So viel Geld will Detmold in die Renaturierung der Bäche investieren

Werre-Sanierung wird Pilot-Projekt

Sven Koch

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Der Abschnitt der Werre hinter dem Leo und der Realschule wird saniert – Vorbild ist laut Stadt der Abschnitt hinter dem Finanzamt, damit Schulkinder Unterricht direkt am Bach haben können. - © Vera Gerstendorf-Welle
Der Abschnitt der Werre hinter dem Leo und der Realschule wird saniert – Vorbild ist laut Stadt der Abschnitt hinter dem Finanzamt, damit Schulkinder Unterricht direkt am Bach haben können. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Die Renaturierung der Werre wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Dieses Mal geht es um den Abschnitt zwischen den bereits erfolgten Maßnahmen im Umfeld des Lustgartens und in Remmighausen. Die Schüler der Realschule I und des Leopoldinums sollen an der Planung beteiligt werden, denn die Werre läuft in diesem Bereich unmittelbar an den Schulen entlang. Außerdem stehen Investitionen in Gebäude wie die Stadtbibilothek an.

Die Gewässer: 1,42 Millionen Euro will die Stadt 2017 in ihre Gewässer und deren Umfeld investieren. Sie rechnet mit Fördergeldern von einer Million Euro. Das Geld wird benötigt für den Hochwasserschutz und außerdem für die pure Unterhaltung und Pflege der Detmolder Bäche sowie ihrer Ufer. Ziel der Stadt ist es, die Fließgewässer zu schützen und gestörte in einen naturnahen Zustand zurückzuführen.

Geplant ist der Ausbau an der Werre mit Beginn in Höhe des Leopoldinums/Realschule bis hin zur Volkhausenstraße. Der Kostenaufwand beläuft sich zunächst auf 125.000 Euro, davon werden 100.000 Euro Fördergelder sein. Andreas Hoffmann vom Fachbereich für Tiefbau, der den Gewässerplan geschrieben hat, erklärt, dass bis 2018/19 aber mit Kosten von 700.000 Euro zu rechnen ist. Dafür plant die Stadt etwas Neues – die enge Zusammenarbeit mit den Schulen.

Hoffmann: „Das Leopoldinum wird einen Neigungskursus einrichten. Wir möchten zusammen mit den Schülern die Planung von Anfang an gemeinsam machen, um einen außerschulischen Lernort zu schaffen." Er sei gespannt, wie das ablaufen werde. „Die Kinder werden alles machen, was wir von der Stadt sonst auch tun: Das Gewässer untersuchen, den bestand an Pflanzen und Fischen..." Das werde wohl zwei bis zweieinhalb Jahre dauern, und auch die Realschule I habe wohl Interesse, sich zu beteiligen.
Fördergelder gibt es auch für ein weiteres sehr umfangreiches Wasser-Projekt im kommenden Jahr. Auf einer Länge von 1,6 Kilometern soll die Berlebecke in Heiligenkirchen unter dem Titel „Strahlursprung Unter der Grotenburg" renaturiert werden. 700.000 Euro wird das Projekt kosten, Fördergelder gibt es in identischer Höhe, und es geht um einen Abschnitt zwischen dem Kirchweg und der Friedrich-Ebert-Straße in Hiddesen.

Verschiedene laufende Maßnahmen des Projektes „Wasser im Fluss" werden nach Planung der Verwaltung fortgesetzt, wofür 150.000 Euro vorgesehen sind. Auch der Knochenbach an der Bachstraße soll in Schuss gebracht werden. Der „Trittstein Bachstraße" ist gekoppelt an eine Auflage aus dem Wasserrecht zur Einleitung von Regenwasser in den Knochenbach. Entsprechend rechnet die Stadt mit Fördergeldern in Höhe von 120.000 Euro, die die Kosten für die gesamte Maßnahme abdecken. Die gleiche Summe wird für den Ausbau des Brandsiekbachs reserviert: Hier geht es um die Erneuerung und Vergrößerung eines Durchlasses inklusive der Aufweitung des Gewässers im Bereich der Eggestraße.

