Familiengrab wird eingeebnet: Urne des Vaters darf nicht umgebettet werden

Mario Wiebusch-Meier möchte die Urne seines 2015 beerdigten Vaters umbetten lassen - Doch das ist laut Satzung nicht möglich

Patrick Bockwinkel

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Ort der Erinnerung: Mario Wiebusch-Meier und seine Cousine Andrea Bunte legen an ihrem Familiengrab Blumen nieder. Das wird allerdings bald eingeebnet. - © Patrick Bockwinkel
Ort der Erinnerung: Mario Wiebusch-Meier und seine Cousine Andrea Bunte legen an ihrem Familiengrab Blumen nieder. Das wird allerdings bald eingeebnet. (© Patrick Bockwinkel)

Blomberg. Noch können Mario Wiebusch-Meier, seine Lebensgefährtin Petra Repka und seine Cousine Andrea Bunte Blumen an ihrem Familiengrab auf dem städtischen Friedhof in Blomberg niederlegen und ihren Angehörigen gedenken. Doch damit ist es bald vorbei. In wenigen Wochen wird das Grab eingeebnet, obwohl dort erst vor einem Jahr Mario Wiebusch-Meiers Vater bestattet wurde.

Das Problem

Nach 40 Jahren (30 Jahre plus 10 Jahre Verlängerung) endet die Nutzungszeit für Gräber, so heißt es in der Friedhofssatzung der Stadt Blomberg. „Als mein Vater 2015 gestorben war, haben wir ihn ganz bewusst im Familiengrab beerdigen lassen. Er sollte bei seiner Frau, seinen Eltern und seiner Schwester sein, das war unser Wunsch", erzählt Mario Wiebusch-Meier.

Damals sei ihm bewusst gewesen, dass das Familiengrab nur noch für ein Jahr existieren würde. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich die Urne meines Vaters danach auf ein neues Grab umbetten lassen kann. Deshalb habe ich kein Problem darin gesehen, ihn zunächst im Familiengrab beizusetzen", sagt Wiebusch-Meier.

Der Schock

„Als ich vor einigen Wochen im Rathaus war, um mich über die Formalitäten einer Umbettung zu informieren, hat man mir gesagt, dass das nicht geht", sagt Wiebusch-Meier. Eine Umbettung sei nur in ein bestehendes, nicht aber in ein neues Grab möglich. Das stehe so in der Friedhofssatzung. „Da bin ich aus allen Wolken gefallen", erzählt Wiebusch-Meier. Von dieser speziellen Regel habe er nichts gewusst.

„Die Stadt hat uns vor einem Jahr zwar darauf aufmerksam gemacht, dass unser Familiengrab 2016 eingeebnet wird, aber nicht, dass die Urne meines Vater dann nicht in ein neues Grab umgebettet werden kann", erzählt Wiebusch-Meier. „Hätte ich das gewusst, hätte ich ganz anders gehandelt." Die Angelegenheit mache ihm und seiner Familie sehr zu schaffen. Da sein Vater Friedrich Meier in Blomberg geboren wurde, dort gearbeitet habe, sich als SPD-Mitglied viele Jahre in der Politik engagiert hatte und sogar stellvertretender Bürgermeister war, sollte er seine letzte Ruhe auch in der Erde seiner Heimatstadt finden. Doch das ist nun mehr als fraglich.

Das sagt die Stadt

Seine Enttäuschung hatte Mario Wiebusch-Meier in einem Gespräch mit Bürgermeister Klaus Geise zum Ausdruck gebracht. „Grundsätzlich ist die Situation sehr bedauerlich. Ich habe großes Verständnis für die Betroffenheit der Familie", sagt Geise auf LZ-Anfrage.

Diese emotionale Ebene sei aber nicht mit einer nüchternen Friedhofssatzung übereinzubringen, an deren Regeln sich die Stadt zu halten habe. Eine Ausnahme könne und werde es nicht geben. „Die Satzung lässt keinen Spielraum zu, auch für eine so verdiente Person wie Friedrich Meier sie gewesen ist nicht", sagt Geise.

