Aus Jörg wird Kezia-Ramona: Detmolderin (46) ist längste Zeit ein Mann gewesen

Sie will sich auch operieren lassen

Thomas Reineke

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Glücklich als Frau: Kezia-Ramona (46) führt ein neues Leben als Frau. - © Thomas Reineke
Glücklich als Frau: Kezia-Ramona (46) führt ein neues Leben als Frau. (© Thomas Reineke)

Detmold. 45 Jahre lang fühlte sich Jörg D. im falschen Körper. Jetzt heißt sie Kezia-Ramona und weiß: Sie ist eine Frau. Zu ihrem kompletten Glück will sich die Transsexuelle noch operieren lassen. Hier ist ihre ungewöhnliche Geschichte.

Die karierte Bluse lässt den Blick auf das Dekolleté frei, beim Blinzeln ist grüner Lidschatten zu sehen, große Ohrringe unterstreichen den femininen Touch. Aber wenn Kezia-Ramona D. spricht, verrät ihre tiefe Stimmlage, dass sie ein biologischer Mann ist. Eine Natur, die nicht zu dem Wesen der 46-Jährigen passt. Denn sie fühlt sich als Frau und kleidet sich auch so. „Meine Männerklamotten habe ich entsorgt“, sagt sie und wirkt erleichtert.

Gut 45 Jahre hat sie als Mann gelebt, geboren als Jörg D. und aufgewachsen in Augustdorf. „Meine vier älteren Geschwister kamen in der Reihenfolge Schwester, Bruder, Schwester und Bruder auf die Welt. Anschließend wäre eigentlich wieder ein Mädchen dran. Doch dann kam ich“, sagt Kezia. Ihre Eltern hätten gesagt, dass sie eigentlich ein Mädchen sein müsste.

„Und mit sechs oder sieben Jahren habe ich angefangen, Kleidung meiner älteren Schwestern anzuziehen. Ich fühlte mich gut darin, aber als Kind denkt man da nicht weiter.“ Als sie zehn Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Kezia, damals noch Jörg, zog zur Mutter. Nach der Schule begann sie eine Ausbildung zur Werkzeugmacherin, brach sie aber ab. Es folgte eine kurze Episode bei der Bundeswehr, nach der Grundausbildung wurde Jörg D. untauglich geschrieben. Sie machte einen Lkw-Führerschein und arbeitete lange als Fernfahrerin.

Als Mann hatte Kezia auch einige Beziehungen zu Frauen. „Mir war der soziale Kontakt aber stets wichtiger als das Sexuelle.“ Auch heute fühlt sie sich eher zu Frauen hingezogen. „Als biologischer Mann transsexuell zu sein, bedeutet nicht automatisch, Männer zu lieben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

Mit den Jahren wurde der Drang, Frauenkleider anzuziehen, bei der Lipperin immer größer. „Ich tat es zuerst immer nur in der Wohnung. Später versuchte ich es auch draußen. Aber immer nur nachts. Ich hatte Angst, jemand könnte mich so sehen“, sagt sie, die damals in Lemgo wohnte.

Dann lernte sie eine Bielefelderin kennen, die Coaching für Transsexuelle und Transvestiten anbietet. Gleich das erste Treffen Anfang 2015 änderte ihr Leben: „Wir gingen in ein Geschäft und sie sprach in Gegenwart von anderen Kunden laut davon, welche Damenkleidung ich denn haben möchte. Das war mir damals noch super peinlich“, erinnert sich Kezia-Ramona. In der Wohnung der Bielefelderin zog sich Kezia das erste Mal vor einem anderen Menschen zu einer Frau um. „Anschließend schminkte sie mich.“ (Kezia zeigt dabei ein Handy-Foto einer natürlich geschminkten Frau mit blonder Perücke.)

„Als ich mich damals das erste Mal in einem großen Spiegel sah, war mir klar. Das bin ich, eine Frau. Ich kann gar nicht beschreiben, was für ein Gefühl das war.“ Plötzlich war die Angst weg. „Ich verließ die Wohnung in Frauenkleidern und geschminkt, am helllichten Tag, und hatte keine Angst.“ Das war der 17. Januar 2015. Den neuen Vornamen wählte sie selbst. „Kezia heißt eine frühere Bekannte von mir und Ramona eine Ex-Freundin. Das klingt doch deutlich besser als Jörg“, lacht sie.

Und heute? Ende März war das letzte Mal Jörg D. zu sehen. Seit dem Einzug in eine neue Wohnung in Detmold gibt es nur noch Kezia-Ramona. „Mein Vermieter hat überhaupt kein Problem damit. Und meine Nachbarn, ein älteres Ehepaar, auch nicht.“ Überhaupt ist die Wahl-Detmolderin überrascht darüber, wie selbstverständlich sie von der Öffentlichkeit aufgenommen wird. „Manch einer guckt blöd, aber angemacht wurde ich bisher nur ein einziges Mal – von einem Busfahrer.“

Um eine vollständige Frau zu werden, strebt Kezia-Ramona nächstes Jahr eine geschlechtsangleichende Operation an. Diese kostet rund 30.000 Euro und kann nach einem vorgeschalteten psychologischen Gutachten von der Krankenkasse bezahlt werden. „Es fühlt sich richtig an, und ich bin so glücklich wie noch nie in meinem Leben“, sagt sie.

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