Vom Lehrer in Nepal zum Restaurantbetreiber in Blomberg

Vor zwölf Jahren ist Kishan Jung Thapa vor dem Bürgerkrieg aus Nepal nach Blomberg geflohen, wo er einen Neuanfang machte

Karl-Heinz Krull

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Gelungener Neuanfang: Kishan Jung Thapa sitzt mit seiner Frau Sumitra Thapa an einem Tisch im „Louis Prima". Im vergangenen Jahr hat sich der Nepalese selbstständig gemacht, nachdem er 2004 nach Deutschland gekommen war. - © Krull
Gelungener Neuanfang: Kishan Jung Thapa sitzt mit seiner Frau Sumitra Thapa an einem Tisch im „Louis Prima". Im vergangenen Jahr hat sich der Nepalese selbstständig gemacht, nachdem er 2004 nach Deutschland gekommen war. (© Krull)
Blomberg. Der Bürgerkrieg in Nepal hat Kishan Jung Thapa 2004 nach Blomberg gespült. Damals musste er noch einmal ganz von vorne anfangen. Heute ist er 43 Jahre alt und Chef in der Pizzeria "Louis Prima" an der Neuen Torstraße. Der LZ erzählt er seine Geschichte.

Kishan Jung Thapa beantwortet die Frage nach seinem Namen mit einem: "Hier gibt es Tappe, in Nepal Thapa." Eine Antwort, die klar macht, dass Menschen überall Gemeinsamkeiten haben, dass er ganz gut mit der deutschen Sprache umgehen kann, dass er lokale Strukturen kennt und mit trockenem Humor zurechtkommt. Thapa hat im vergangenen Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und "Louis Prima" in der Blomberger Innenstadt gepachtet.

Zuvor hatte er schon Jahre in der Gastronomie gearbeitet, unter anderem auch im "Scharfrichter" gegenüber. "Eigentlich bin ich Lehrer, aber ich musste schnell Geld verdienen, um Frau und Tochter hierher holen zu können", erklärt er seinen Weg. Sieben Jahre hat es gedauert, bis er 2011 die notwendigen Voraussetzungen für die Einreise für seine Frau und seine Tochter erarbeitet hatte - die Familie kam nach Blomberg.

Die 13-jährige Tochter besucht inzwischen die Realschule und Kishan Jung Thapa ist hörbar stolz auf ihre guten schulischen Leistungen, besonders in Deutsch. Seine Ehefrau Sumitra ist bei ihm angestellt und arbeitet an seiner Seite. "Ich bin zufrieden", sagt Thapa - und damit meint er nicht nur seine geschäftliche Situation. "Hier ist meine erste Heimat. Ich wohne hier, arbeite hier, verdiene mein Brot hier", stellt er fest, und damit ist auch klar, dass es ihn nicht auf Dauer zurück nach Nepal ziehen wird.

"Blomberg ist nicht so groß, hier kann man gut leben, alles ist zu Fuß zu erreichen, ich kenne viele Leute", zählt er die Vorteile der kleinen Stadt auf. Und ist damit schon ganz nah bei der Einschätzung, die die Stadt gerne für ihre Eigenwerbung nutzt.

Kishan Jung Thapa und seine Familie sind also angekommen. Sie haben einen deutschen Freundeskreis und "auch das Personal ist Teil meiner Familie", so Thapa. Eine seiner Verbindungen in seine ehemalige Heimat Nepal läuft über seine Freunde Karl-Ludwig Tracht und Karl-Heinz Wulff, ausgesprochene Kenner des Landes, die quasi in Kathmandu zu Hause sind und Hilfsprojekte initiieren. Wenn die in Blomberg zu Gast sind, gibt?s keine Pizza. Auch wenn es Burger, Pizza & Co inzwischen bis Katmandu geschafft haben, steht in Blomberg dann Reis auf dem Tisch. "Den gibt es in Nepal dreimal am Tag", erklärt Thapa. Dazu Gemüse und beispielsweise Hühnchen, je nachdem abgeschmeckt mit Ingwer, Kreuzkümmel oder Curry. Das findet man allerdings nicht auf der "Louis Prima"-Speisekarte. Auf seine Arbeit in seiner Pizzeria ist Kishan Jung Thapa sehr stolz. Schließlich habe sie ihm die Integration seiner Familie in Blomberg ermöglicht.

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