Dalborner übernehmen die Pflege ihres Friedhofs

Die Bewohner des kleinen Blomberger Ortsteils unterzeichnen als erste eine Vereinbarung mit der Stadt

Patrick Bockwinkel

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Ortsvorsteher Wilhelm Sigges (links) und Bürgermeister Klaus Geise unterzeichnen die Pflegevereinbarung über den Dalborner Friedhof, wozu auch einige Einwohner auf die Ruhestätte gekommen sind. - © Foto: Bockwinkel
Ortsvorsteher Wilhelm Sigges (links) und Bürgermeister Klaus Geise unterzeichnen die Pflegevereinbarung über den Dalborner Friedhof, wozu auch einige Einwohner auf die Ruhestätte gekommen sind. (© Foto: Bockwinkel)

Blomberg-Dalborn. Rasen mähen, Büsche und Hecken schneiden sowie Laub und Grün entfernen: Bisher hat der Bauhof diese Arbeiten auf dem Friedhof in Dalborn erledigt. Doch in Zukunft wird sich die Dorfgemeinschaft um die Pflege ihrer kleinen Ruhestätte kümmern. Gestern wurde eine Vereinbarung zwischen den Dalbornern und der Stadt Blomberg unterzeichnet.

„Wenn man sich normalerweise auf einem Friedhof mit einer größeren Gruppe trifft, steckt dahinter eher ein nicht so schöner Anlass", sagte Bürgermeister Klaus Geise: „Diesmal ist unsere Zusammenkunft aber durchaus positiv." Das Stadtoberhaupt erinnerte an die seit einem Jahr intensiv und emotional geführten Diskussionen über die Veränderung der Blomberger Ruhestätten.

Da die Einnahmen durch die Friedhofs-Gebühren längst nicht mehr ausreichten, um die Kosten für Pflege und Instandhaltung zu decken, hatte die Stadt die Stilllegung einiger Gräberfelder vorgeschlagen. Dagegen regte sich Widerstand in den betroffenen Orten. Im Verlauf der Debatte wurde mit den einzelnen Dorfgemeinschaften ausgelotet, wie die Einwohner in eine Kooperation die Pflege der Ruhestätten und – sofern vorhanden – Kapellen selbst übernehmen könnten, um so das Stadtsäckel zu entlasten. Als erstes haben gestern die Dalborner die Vereinbarung mit der Kommune unter Dach und Fach gebracht.

„Für uns ist das schließlich die einzige Möglichkeit, unseren Friedhof zu erhalten", sagte Ortsvorsteher Wilhelm Sigges. Einwohnerin Stefanie Beermann sieht das Ganze mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Wir haben keine Alternative dazu, die Pflege selbst in die Hand zu nehmen. Andernfalls würde der Friedhof geschlossen."

15 Helfer hätten sich laut Sigges dazu bereit erklärt, in Zukunft auf dem Gelände der Ruhestätte den Rasen zu mähen und die Büsche zu schneiden. „Wir werden dafür bei einer Dorfversammlung noch ein genaues Konzept aufstellen", berichtete Sigges. Für eine erste Geräteausstattung werde die Stadt sorgen. Genau so war sie zuvor auf einige Wünsche der Einwohner eingegangen und hatte etwa eine Hecke nachgepflanzt oder einen Zaun angebracht. Außerdem sei auf von den Bürgern vorgeschlagene Bestattungsformen wie Urnengräber unter Bäumen eingegangen worden. „Ihre Entscheidung, die Pflege dieses Friedhofs zu übernehmen, verdient großen Respekt", sagte Geise.

Die Dorfgemeinschaft wird in Zukunft auch über ein Kunst-Projekt sprechen, das Prof. Axel Seyler vorantreiben möchte. „Der Friedhof soll beispielsweise durch Bronzeplastiken zu einem Park werden, wie es ihn noch nicht gibt", sagte der in Dalborn lebende Bildhauer.

Information

Andere Ortsteile sollen folgen

Mit mehreren Dorfgemeinschaften laufen Gespräche, um die Pflege einzelner Friedhöfe in die Hände der Einwohner zu legen. Das gilt etwa für Höntrup und Wellentrup, wobei es dort auch um die Pflege einer Kapelle gehe.

Schwieriger sei laut Bürgermeister Klaus Geise der Fall in Brüntrup. Dort würden die Einwohner zwar die Kapelle in Schuss halten wollen, nicht aber den Friedhof.

Außerdem gebe es einen privaten Bestatter, der dies übernehmen möchte. Mit den Reelkirchenern, die eine Art Hausmeisterdienst für ihre Kapelle anbieten, laufen auch Gespräche.

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