Der Nikolausblues rockt das Freilichtmuseum

André Gallisch

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Furioses Finale: Ganz ohne Mikro und Verstärker verabschiedeten sich (von links) Dieter Kropp, Peter „Crow C" Krause, Ferdinand „Jelly Roll" Kraemer und Abi Wallenstein vom Publikum beim Nikolausblues. - © André Gallisch
Furioses Finale: Ganz ohne Mikro und Verstärker verabschiedeten sich (von links) Dieter Kropp, Peter „Crow C" Krause, Ferdinand „Jelly Roll" Kraemer und Abi Wallenstein vom Publikum beim Nikolausblues. (© André Gallisch)

Detmold. Mit ihrem erdigen, traditionellen Blues haben das Duo „Black Patti" sowie das deutsche Blues-Urgestein Abi Wallenstein zusammen mit Dieter Kropp das Freilichtmuseum gerockt. Zum zwölften Mal fand dort der Nikolausblues in Kooperation mit der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold in der Musseumsgaststätte „Im Weißen Ross" statt.

Alle Jahre wieder: Wenn das Paderborner Dorf im Freilichtmuseum schon in ein Meer aus Licht und Farben des nahen Museumsadvents (Eröffnung: am Freitag) getaucht ist, wird dort der Blues gespielt. Alles gab es dieses Mal jedoch zweifach zu hören: Die große Nachfrage nach Karten in den vergangenen Jahren im Vorverkauf sowie weit im Vorfeld des Nikolausblues hatte Organisator Dieter Kropp zu dem Entschluss gebracht, das Konzert an zwei Tagen stattfinden zu lassen.

Mit einer rauchigen Note in der Stimme sang Abi Wallenstein seine Songs. Hingegen kennzeichnete hanseatische Zurückhaltung in Gestik und Bewegung die Auftritte des von Dieter Kropp als „Vater der Hamburger Bluesszene" betitelten Solisten Wallenstein. Ob in „Route 66" oder „Morning Blues": Immer wirkt seine Stimme unaufdringlich. Doch vermag er es dennoch, das Publikum in den Bann zu ziehen.

„Bei dem Begriff ,Freilichtmuseum‘ hatte ich ein bisschen Sorge, dass wir im Freien auftreten müssen", stieg der 70-Jährige humorvoll in den Abend ein. Wunderbar, wie Abi Wallenstein den „Same old song" immer wieder neu zu interpretieren vermag. Ihn zu begleiten, das empfindet auch Dieter Kropp immer wieder als Auszeichnung. „Ein Blues-Gigant", huldigte wiederum Wallenstein dem Komponisten Leon Russell, der Mitte November verstorben ist. In einem weiteren historischen Abriss des Blues tauchten dann auch die Rolling Stones, Creedence Clearwater Revival oder Bob Dylan mit seinem „Someday Baby" auf.

Gleich zwei starke Stimmen brachten „Black Patti" auf die Bühne. Dortselbst ergänzten sich Peter „Crow C" Krause und Ferdinand „Jelly Roll" Kraemer kongenial im Zusammenspiel. Beeindruckend der kernige Sound, den Kraemer mit seinen Stimmbändern erzeugte, während er parallel dazu die Saiten seiner Mandoline streichelte, die Peter Krause „Wimmer-Kürbis" nannte.

Mit Humor sorgte das Duo auch für Bewegung im Saal. „Ihr seid auch eher so Stuhl-Tänzer", bewertete „Crow C" das nach seiner Meinung etwas hüftsteife Publikum. Mit der Begrüßung „Servus" hatte das Münchner Gespann zu Beginn keinen Hehl aus seiner Herkunft gemacht. „Wenn wir in den Norden fahren, haben wir das Bedürfnis, Spirituals zu spielen", sprach Krause von einer Art Mission, bevor er „There’s Small Peace Somewhere" anstimmten. Der Erwerb der CD „Morning Train" dürfe als Form des Ablassbriefes angesehen werden.

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