Detmolder Kinderarzt Dr. Klaus Helm geht nach 36 Jahren in Ruhestand

Der passionierte Lok-Sammler will in Zukunft mehr Zeit in seine Hobbys investieren

Yvonne Glandien

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Sammler: Dr. Klaus Helm vor einem Teil seiner Loks, die einige Regale im Haus des Mediziners füllen. - © Yvonne Glandien
Sammler: Dr. Klaus Helm vor einem Teil seiner Loks, die einige Regale im Haus des Mediziners füllen. (© Yvonne Glandien)

Detmold. Wenn Dr. Klaus Helm vor dem Regal mit seiner Lok-Sammlung steht, leuchten seine Augen. Viele Züge hat der Kinder- und Jugendarzt in den vergangenen 50 Jahren gesammelt. Nun hat er mehr Zeit dafür. Denn seine eigentliche Leidenschaft, die Praxis im Ärztehaus an der Paulinenstraße, gibt er schweren Herzens an seinen Nachfolger Tobias Börchers ab.

„Es ist schön, Arzt zu sein, aber es ist am allerschönsten, Kinder- und Jugendarzt zu sein", sagt Dr. Klaus Helm. Deshalb zögerte er auch nicht lange, als 1979 die Pläne für die Niederlassung am Bahnhof entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war der gebürtige Holzmindener Oberarzt am Osnabrücker Kinderhospital. Zuvor hatte er bereits seinen Facharzt in der Detmolder Kinderklinik gemacht.

Da er einer der ersten Ärzte in dem neuen Haus war, hatte er die freie Wahl und entschied sich für die Praxisfläche unten rechts. Bis vor kurzem hat er dort Kinder behandelt und auch jetzt ist er noch für einige Patienten da. „Gerade die ADHS-Kinder behandele ich weiter. Hier braucht es einfach viel Zeit, um sich darauf einzustellen", erzählt der Mediziner.

Neben seiner Tätigkeit als praktizierender Arzt ist Helm auch in der Forschung tätig. Die Praxis, so sagt er, zähle zu den ältesten Studienpraxen in Deutschland. Unter anderem lehrt er an Kinderkrankenpflegeschulen und hält weiterhin Vorträge. Außerhalb der offiziellen Zeiten war der Mediziner auch an Wochenenden und Feiertagen für seine kleinen Patienten da.

„Eigentlich hat man ja immer gleich zwei Patienten", erzählt der 69-Jährige. „Man muss nicht nur das Vertrauen der Kinder, sondern auch das der Eltern erlangen." Dies sei nicht immer einfach. Seine Philosophie sei es gewesen, Klartext zu sprechen, auch wenn das nicht jedem gefallen habe. Schließlich übernehme der Arzt auch eine hohe Verantwortung.

Er sei kein Freund davon, sofort viele Medikamente zu verschreiben und habe sich auch dafür stark gemacht, möglichst wenig Chemie einzusetzen. In der jüngeren Vergangenheit hätten sich zudem immer mehr Eltern ihre Diagnose bereits bei „Doktor Google" im Internet geholt. „Aber zu einem Arzt gehören eben auch Hände, Augen und Ohren", sagt Helm.

Viele Entwicklungen in der Jugend- und Kindermedizin sieht Helm als Modeströmungen an. „Früher hat man die Kinder fest eingewickelt, dann hieß es, sie sollen möglichst frei liegen, heute wickelt man wieder. Diese Ideen kommen und gehen immer wieder", sagt der Mediziner. Insbesondere die Auswirkungen der Vorsorge-Untersuchungen und Impfungen sieht er positiv. Zu Beginn seiner Tätigkeit habe es noch sehr häufige Hausbesuche etwa wegen Masern gegeben. Heute komme dies so gut wie gar nicht mehr vor.

Auch wenn ihm der Abschied sehr schwer fällt, freut sich Helm nun darauf, mehr Zeit für seinen Garten und seine Hobbys zu haben. Die Eisenbahnsammlung im Keller warte. Außerdem fahre er besonders gerne Fahrrad.

Information
Das Ärztehaus am Bahnhof

Der Bau des Ärztehauses an der Paulinenstraße gegenüber vom Bahnhof wurde von Peter Müller, dem damaligen Besitzer der Apotheke am Bahnhof, initiiert. Zuvor gehörte das Gelände der Kohlenhandlung Schwabedissen. Das Architekturbüro Plöger plante die etwa 150 Quadratmeter großen Praxen, bevor der Bau im April 1979 begann und im November fertiggestellt wurde. Neben Dr. Klaus Helm zogen der Orthopäde Dr. Winfried Walden, das heute immer noch dort ansässige Zahnarztehepaar Dr. Angelika und Dr. Friedrich Wilhelm Hirsch, der Physiotherapeut Michael Miltz und die Augenärztin Dr. Annette Panknin ein. Im Obergeschoss befand sich eine Privatschule.

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