Sommerbühne braucht neues Konzept

Sven Koch

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2006 trat die Band Turbo Pascale in Detmold auf. - © Archivfoto: Preuss
2006 trat die Band Turbo Pascale in Detmold auf. (© Archivfoto: Preuss)

Detmold. Das Programm der Sommerbühne soll sich ändern, damit Geld gespart werden kann. Das hat der Detmolder Stadtrat nach Vorschlag der CDU beschlossen, die sich zudem Synergien mit dem Festival Urban Area oder anderen Veranstaltungen wünschte. Nur: So einfach ist das nicht.

Der Beschluss ist gefasst, doch um die Umsetzung muss man sich nun Gedanken machen. Der Fachausschuss für Kultur und Marketing soll das in seiner Sitzung am heutigen Dienstag ab 17 Uhr im Rathaus am Markt tun. Die Stadtverwaltung hat schon vorgelegt. Fachbereichsleiter Jürgen Grimm zieht das Fazit: Kulturelle Formate wie die Sommerbühne, Urban Area, Movements und die Parallelität zu Lippe Kulinarisch hätten nicht nur Vorteile, weil die Zielgruppen nämlich jeweils ganz andere seien.

Die Sommerbühne habe sich in den 26 Jahren ihres Bestehens von einer lokal wirkenden Veranstaltungsreihe zu einem überregional ausstrahlenden Festival entwickelt, das ein breites Spektrum verschiedener Musikgenres aufweise und sich konzeptionell prägenden Trends gestellt. „Allerdings", so Grimm, „ist es aufgrund von Budgeteinsparungen in den vergangenen Jahren sowie wegen stets steigender Kosten bei Tech-
nik, Infrastruktur und Gagen nicht mehr so einfach, Top-Bands zu präsentieren." Die Gagen hätten sich in den vergangenen zehn Jahren etwa verdoppelt. Das liege unter anderem an einer stetig wachsenden Anzahl von Open-Air-Festivals, die teilweise hohe Eintrittspreise verlangen würden und damit die hohen Gagen zahlen könnten.

Detmold zum Beispiel hat in den vergangenen Jahren bereits Größen wie Maceo Parker, Marla Glenn oder Mothers Finest und die Jazzkantine geboten. Da lagen die Besucherzahlen schon mal bei weit über 10.000 Personen. 2001 fusionierte die Sommerbühne mit „Rock meets Classic" und verzeichnete einen Rekordwert von 28.000 Zuschauern. Vor allem das Zusammenspiel von Ex-Scorpions-Gitarrist Uli Jon Roth und dem Kammerorchester sorgte für Furore.

Außerdem spielten in Detmold schon die Bläck Föös, Farfarello, die Cultured Pearls, Midge Ure, die Dissidenten, Manu Dibango und viele mehr. Je größer die Namen, desto mehr Zuschauer – und natürlich auch Kosten...

Kommentar: Kürzen bringt nichts

von Sven Koch

Urban Area und die heutige Sommerbühne sind vom musikalischen Programm her nicht so wahnsinnig weit voneinander entfernt. Denn die Sommerbühne hat sich für Zielgruppen, die sonst zu hippen Festivals fahren, geöffnet. Bei Urban Area geht es unter anderem auch um Dub, Reggae, Weltmusik und Hip-Hop – mit dem Unterschied, dass das Festival von jungen Detmoldern selbst organisiert wird und alternativer ist als die Sommerbühne.

Es zeigt sich mit Blick auf die Besucherzahlen: So irrsinnig groß ist die Schere zwischen früher und heute nicht. 2015 und 2014 zählte man 15.750 und 11.000 Besucher. Was über dem guten Durchschnitt von etwa 10.000 Besuchern liegt, und Ausreißer nach oben gab es wirklich nur, wenn mal Top-Acts spielten. Das kann man jederzeit wieder haben, müsste es nur bezahlen – und man darf nicht vergessen: Die Sommerbühne ist für die Zuschauer immer umsonst. Es gibt keine Einnahmen.

Natürlich hängt der Erfolg eines solchen Festes stets vom Wetter und Konkurrenzveranstaltungen ab. Aber auch von dem, was das Fest zu bieten hat. Vergangenes Jahr gab es sieben Konzerte an zwei Wochenenden. Viel kürzen kann man nicht. Vorstellbar wäre aber, nur ein Wochenende mit etwas teureren Acts zu bieten sowie ein Urban-Area-Wochenende.

Ob es was bringt, sei dahingestellt: Klassische Sommerbühnenbesucher würden wohl eher nicht zu Urban Area gehen. Von der Sommerbühne selbst bliebe nur noch ein Rumpf, und Detmold würde wohl wieder mit Neid auf den Lemgoer Sommertreff schauen – wie 1989.

skoch@lz.de

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