Das Regelwerk werde zwar gerade umfangreich überarbeitet. Dennoch sei es nicht möglich, ein Auge zuzudrücken. Denn mit einer Verabschiedung der neuen Fassung sei erst im Frühjahr 2017 zu rechnen. Über die jetzt entstandenen Probleme sei laut Geise 2015 das von Wiebusch-Meier beauftragte Bestattungsunternehmen informiert worden. Darüber gebe es einen Aktenvermerk, sagt der Bürgermeister. „Das stimmt nicht und ist auch nicht geschehen", sagt hingegen Bestatterin Liesel Rubart, die sich sehr über diese offenbar besondere Regel in Blomberg wundert. „Von anderen Städten kenne ich das so nicht", sagt Rubart.

Die Alternativen

Für Mario Wiebusch-Meier und seine Familie gibt es nun drei Alternativen. Entweder, sie verzichten auf eine Umbettung und müssen nach der Einebnung an einer platten Wiese trauern, ohne dort Blumen niederlegen zu können. „Das kommt nicht in Frage", sagt Wiebusch-Meier.

Oder sie suchen sich jemanden, der ein bestehendes Grabfeld gemietet und dort noch Platz hat. „Diesen Hinweis hat man uns im Rathaus gegeben. Ich werde aber ganz bestimmt nicht bei Bekannten Klinken putzen gehen und sie mit dieser Frage konfrontieren", sagt Wiebusch-Meier. Dritte Möglichkeit ist ein Umzug der Urne seines Vaters auf einem Friedhof außerhalb von Blomberg, beispielsweise nach Detmold.

„Dort ist es nämlich möglich, ein neues Grab für eine Umbettung zu mieten", sagt Wiebusch-Meier. „Das ist eigentlich nicht das, was wir wollen. Leider bleibt uns aber wohl keine andere Möglichkeit. Ich bin einfach nur enttäuscht."

Verbraucherinitiative sieht Fehler der Stadt

Bei der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur „Aeternitas" sind die Mitarbeiter ziemlich verblüfft über den Fall aus Blomberg. „Meines Erachtens hätte die Stadt 2015 die Beisetzung gar nicht auf einem Grab zulassen dürfen, für das nur ein Jahr später die Nutzungsdauer abläuft und Einebnung. Es ist nämlich höchst fraglich, ob in diesem Fall die vorgeschriebene Ruhefrist überhaupt gewahrt werden kann", sagt „Aeternitas"-Rechtsreferent Torsten Schmitt auf LZ-Anfrage.

Nach einer ersten kurzen Prüfung der Blomberger Friedhofssatzung sehe er im Gegensatz zur Verwaltung schon einen gewissen Spielraum, um die Urne von Mario Wiebusch-Meiers Vater in ein neues Grab umbetten zu lassen. „In der Satzung steht, dass neue Wahlgräber nur anlässlich eines Todesfalls begründet werden können. Diesen Anlass könnte man meiner Ansicht nach auch noch auf den Todesfall von Herrn Wiebusch-Meiers Vater vor einem Jahr beziehen", sagt Schmitt.

Kommentar: Bürgernähe sieht anders aus

von Patrick Bockwinkel

Dass sich die Blomberger Stadtverwaltung an ihre Friedhofssatzung klammert und keine Möglichkeit sieht, eine beigesetzte Urne in ein neues Grab umzubetten, ist nüchtern betrachtet vielleicht nachvollziehbar.

Aus menschlicher Sicht ist die Haltung hingegen kaum zu verstehen. Schließlich entstünde der Stadt keinerlei Schaden, im Gegenteil. Eine neue Grabfläche würde angemietet, was Geld in die Gebührenkasse des ohnehin defizitären Friedhofsgeschäfts spülen würde.

Doch einen Fall, wie ihn Familie Wiebusch-Meier nun erlebt, sieht das trockene Regelwerk schlicht nicht vor. Dabei gebe es der Verbraucherinitiative „Aeternitas" zufolge durchaus Spielraum bei der Auslegung der Friedhofssatzung. Doch stattdessen fühlt sich nun eine Familie vor den Kopf gestoßen und ziemlich im Stich gelassen. Pluspunkte in Sachen Bürgernähe sammelt man so jedenfalls nicht.

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