Von der Bankerin zur Nonne

Yvonne Glandien

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Jesus stärkt ihr den Rücken: Luzia Bodewig hat sich nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau für ein Leben als Ordensschwester entschieden. - © Foto: Glandien
Jesus stärkt ihr den Rücken: Luzia Bodewig hat sich nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau für ein Leben als Ordensschwester entschieden. (© Foto: Glandien)

Detmold. In ihrem weißen Habit hat sie in den vergangenen Wochen in Detmold die Blicke auf sich gezogen. Luzia Bodewig ist 26 Jahre alt, gelernte Bankkauffrau und seit fünf Jahren Ordensschwester. Im Rahmen eines Praktikums hat die Wahl-Driburgerin die Residenzstadt kennengelernt und Vorbereitungen für das Osterfest getroffen.

Lässig sitzt Schwester Luzia auf dem Stuhl im Gemeindesaal der Heilig-Kreuz-Kirche. Sie trägt eine weiße Kutte, ihren Habit, und um den Hals ein Kreuz. Die dunkelblonden Haare luken nur widerwillig hervor. Ihr Gesicht ist jung, Lachfalten zeichnen sich um ihre Augen ab. Die 26-Jährige studiert Religionspädagogik an der katholischen Hochschule in Paderborn. Sie will Gemeindereferentin werden.

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Ostertermine

Das Kreuzweggebet für Familien und Kinder findet am Karfreitag, 25. März, ab 11 Uhr in der Kirche Heilig Kreuz statt. Dabei sollen die Erzählungen von den letzten Tagen im Leben Jesu im Kirchenraum lebendig werden. Am Ostersonntag, 27. März, gibt es ab 10 Uhr einen Kindergottesdienst. Der Bibelwurm „Wurmina Bibella" berichtet  dann, wie der Weg nach dem Kreuz weitergeht. Der Gottesdienst schließt mit dem Ostersegen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.katholisch-in-
detmold.de

Das war nicht immer so. „Ich hätte Karriere machen können", erzählt die Ordensschwester. Nach der Ausbildung im Bankwesen sei sie übernommen worden, danach habe man ihr gute Jobs angeboten. Doch: „Der Weg ins Kloster stand für mich schon lange zur Debatte. 2011 habe ich mich entschieden. Ich dachte mir: ich bin jung und probiere es aus. Heute weiß ich, ich tue es, weil es meine Berufung ist."

In ihrer Rolle als Ordensschwester sieht sich Schwester Luzia als Ansprechpartner für viele Dinge. In ihrem Studium gehöre auch ein Praktikum dazu, und dazu sei sie die vergangenen acht Wochen in Detmold gewesen. Zu einem Teil bestünde diese Zeit aus Religionsunterricht, den sie an der Weerth-Schule gegeben habe, zum anderen Teil habe sie das Kinderkreuzweggebet in der Kirche Heilig Kreuz vorbereitet.

„Bei diesem soll am Karfreitag der letzte Weg Jesu’ zum Kreuze nachgegangen und nachempfunden werden", erzählt sie. In der Heilig-Kreuz-Kirche finden sich die 14 Stationen als Abbildungen an den Säulen im Kirchenschiff. „Am Karfreitag wird zu jeder Station ein Gebet gesprochen. Um es für die Kinder lebhafter zu gestalten, werden Eltern in Kostümen die Rollen verschiedener Personen einnehmen und aus dem Leben und Sterben Jesu erzählen."

In ihrem Orden, der Gemeinschaft der Seligpreisungen, sei sie die jüngste Schwester am Sitz in Bad Driburg. Dadurch, dass dieser erst vor 40 Jahren gegründet worden ist, sei der Altersschnitt aber generell vergleichsweise niedrig, meint die 26-Jährige. Weltweit umfasse der Orden etwa 750 Mitglieder und das in einer gemischten Struktur. „Wir haben Schwester und Brüder sowie sogenannte Laien, also Menschen, die normal in der Welt leben und dennoch Teil unserer Gemeinschaft sind", berichtet Luzia Bodewig.

Ihre Familie und Freunde hätten ihre Entscheidung unterschiedlich wahrgenommen. „Meinen Geschwistern fiel es nicht leicht. Das war schon ein großer Schnitt", erzählt die 26-Jährige. „Es geht nicht um Verzicht, um erlauben oder dürfen. Es geht um viel mehr. Das kann man gar nicht fassen, wenn man es nicht erlebt", so die Ordensschwester.

In ihrer Zeit in Detmold sei ihr bewusst gewesen, dass sie hier auffällt. „Am Bahnhof haben mich zwei angesprochen, ich nehme an, es waren Flüchtlinge, die Hilfe mit dem Ticketautomaten benötigten", erzählt sie mit einem Lächeln. In ihrem Habit strahle sie scheinbar eine gewisse Vertrauenswürdigkeit auf ihre Mitmenschen aus.

Auch auf der anstehenden Hochzeit ihrer Schwester plant Luzia Bodewig in ihrem Habit zu erscheinen. Das gehöre für sie jetzt schließlich zum Alltag dazu. „Ich habe meinen Platz gefunden. Letztendlich ist dies im guten Sinne meine Selbstverwirklichung."

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