Neues Kursangebot für ehrenamtliche Arbeit mit sterbenden Menschen

Sylvia Frevert

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(von links) Ilse Böinghoff (Kursusleitung Hospizdienst) mit den Teilnehmern des Grundkurses „Sterbende begleiten", Roswitha Withöft, Heike Weishaupt, Ruth Baumann und Karin Berner. - © Foto: Frevert
(von links) Ilse Böinghoff (Kursusleitung Hospizdienst) mit den Teilnehmern des Grundkurses „Sterbende begleiten", Roswitha Withöft, Heike Weishaupt, Ruth Baumann und Karin Berner. (© Foto: Frevert)

Blomberg/Detmold. Der Tod gehört zum Leben dazu. Dennoch ist er für die meisten Menschen ein Tabuthema. „Aber da muss man drüber sprechen", sagt Karin Berner und nippt an ihrem Kaffee. Nach einem Todesfall in ihrem engsten Umfeld hat sich die Detmolderin entschieden, einen Grundkursus „Sterbende begleiten" beim Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst in Detmold zu belegen. 13 Teilnehmer machen derzeit diese Ausbildung, um entsprechend geschult für ein späteres Ehrenamt in der Hospizarbeit zu sein.

Am Samstag, 29. April, startet auch in Blomberg im Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Kirche Im Seligen Winkel 10 ein Grundkursus. Während der in Detmold ansässige Hospiz-Verein in der Residenzstadt Wartelisten für seine Kurse führen muss, ist Blomberg und Südlippe derzeit noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der ehrenamtlich in der Sterbebegleitung Tätigen.

„Nachdem wir aber mehrfach Anfragen aus Blomberg und Horn-Bad Meinberg erhielten, haben wir uns entschieden, diesen Kursus anzubieten", erklärt Ilse Böinghoff, Sozialarbeiterin und Angestellte des Hospizvereins. Sie leitet gemeinsam mit fest angestellten oder ehrenamtlichen Kollegen die Kurse zum Thema Sterbebegleitung.

„Wir besuchen Menschen in ihrem Lebensumfeld – das kann im privaten Zuhause oder in einer stationären Einrichtung sein", umschreibt Böinghoff die spätere Tätigkeit und betont die Intention der Ehrenamtlichen: „Es geht um ein Stück Normalität, Alltag, Zuhören. Klare Grenzen sind bei Dienstleistungen gesetzt. Diese übernehmen wir nicht. Wir sind Begleiter im Leben bis zum Ende."

Dass diese Begleitung auch durchaus Raum für Freude bieten kann, zeigt die Atmosphäre in der Detmolder Beratungsstelle. Vier der dreizehn Teilnehmer tauschen sich bei einer Tasse Kaffee über ihre Erfahrungen im Kursus aus. Die Altersspanne reicht von 20 bis 70 Jahre. „Jeder in diesem Kursus nimmt etwas für sich mit", sagt Heike Weishaupt aus Detmold.

Sie hatte den Grundkursus zunächst als berufliche Fortbildung gesehen und stellt gegen Ende der 28 Unterrichtseinheiten, die einen Samstag und sieben wöchentliche Abende umfassen, fest, dass sie sich ebenso für ihr Privatleben gestärkt fühlt. „Dieser Kursus ist ein Geschenk für mein Leben", bestätigt auch Teilnehmerin Roswitha Withöft. Achtsamkeit, Respekt, Reflexion, Zuhören und Kommunikation sind Kursusinhalte, die auch den Lernenden fördern. Dennoch, so betonen die Teilnehmer unisono, sei der Kursus kein „Psychotherapie-Sofa".

„Es geht darum, den Sterbenden zu begleiten; ein Stück Zeit zu schenken", sagt Ilse Böinghoff. Wie viel Zeit ehrenamtlich eingesetzt wird, liegt im Ermessen und den persönlichen Möglichkeiten der Teilnehmer. „Wir haben in Lippe derzeit 120 Ehrenamtliche und im Durchschnitt 60 bis 70 Menschen, die wir begleiten", erläutert Böinghoff.

Nach dem Grundkursus, der ein offenes Angebot ist und nicht zur Mitarbeit verpflichtet, werden Vertiefungskurse angeboten. Die Teilnehmer können später an regelmäßigen Treffen in Kleingruppen teilnehmen. Zweimal monatlich wird eine Supervision angeboten. Außerdem besteht die Möglichkeit zum Einzelgespräch und zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen.

Mehr Infos und Anmeldung hier.

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