400.000 Euro für die Bücherei



Die Gebäude: Der Kreis Lippe will im kommenden Jahr 135.000 Euro in die Modernisierung der Dreifach-Sporthalle am Bonhoeffer-Berufskolleg investieren. Es geht um eine neue Lüftung, eine Deckenstrahlheizung sowie die Beleuchtung. Gleichzeitig soll die Decke der Halle statisch überarbeitet werden. Das hat zur Folge, dass alle Notleuchten ersetzt werden müssen. Im gleichen Zug will der Kreis auf eine wirtschaftlichere und energiesparende LED-Beleuchtung in der Halle umrüsten. Mehr als 400.000 Euro muss die Stadt kommendes Jahr für die Neugestaltung der Stadtbibilothek ausgeben. Hier geht es einerseits um eine Auffrischung der Fassade und Maßnahmen im Inneren, über die aber noch der Fachausschuss für Kultur beschließen muss. Sie werden aufwändiger – Technischer Beigeordneter Thomas Lammering: „Für den Zeitraum wird auch die Bibliothek ihren Betrieb von der Leopoldstraße womöglich auslagern müssen."

Dazu erklärt Jürgen Grimm, Fachgebietsleiter Kultur und Tourismus: „Geplant ist die Sanierung für das zweite Halbjahr. Es geht unter anderem um die Möblierung, das Licht, die Bücheraufbewahrung und den Teppich." Es seien verschiedene Objekte in der Überprüfung, die der Bibliothek vorübergehend ein Dach geben könnten – Grimm: „Ob sie nur teilweise während der Sanierung umzieht, nur die Bücher woanders gelagert werden – das ist noch nicht klar."

Weil die Betreuung der unter dreijährigen Kinder ausgebaut wird, muss die Kita Hiddeser Berg ertüchtigt werden. Die Stadt reserviert hierfür 135.000 Euro. Substanzerhaltende Maßnahmen müssen außerdem am Grabbe-Haus ergriffen werden. Es geht um die Fenster, das Dach und das Treppenhaus, was etwa 35.000 Euro kosten wird. Für 145.000 Euro werden an den Feuerwehrgerätehäusern in Remmighausen und Berlebeck Instandsetzungsmaßnahmen umgesetzt. Weitere Summen fallen in der Folge von Dichtheitsprüfungen an – Kosten, die aus anderen Haushaltsjahren verschoben worden waren.

Kommentar: "Ein neuer Maßstab"

von Sven Koch

Das ist doch mal ein sympathisches Projekt: Die Stadt will zusammen mit Schulkindern den Ausbau und die Sanierung der Werre planen – mit allem, was dazugehört. Einerseits kommt die in mehreren Abschnitten umgesetzte Renaturierung des Gewässers sowieso gut an: Der Bereich am Finanzamt ist als „Detmold Beach" an schönen Tagen und im Sommer bevölkert. Der Bereich in Remmighausen wird von der Bevölkerung gemocht, und auch der Abschnitt am Lustgarten wird viel genutzt.

Andererseits ist die Idee klasse, für den nächsten Abschnitt das Leo und die Realschule einzubinden. Der Bach verläuft direkt hinter den Schulen. Die Idee ist, dass dort künftig zum Beispiel Bio-Unterricht vor Ort stattfinden kann. Und es zeugt von einer spannenden Form der Jungbürger-Beteiligung, wenn die Planer der Stadt sich mit Kindern hinsetzen und alles zusammen erarbeiten wollen: Gewässerqualität, Fauna, Flora, mathematische Berechnungen, Finanzierung – das alles spielt mit herein. Dass die Verwaltung „gespannt" darauf ist, verwundert nicht: In der Schule ist es Neuland. Aber es kann ein Maßstab werden.

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