Verbindungsstudenten und SPD-Zugehörigkeit: Lassalle-Kreis stellt Buch vor

Guntmar Wolff

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Mitglieder der ostwestfälischen Gruppe des Lassalle-Kreises beugen sich über den Buchentwurf, der mit unterschiedlichen Lebensläufen
belegen soll, dass die Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung und in der SPD sich nicht ausschließen. Von links: Ulrich Säger,
Paul Rodewald, Daniel Hantemann, Manfred Blänkner, Marven Kruse, Michael Eggers und Werner Jakob von Zielinski. - © Guntmar Wolff
Mitglieder der ostwestfälischen Gruppe des Lassalle-Kreises beugen sich über den Buchentwurf, der mit unterschiedlichen Lebensläufen belegen soll, dass die Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung und in der SPD sich nicht ausschließen. Von links: Ulrich Säger, Paul Rodewald, Daniel Hantemann, Manfred Blänkner, Marven Kruse, Michael Eggers und Werner Jakob von Zielinski. (© Guntmar Wolff)

Detmold. „Diese Ansichten zeugen von Unkenntnis." Mit diesen Worten charakterisiert Manfred Blänkner, stellvertretender Bundesvorsitzender des Lassalle-Kreises, das Bemühen einiger SPD-Abgeordneten, die Vereinbarkeit von einer Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung und in der SPD zu torpedieren. Ein Buch soll das nun untermauern.

Der Lassalle-Kreis hatte sich gegründet, nachdem es 2005 einen Antrag während des Bundesparteitags der SPD gegeben hatte, die Unvereinbarkeit zwischen Korporationen und SPD-Mitgliedschaft festzustellen. Um zu verdeutlichen, wie viele SPD-Urgesteine ebenfalls Mitglied in studentischen Verbindungen waren, bringt der Angehörige der christlichen Wingolf-Verbindung ein Buch heraus. Titel: „Rote Fahnen und Bunte Bänder".

Der Leser erfährt hier anhand von 21 Biografien, dass viele Sozialdemokraten gleichzeitig in studentischen Verbindungen aktiv waren. Willy Aaron ist so ein Beispiel: Justizreferendar und erstes Bamberger Opfer des Nationalsozialismus. Nach seinem Eintritt in die Studentenverbindung „Wirceburgia" im Jahr 1925, engagierte er sich auch in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend. Dabei geriet er als Jungsozialist schnell ins Visier der Nazis.

Als die NSDAP eine Massenschlägerei provozierte, übernahm er als Justizreferendar die Verteidigung der angeklagten Sozialdemokraten. Bis heute ist nicht geklärt, ob sein Engagement als Jungsozialist oder sein Kommentar „Die neuen Machthaber haben den Reichstag selbst in Brand gesteckt" seine Verhaftung auslösten.

Ein anderer bekannter Name im Buch ist Georg Diederichs, niedersächsischer Ministerpräsident von 1961 bis 1970 und Mitglied des „Corps Hercynia Göttingen". Georg Diederichs wurde am 2. September 1900 als Sohn einer Apothekerfamilie geboren. Nachdem er 1918 das Abitur machte, absolvierte Diederichs eine zweijährige Lehre in der väterlichen Apotheke. Danach studierte er ab 1922 in Göttingen Staats- und Wirtschaftswissenschaften und Pharmazie. Während seiner Studienzeit schloss er sich dem Corps Hercynia (heute Corps Teutonia-Hercynia Göttingen) an. Aus dieser Zeit trug er drei Schmisse im Gesicht. Als er einmal nach seinen politischen Ambitionen befragt wurde, antwortete er sinngemäß: „Was kann ich in meiner SPD schon groß werden, ich – ein Sozi mit drei Schmisse ins Jesicht".

So ist das Buch gespickt mit interessanten Informationen, unter anderem auch über Wilhelm Liebknecht, den Vater des berühmten Karls und auch über Johann Jacoby, einen der Begründer der Demokratie.

„Rote Fahnen und bunte Bänder", Dietz Verlag, 19,90 Euro, ab Juni 2016 im Handel, Hrsg. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze

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