Stadt will langfristig Friedhöfe und Kapellen schließen

Manfred Brinkmeier

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Langfristig soll sich die Trauerlandschaft verändern - © Patrick Bockwinkel
Langfristig soll sich die Trauerlandschaft verändern (© Patrick Bockwinkel)

Blomberg. Noch ist die Messe nicht gelesen. Allerdings sieht das Friedhofskonzept der Stadt Blomberg langfristig die Schließung von Friedhöfen und Friedhofskapellen vor. Es geht aber auch darum, veränderten Bestattungsformen gerecht zu werden.

Bürgermeister Klaus Geise spricht von sehr konstruktiven Gesprächen mit den Kirchengemeinden. Für die hat sich schwerpunktmäßig Pastor Jörg Deppermann mit dem „sehr sensiblen Themenfeld" beschäftigt, wie er selber sagt. „Es ist deshalb sehr sensibel, weil wir Menschen begleiten, die jemanden zu Grabe tragen. Für viele Menschen ist der Friedhof zudem ein sozialer Raum für Begegnungen mit Freunden und Nachbarn."

In den zurückliegenden Jahren habe sich viel geändert. So habe es vor rund 18 Jahren nur 15 Prozent Urnenbeisetzungen gegeben. Deppermann: „Heute sprechen wir von 85 Prozent. Das muss natürlich in einem neuen Konzept berücksichtigt werden, indem wir uns kreativ Gedanken machen."

Ein Friedhof sei allerdings nicht nur ein Beerdigungsplatz sondern auch eine Grün- und Parkanlage. Aber genau das ist aus wirtschaftlicher Sicht ein Knackpunkt für die Stadt. Klaus Geise: „Nur 14 Prozent der Friedhöfe sind belegt. Dem stehen also 86 Prozent reine Grünflächen gegenüber. Deshalb gehört es ebenso dazu, Friedhöfe wirtschaftlich und kostengünstig zu betreiben." Die Stadt hat aus diesem Grund im Rahmen des Gesamtpaketes Vorschläge für jeden einzelnen Friedhof gemacht. Nachfolgend die gravierendsten Planänderungen.

Friedhof Brüntrup: Die Grabfläche umfasst rund 22 Prozent. Die Friedhofskapelle verfügt über etwa 70 Plätze, soll aber zurückgebaut werden. Zudem soll die Friedhofsfläche um rund 650 Quadratmeter verringert werden. Nach Ablauf aller Verträge soll der Friedhof ganz aufgegeben werden. Brüntrup soll dann dem Bestattungsbezirk Cappel zugeordnet werden.

Friedhof Dalborn: Hier sind gerade mal 8 Prozent von den 1537 Quadratmetern Grabfläche. Die Friedhofsfläche soll deshalb nun um rund 600 Quadratmeter reduziert werden – und zwar durch Versetzen des Zaunes oder die Anlage einer Blumenwiese. Die Grabfelder sollen nicht neu belegt, sondern allenfalls für einen begrenzten Zeitraum für Urnenbestattungen genutzt werden. Langfristig soll auch dieser Friedhof aufgeben werden. Dalborn soll zukünftig dem Bestattungsbezirk Donop zugeordnet werden.

Friedhof Höntrup: Von der Größe von 1736 Quadratmetern sind nur 13 Prozent belegt. Hier soll zeitnah die Fläche um rund 550 Quadratmeter reduziert werden, da die Rasenfläche nicht mehr benötigt wird. Vorschläge sind: Zaun ziehen und Hecke versetzen; Kreuz/Denkmal umsetzen; Blumenwiese anlegen. Später soll auch dieser Friedhof verschwinden. Höntrup würde dann zum Bestattungsbezirk Reelkirchen/Herrentrup gehören.

Friedhof Wellentrup: Hier sind gerade mal nur rund 313 Quadratmeter von insgesamt etwa 2417 Quadratmetern belegt – also etwa 13 Prozent. Die Friedhofskapelle bietet rund 60 Personen Platz. Die Blomberger Stadtverwaltung schlägt auch für diese Kapelle einen Rückbau vor. Neue Grabstellen sollen nicht mehr eröffnet werden. Nach Aufgabe des Friedhofs soll Wellentrup dem Bestattungsbezirk Istrup zugeschlagen werden.

Bürgermeister fordert zeitnahe Grundsatzeinscheidung
„Was letztlich nach der Umsetzung des Friedhofskonzeptes am Netz bleibt, muss vernünftig und professionell gestaltet werden", sieht Bürgermeister Klaus Geise die Stadt in der Pflicht. Zur Umsetzung werde man sich allerdings wohl Dritter bedienen müssen.

Am Montag, 14. März, soll das Thema auf die Tagesordnung des Hauptausschusses kommen. Für die Brüntruperin Susanne Kleemann (CDU) ist dieser Zeitraum zu kurz. „Wir müssen darüber in einer Dorfausschusssitzung sprechen." Für Geise ist der Zeitraum realistisch, da es nur darum gehe, eine realistische Linie festzulegen. „Hierbei geht es nicht um Einzelinteressen und Totschlag-Argumente. Es geht um unsere Verantwortung für die Generation danach. Dafür müssen wir eine Perspektive aufbauen." Nehme man dagegen Einzelpunkte heraus, mache es die Sache nicht einfacher.

Elke Brandt-Rey (CDU) gibt zu bedenken, der Friedhof Brüntrup von Cappel aus gerade für ältere Leute fußläufig gar nicht zu erreichen sei. Auch so etwas müsse berücksichtigt werden. Da hier ein ganz großes Fass aufgemacht werde, sollte man sich Zeit lassen. Das Thema sei viel zu wichtig für eine unnötige Eile, betont Friedrich-Wilhelm Meier (CDU). Zunächst einmal sollte ein Gesamtpaket geschnürt werden, erwidert der Bürgermeister.

Erst dann sollten nach und nach Einzelpunkte angesprochen werden. Dazu zählten auch Überlegungen zu Patenschaften oder Kooperationen. „Ein Friedhof, der aufgegeben wird, ist über einen langen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren ein zunehmend trauriger Anblick, weil ein Grab nach dem anderen verschwindet", merkt Pastor Jörg Deppermann kritisch an. „Die Umgestaltung muss deshalb durch einen Fachmann erfolgen, was wiederum finanzielle Investitionen bedeutet. Es könnte dann aber eine gute Sache werden."

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