Diskussion um Kunstrasenplatz in Blomberg nimmt Fahrt auf

Der Blomberger SV und der TuS BW Istrup tragen ihre Forderungen der Politik vor

Patrick Bockwinkel

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Mit Plakaten: Mitglieder des Blomberger SV unterstreichen ihre Forderung nach einem Kunstrasenplatz in der Kernstadt. - © Foto: Bockwinkel
Mit Plakaten: Mitglieder des Blomberger SV unterstreichen ihre Forderung nach einem Kunstrasenplatz in der Kernstadt. (© Foto: Bockwinkel)

Blomberg. So könnten die Anhänger des Blomberger SV auch auch beim nächsten Punktspiel der ersten Mannschaft auflaufen: Mit Schals, Shirts und Plakaten haben sie im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur ihre Forderung nach einem Kunstrasenplatz in der Kernstadt unterstrichen. Den wünscht sich aber auch der TuS BW Istrup. Beide Varianten, über die die LZ am Samstag berichtete, beschäftigen nun die Politik.

Das sagt BSV-Chef Ulrich Retzlaff: Er und TuS-Vorsitzender André Klaas machten klar, dass ihre Anträge nicht gegeneinander gerichtet sind. „Wir wollen, dass grundsätzlich einer in Blomberg gebaut wird", sagte Retzlaff. Er wies darauf hin, wie schwierig der Spiel- und Trainingsbetrieb auf einem bei schlechten Wetter anfälligen Naturrasen sei. Außerdem führte der BSV-Vorsitzende die Konsequenzen vor Augen, wenn am Feldeggerser Weg ein Baugebiet entsteht. „Damit wäre unser Vorschlag für alle Zeit aus der Welt", sagte Retzlaff, da das Gelände dann nicht mehr für den Bau einer Wurfanlage genutzt werden könnte (siehe Kasten und Bericht nebenstehend). Darüber hinaus befürchte Retzlaff Probleme, wenn in der Nähe zum Stadion Häuser gebaut würden. „Wenn sich einer durch den Spielbetrieb oder die an- und abfahrenden Autos gestört fühlt, würde sich das auf die Nutzungszeiten des Stadions auswirken".

Das sagt TuS-Chef André Klaas: Auch der TuS habe durch die schlechten Platzverhältnisse oft mit Trainings- und Spielausfällen zu kämpfen. „Unser Platz ist leider in keinem guten Zustand", sagte Klaas. Durch die Unebenheiten käme es auch immer wieder zu Verletzungen. Durch einen Kunstrasen gehörten all diese Probleme der Vergangenheit an, auch die Pflege sei nicht so aufwendig. Als Finanzierungsmöglichkeit brachte Klaas das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) ins Spiel. Ein Förderprogramm, durch das Maßnahmen in Dörfern finanziert werden können. „Egal wo der erste Kunstrasen gebaut wird, ich werde die Entscheidung mittragen", sagte Klaas.

Das sagt die Politik: Ausschussvorsitzender Klaus-Peter Hohenner (SPD) begrüßte die Nachricht, dass beide Vereine eine Entscheidung der Politik, wie auch immer diese ausfallen werde, akzeptieren würden. „Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall", sagte Hohenner. Hans Joachim Röhr (CDU) warf die Frage nach den Kosten für die einzelnen Varianten als Diskussionsgrundlage auf. „Derzeit wissen wir noch nicht, wo die Reise hingeht", sagte er. Der Forderung von Susanne Kleemann (CDU), dass der Stadtsportverband (SSV) ein Finanzierungskonzept aufstellen solle, erteilte SSV-Chef Andreas Schelp eine Absage: „Das ist nicht unsere Aufgabe." Gottfried Eichhorn (SPD) sagte, dass der Wunsch der Vereine nachvollziehbar sei und regte an, dass die Verwaltung die Kosten zusammentragen solle.

So geht es weiter: Bis eine Entscheidung fällt, ob, wann und wo ein Kunstrasen gebaut wird, vergeht noch einige Zeit. Die Verwaltung soll bis zur nächsten Ausschusssitzung im März die Kosten für die Varianten ermitteln. Dabei sollen auch die Pflegekosten für die Rasenplätze und einen Kunstrasen gegenübergestellt werden. Außerdem soll die Möglichkeit geprüft werden, einen Kunstrasenplatz anstelle einer Wurfanlage auf der Freifläche am 
Feldeggerser Weg zu bauen.

"Der große Vorteil eines Kunstrasens ist die Nutzungszeit"

Der Blomberger SV hat bereits eine Kostenschätzung erstellen lassen, was der Neubau eines Kunstrasens kosten würde. Dabei wurde der Verein von einem Experten beraten, der das namhafte Bundesleistungszentrum Kien-baum mit geplant hatte.

Demnach würde die Umwandlung des Rasens im Stadion mit rund 400.000 Euro zu Buche schlagen. Für Istrup müssten rund 700.000 Euro ausgegeben werden. „Dort wäre eine Umwandlung teurer, da unter anderem noch eine Tragschicht für den Kunstrasen eingebaut werden müsste. Im Stadion ist diese schon vorhanden", erklärt Willem de Vos vom Blomberger SV. Als Beispiel für die Umwandlung eines Platzes könnten die Kosten in Detmold-Heiligenkirchen genannt werden. Dort investierte die Stadt 648.000 Euro. „Allerdings sind dort Flutlicht und eine gute Kabineninfrastruktur vorhanden. In Istrup gibt es kein Flutlicht. In die Kabinen müsste sicher auch investiert werden. Der Platz in Istrup wäre mit dem in Heiligenkirchen vergleichbar", berichtet de Vos. Der Bau einer Wurfanlage könnte 250.000 Euro kosten. Hier komme es auf Bodenbeschaffenheit und Infrastruktur an. Es habe schon Anlagen für 50.000 Euro gegeben.

Die jährlichen Pflegekosten würden für einen Rasenplatz 22.000 Euro, für einen Kunstrasen rund 6.000 Euro betragen. Kunstrasen der 5. Generation sollten zwischen 15 und 20 Jahre halten. „Der große Vorteil eines Kunstrasens ist die Nutzungszeit", erklärt de Vos. Ein Naturrasen könne rund 500 Stunden im Jahr bespielt werden, ein Kunstrasen 1.800 bis 2.000 Stunden.

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Die Forderung der beiden Vereine


Nach jahrelangem Stillstand kommt jetzt neuer Schwung in die Diskussion um den Bau eines Kunstrasens in Blomberg. Sowohl der TuS als auch der BSV fordern die Umwandlung ihrer Sportstätten. Klar ist aber schon jetzt, dass es wegen der knappen Kassenlage erst einmal nur einen in der Großgemeinde geben wird.

Der Blomberger SV schlägt vor, den Naturrasen des Stadions am Rammbocke gegen einen Kunstrasen auszutauschen. Die Werfer der LG Lippe-Süd müssten dann allerdings auf eine Wurfanlage umziehen, die auf einer Freifläche unterhalb des Stadions zwischen dem Feldeggerser Weg und der Straße „Am Rammbocke" liegt.

Allerdings hat Rot-Grün dieses Areal als Bauland auf den Weg gebracht. Der TuS BW Istrup wünscht sich hingegen, dass seine Sportstätte in einen Kunstrasenplatz umgewandelt wird. In der Mitte der Großgemeinde gelegen, könne die Anlage sehr gut zu erreichen.

Unabhängig vom Standort würde ein Kunstrasen allen Vereinen in Blomberg zur Verfügung stehen.

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