein "Weiter so!" Es sollte vielmehr eine hohe Motivation sein, schnell Maßnahmen zu ergreifen, um einvernehmliche Lösungen zu finden und im Sinne der lippischen Bürger die Nitratwerte in den Brunnen zu verringern. Schon seit langem kooperieren Wasserwirtschaft und Landwirtschaft darüber in Lippe. Das Modell hat sich bewährt, beide Seiten haben ihre Vorteile davon. Diese Kooperation könnte Basis für eine Erweiterung sein. Der Diskussionsbedarf ist hoch, denn viele Wasserschutzgebiete müssen aktuell neu festgelegt werden.

Sicher ist: Es ist nicht im Sinne der Lipper, wenn abgewartet wird, bis in Brüssel oder in Berlin das Thema geregelt wird. Vielmehr ist es sinnvoll, gemeinsam mit allen Beteiligten das Trinkwasser aller Bürger gut zu schützen, denn hier geht es um einen sensiblen Stoff. Dabei darf nicht überdramatisiert werden, aber es darf auch nichts heruntergespielt werden. Die Nitratpräventionskonferenz beim Kreis Lippe ist der Anfang. Mehr muss folgen. tengelhardt@lz.de

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