Die ganze Welt trifft sich in Dalborn

Guntmar Wolff

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Tam Minh Le, Joel Cerna Garcia de Alba, Dora Weber, Frank Merkord und Paul Wüllenweber (von links) arbeiten sich mit reichlich Spaß im Schlamm vorwärts. - © Guntmar Wolff
Tam Minh Le, Joel Cerna Garcia de Alba, Dora Weber, Frank Merkord und Paul Wüllenweber (von links) arbeiten sich mit reichlich Spaß im Schlamm vorwärts. (© Guntmar Wolff)

Blomberg-Dalborn. „Wir sind einfach begeistert." Mit diesen Worten schwärmen die beiden Polinnen Karolina Sajdek und Anita Grabowska über ihr Leben, das sie im Augenblick in Dalborn führen. Genauer gesagt, in der Lebensgemeinschaft Dalborn. Die beiden Jugendlichen sind mit anderen jungen Menschen aus der ganzen Welt noch bis zum 13. August für ein spezielles Workcamp auf dem Hof in dem kleinen Blomberger Ortsteil.

Dabei geht es darum, alternative Lebensformen kennenzulernen, wie es Ulla Bolder-Jansen vom Service Civil International beschreibt. Die Organisation ist weltweit tätig und vermittelt unter anderem solche Workcamps wie in Dalborn. Die jungen Menschen lernen beispielsweise ökologischen Gartenbau, solidarische Landwirtschaft oder Aspekte der Selbstversorgung kennen.

Und genau das machen die Teilnehmer auch in Dalborn, die aus Mexiko, Finnland, Taiwan, der Tschechischen Republik und aus Deutschland kommen. Für sie ist das keineswegs eine Ferienreise, sondern es muss mit angepackt werden. „Im Augenblick graben wir an einem Wasserlauf, um diesen zu renaturieren", erläutert Emma Takla, die aus Mannheim stammt.

„Ich bin hierhin gekommen, um andere Kulturen und auch Sprachen kennenzulernen", so Takla. Geleitet wird das Workcamp von Bärbel Etienne und Sjoerd Takken. „Es ist wichtig, dass wir eine feste Struktur haben", erklärt Etienne: „Das bedeutet, dass die Teilnehmer arbeiten, lernen und Freizeit haben."

Und das scheint genau in deren Sinne zu sein. Sie stehen knietief im Schlamm, schneiden Gräser und schaufeln den Matsch zur Seite. „Die Arbeit hier erfüllt uns", erklärt Grabowska. „Wir haben eine tolle Atmosphäre hier", versichert Etienne. Das zeige sich auch daran, dass man häufig noch abends zusammensitze und miteinander spreche.

„Es ist toll, dass wir unsere Zeit so frei einteilen können und dabei so viel lernen", freut sich Takla, die eine der wenigen ist, die sich aus Deutschland zu einem solchen Workcamp anmelden. „Wir suchen nach Freiwilligen, speziell in Deutschland", verrät Ulla Bolder-Jansen. Für sie ist das Projekt mehr als nur ein Freiwilligendienst. „Ich glaube, dass das Ganze ein gutes Instrument für das Verständnis untereinander ist", sagt Ulla Bolder-Jansen.

Für die Teilnehmer geht es nach einer kurzen Pause weiter. Neben Lehmbau und ökologischem Gemüseanbau sollen sie auch bei der Gewinnung von Saatgut und der natürliche Haltbarmachung von Gemüse und Obst helfen. Auf dem Studienplan stehen Gemeinschaftsleben, ökologischer Gartenbau, solidarische Landwirtschaft, Aspekte der Selbstversorgung und Gemeinwohlökonomie. „Es gibt viel zu tun", fasst Grabowska die Fülle an Lerninhalten zusammen. Aber darum gehe es ja auch. „Ich möchte etwas lernen."

Drei Initiativen, ein Ziel

Drei Initiativen im östlichen Westfalen sind miteinander vernetzt, um nachhaltige Strukturen in der Region aufzubauen. Die „Lebensgemeinschaft Dalborn" ist eine Gemeinschaft von zwölf Erwachsenen und zwei Kindern. Zur Gemeinschaft gehören zwei benachbarte Höfe. Die „Solidarische Landwirtschaft Dalborn" ist ein Verein mit 90 Mitgliedern und ökologisch betriebenem Gemüseanbau. „Rawaule – Anders Leben und Lernen" hat begonnen, ein ehemaliges Schullandheim auf ökologische Weise zu renovieren. Grundlegende Erkenntnis der drei Initiativen sei es, dass eine globalisierte Welt mit sieben Milliarden Menschen an ihre Grenzen stoße. Die Erschöpfung der Erde benötige alternative Lösungen für eine Zukunft, in der ein gesundes Leben für alle möglich sei.

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