Wilbasen 2017 - eine durchwachsene Bilanz

Seda Hagemann, Thomas Reineke und Freya Köhring

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Der Sonntag war der besucherstärkste Tag. - © Guntmar Wolff
Der Sonntag war der besucherstärkste Tag. (© Guntmar Wolff)

Blomberg. „Wilbasen 2017" ist einmalig gewesen. Aber leider nicht in dem Sinne, wie es Schausteller, der Marktmeister oder die Parkplatzbetreiber gerne gehabt hätten. Ergiebiger Regen hatte die Grünflächen derart aufgeweicht, dass große Teile über die vier Tage nicht zur Verfügung standen. Die Gäste mussten zum Teil weit weg parken – und viel Geduld mitbringen. Auch die Shuttle-Busse waren vor allem am Sonntag knallvoll. Die LZ hat mit vielen Beteiligten gesprochen.

Das sagt der Marktmeister

Bei Erhard Neumann vom Kreis Lippe laufen seit 2001 alle Wilbasen-Fäden zusammen. „So etwas wie an diesem Wochenende habe ich noch nicht erlebt." Dass die Parkplatzsituation an allen vier Tagen angespannt war, habe Nerven gekostet. Trotzdem habe er den Eindruck, dass es alles in allem „glimpflich" abgelaufen sei.

Seine Bilanz bleibt trotz eines besucherstarken Sonntags „durchwachsen": „Das trifft auf das Wetter ebenso zu wie auf die Gästezahlen insgesamt und die Verkehrssituation." Wer einen Ausschank betreibt, muss 24 Euro pro Quadratmeter Standfläche bezahlen. Fahrgeschäft-Inhaber sind mit rund zwei Euro pro Quadratmeter dabei. Der vergleichsweise günstige Preis relativiere sich angesichts der Größe von Achterbahn & Co. „Dazu kommen noch die Kosten für Personal und Strom."

Das sagt ein Landwirt

Dirk Blutte vermietet eigene und gepachtete Flächen an der B 1. Er macht das seit 35 Jahren. „So schlecht wie dieses Jahr war es noch nie." Er spricht von Einnahmeverlusten bis zu 90 Prozent gegenüber einem „normalen" Wilbasen. Die Flächen würden sonst nicht bewirtschaftet, dienten nur einmal im Jahr als Parkfläche.

Blutte nimmt drei Euro für die Tageskarte, und nur am Montag konnte er rund zwei Drittel für rund 500 Autos freigeben. Nicht mehr zu gebrauchen, waren die Flächen, wo noch am Freitag geparkt wurde. „Da ist alles durchgewühlt", so Blutte. Er allein habe mit dem Traktor rund 50 festgefahrene Autos wieder frei bekommen. „Und nicht in einem Fall dafür Geld genommen", betont der Landwirt.

Das sagt ein Schausteller

Tino Noack, Vorsitzender des Lippischen Schaustellervereins, war mit dem „Musik-Express" auf Wilbasen. „Freitag: Dauerregen. Samstag: zwei Schauer. Sonntag: sehr gut", lautete seine Bilanz in Stenoform. Noack hat ein großes Lob für die Lipper parat: „Unsere Gäste nehmen wegen der gesperrten Parkplätze am Gelände bis zu vier Kilometer Fußweg auf sich. Das ist einfach nur klasse."

Das sagt die Polizei

„Im Großen und Ganzen ist es selbst am Sonntag gesittet zugegangen", so der Leiter der Polizeiwache Blomberg, Harald Reineking. Das Ordnungsamt habe einige Knöllchen verteilen müssen. In zwei Fällen sei auch der Abschleppwagen gerufen worden. „Als der vorfuhr, kamen die Autobesitzer gerade zurück. So kostete es sie ,nur’ 118 Euro für die Anfahrt – statt 300 Euro fürs Abschleppen."

Am Sonntag wurde wieder an beiden Seiten der B 1 geparkt. „Wir haben das geduldet, weil dadurch die gefahrenen Geschwindigkeiten gesenkt wurden, was der Sicherheit der Fußgänger zugute kam, die überall über die Straße liefen."

Das sagen die Händler an der B1

Von chaotischen Zuständen berichtet Edeka-Markt-Inhaber Olaf Meyer, dessen Parkflächen jedes Jahr von Wilbasen-Besuchern genutzt werden. „Ich habe einen Teil der Parkplätze für unsere Kunden gesperrt und einen Mitarbeiter zur Kontrolle abgestellt", erzählt Mayer. Warenanlieferungen seien nicht möglich gewesen.

Insbesondere am Sonntag hätten die Autos kreuz und quer auf dem Gelände geparkt. Sogar unter dem Vordach am Eingang stellten Menschen ihre Wagen ab. "Wenn es gebrannt hätte, dann hätte die Feuerwehr echte Schwierigkeiten bekommen", sagt Mayer. Dennoch weiß er auch von netten Begegnungen zu berichten. "Wir haben von Wilbasen-Parkern auch schon Pralinen als Dankeschön geschenkt bekommen."

An der „Werkers Welt" wurden die Tore jeweils mit dem Geschäftsschluss geschlossen. „Wir haben Schilder aufgestellt, die die Besucher darauf hingewiesen haben" berichtete Marktleiter Thorsten Pett. Probleme für den Betrieb habe es nicht gegeben. Geöffnet war am Samstag bis 15 Uhr.

Am Sonntag hätten aber viele Autos einfach vor dem geschlossenen Tor geparkt – ohne Rücksicht auf Brandschutzbestimmungen. Auch am Recker-Baustoffmarkt parkten Fahrzeuge kreuz und quer. Sämtliche Ein- und Ausfahrten seien blockiert gewesen.

Beim Autozentrum Glowna und bei Tippenhauer-Zweiräder hätten zwar auch viele Wilbasen-Besucher geparkt, von einem Chaos wollen die Mitarbeiter in beiden Geschäften nicht sprechen. Glowna hat samstags nur nach Vereinbarung geöffnet, Tippenhauer bis 13 Uhr. Daher sei alles ertragbar geblieben.

Das sagt der Kreis

Kurzfristig hat der Kreis laut Sprecherin Lydia Penner versucht, zusätzliche Busse für den Pendelverkehr zu bekommen. Doch die Unternehmen hätten keine Kapazitäten mehr frei gehabt. So kam es, dass bei vielen Fahrten, die Busse sehr voll waren und Wartende an einzelnen Haltepunkten nicht mehr mitgenommen werden konnten. In den sozialen Netzwerken beschwerten sich einige Nutzer über den Pendelverkehr. Große Katastrophen blieben aber aus.

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