"Fausts Reise in die Gegenwart" begeistert in Blomberg

Torben Gocke

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Manipulationsversuch: Maria Bussen ist eine der Gestalten des Mephisto, der versucht, Faust (Marlon Schröder) zu beeinflussen. Foto: Torben Gocke - © Torben Gocke
Manipulationsversuch: Maria Bussen ist eine der Gestalten des Mephisto, der versucht, Faust (Marlon Schröder) zu beeinflussen. Foto: Torben Gocke (© Torben Gocke)

Blomberg. Es ist kein leichtes Feld, auf das sich Lehrerin Jasmin Naal-Glaßer und ihre gut 40 Schüler gewagt haben – Goethes Klassiker „Faust" sollte inszeniert werden. Der selbst gesteckte Ansatz: Neu und im modernen Setting sollte die Tragödie erzählt werden, ohne dabei die Schärfe aufzuweichen. Der Literaturkurs entschied sich für eine Inszenierung nach Klaus Opilik, jetzt folgte die Aufführung.

Die Handlung wurde dazu kurzerhand in ein den Schülern vertrautes Milieu verlegt – das Leben von Schülerinnen und Schülern der Gegenwart bildete den Rahmen für Marlon Schröder, der den Faust spielte, welcher in der Blomberger Inszenierung seine Fragen und Zweifel ebenfalls aus der Perspektive eines modernen, jungen Mannes formulierte.

Entsprechend des zeitgenössischen Umfelds wurden schließlich auch die Verlockungen und teuflischen Angebote adaptiert, mit denen das Trio Mephistopheles versuchte, Einfluss auf den jungen Gelehrten zu nehmen. Die Fallstricke modernen Lebens – zusammengefasst mit „Sex, Drugs & Rock’n’Roll" – schlugen auf die jungen Menschen und auf Faust ein. Und auch die Sinnfrage sowie die Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, machten die Runde.

Passend zur Lebenswirklichkeit der Schüler fanden Aspekte aus verschiedenen Ecken des gymnasialen Curriculums ihren Weg in das Stück – von der Desoxyribonukleinsäure über Kontinentalplatten bis hin zu Ionenverbindungen – stets im Zusammenhang mit der Suche nach dem alles zusammenfügenden Element.

Den Schülern machten die Verlockungen und verführerischen Fallen des Alltages schwer zu schaffen, das durften die Zuschauer im Verlauf des Stückes ganz direkt beobachten. Ausschweifende Partys, Drogenrauschzustände und finanzielle Eskapaden vergifteten die Charaktere, einzig der moderne Faust widerstand als Denker und Skeptiker – bis schließlich Gretchen und mit ihr der Teufel ins Spiel um den jungen Mann kamen.

Am Ende lässt Klaus Opilik das Stück dann einen Weg einschlagen, den man wohl als eine Art „Happy End" begreifen darf. Die Liebe erringt den Triumph über den Teufel und seine Verlockungen.

Das Drama und insbesondere seine Darbietung durch die Blomberger Schülerinnen und Schüler begeisterten die Zuschauer. Entsprechend kräftigen Beifall folgte – ganz wie von Schulleiter Karsten Fahrenkamp vorausgesagt. Der war sich bereits zur Begrüßung der Gäste sicher und wagte die Prognose: „Es wird ein fantastisches Stück und lauter Jubel wird die Schüler entlohnen."

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