Schlossherr Stephan Prinz zur Lippe im Interview

Jana Beckmann

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Schöner Anblick: Das Fürstliche Residenzschloss vom Schloßplatz aus gesehen. - © Bernhard Preuß
Schöner Anblick: Das Fürstliche Residenzschloss vom Schloßplatz aus gesehen. (© Bernhard Preuß)
Wohnt erst seit kurzem im Schloss: Stephan Prinz zur Lippe möchte die Fußstapfen seines Vaters fortsetzen. - © Torben Gocke
Wohnt erst seit kurzem im Schloss: Stephan Prinz zur Lippe möchte die Fußstapfen seines Vaters fortsetzen. (© Torben Gocke)

Detmold. Stephan Prinz zur Lippe ist im September mit seiner Familie ins Residenzschloss umgezogen und somit neuer Schlossherr. In einem Trakt, der seit mehr als 100 Jahren nicht mehr bewohnt war, richtet er sich zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern nun ein neues Zuhause her – und schmiedet Pläne für die Zukunft. Im Interview erklärt der 57-Jährige, in welchen Bereichen er sich künftig engagieren will, welche Veranstaltungen er anbieten möchte und warum er gerne dickere Pullover trägt.

Mit dem Umzug rücken Sie in das Herz der Stadt und damit in die Mitte der Gesellschaft. Wie sehen Sie Ihre Rolle darin?

Zur Lippe: Wir sind normale Bürger dieser Stadt und beanspruchen keine Sonderrollen. Wir ziehen in ein exzeptionelles Gebäude, ein großartiges Denkmal mit starker Symbolkraft, das untrennbar mit der Innenstadt verbunden ist. Ich versuche, daraus die langen Linien der Geschichte zu lesen und danach zu leben.

Was meinen Sie damit konkret?

Zur Lippe: Das bedeutet, das Haus mit Leben zu füllen und gleichzeitig behutsam mit ihm umzugehen. Dabei geht es auch darum, eine innere Einstellung zu reflektieren. Das Haus ist seit der Renaissance ununterbrochen von der Familie bewohnt und sie ist niemals von hier vertrieben worden, auch nicht mein Großvater nach der Revolution. Wir wollen diese Tradition fortsetzen.

Ihr verstorbener Vater wurde nicht nur für sein freundliches Wesen geschätzt, sondern war eine echte Persönlichkeit und eine moralische Instanz. Werden Sie in seine Fußstapfen treten?

Zur Lippe: Es bleibt mir keine Wahl. Ich bin dazu erzogen worden, seine Fußstapfen fortzusetzen – das ist vielleicht das bessere Wort. Irgendwo ist das natürlich auch eine Bürde, der man nicht aus dem Weg gehen kann. Diese Mauern verpflichten auch. Ob es mir schlussendlich gelingt, dieser Verpflichtung gerecht zu werden, das müssen andere beurteilen.

In welchen Bereichen wollen Sie sich künftig engagieren?

Zur Lippe: Ich bin politisch, kulturell und sozial engagiert, seitdem wir in Detmold leben. Traditionell betrifft dies das Theater und die Fürstin-Pauline-Stiftung. Auch bin ich Kreistagsmitglied. Meine Frau engagiert sich für das Deutsche Rote Kreuz und Diakonis. Und dies wollen wir fortsetzen. Ich habe zusätzlich den kirchlichen Bereich für mich entdeckt. Wir müssen sehen, ob und welche neuen Engagements dazukommen. Es ist besser, man engagiert sich nur für einiges und dafür dann richtig.

Im Sommer hat es erstmals eine Serenade gegeben. Dürfen sich die Detmolder auf weitere Veranstaltungen freuen?

Zur Lippe: Wir wollen auch 2017 dem Theater und der Hochschule für Musik das Schloss als Veranstaltungsort anbieten. Es wäre schön, wenn diese Institutionen im historischen Rahmen einen gemeinsamen Kristallisationspunkt fänden. So kann man sich an ein Veranstaltungsformat herantasten, das einmalig ist. Mein Ziel ist eine einzigartige Präsentation lebendiger Kultur und lebendiger Geschichte.

Welche Pläne haben Sie für den Schloßplatz?

Zur Lippe: Der Schloßplatz ist ein öffentlicher Park, der zur Hälfte der Stadt und zur Hälfte uns gehört. Er ist das Entree zur Stadt. Wer im Lustgarten parkt, geht hier durch in die Innenstadt. Mein Ziel ist es, ihn in dieser zentralen, städtebaulichen Funktion weiter zu pflegen und zu bewahren. Veranstaltungen wie „Lippe kulinarisch" und der Kunstmarkt passen gut dazu. Die Verbindung von Veranstaltung und Entree ist gut gelöst. Dies hat Vorbildcharakter.

Wird es künftig weitere Veranstaltungen auf dem Platz geben?

Zur Lippe: Insgesamt sind bis zu sechs Veranstaltungen mit der Stadt vereinbart. Das ist eine angemessene Zahl. In diesem Rahmen kann ich mir alle Veranstaltungen vorstellen, die zum Schloßplatz passen und diesen aufwerten.

Wie geht es mit den Schlossführungen weiter?

Zur Lippe: Die Führungen gibt es in dieser Form schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie präsentieren einen Teil der lippischen Geschichte. Ich könnte mir vorstellen, mit dem Freilicht- und dem Landesmuseum zu kooperieren und einzelne Aspekte der Historie gemeinsam zu beleuchten. Zum Beispiel unsere Barocksäle kombiniert mit Ausstellungen zum Barock an anderen Orten.

Apropos Ausstellungen. Die Lippische Gesellschaft für Kunst hat ihren Sitz im Schloss...

Zur Lippe: ...und darf natürlich bleiben. Die Lippische Gesellschaft für Kunst macht einen sehr guten Job und bietet immer wieder anspruchsvolle und überregional beachtete Ausstellungen an. Auch diese ließen sich künftig mit anderen Veranstaltungen vernetzen, zum Beispiel mit Konzerten. Das obliegt jedoch der Gesellschaft, wir können nur den Ort dafür anbieten.

Sie wohnen nun selbst im Schloss. Was war die größte Herausforderung bei der Modernisierung?

Zur Lippe: Die Infrastruktur. Die dicken Mauern im Schloss erschweren es, neue Leitungen zu legen. Und sie behindern den Internetempfang. Da muss man intelligente Lösungen finden.

Ist ein Schloss eigentlich eine energetische Katastrophe?

Zur Lippe: Mein Vater hat das Schloss bereits an das Fernwärmnetz der Stadt anschließen lassen und so Effizienz und Nachhaltigkeit gesteigert. Das Haus wäre sicher eine energetische Katastrophe, wenn ich den Anspruch hätte, jeden Raum auf 25 Grad zu heizen. Den habe ich aber nicht. Besser ist es, sich einen dickeren Pullover zu nehmen. Insofern erzieht uns das Haus auch zu Sparsamkeit.

Eine Dämmung ließ sich also nicht mit dem Denkmalschutz vereinbaren?

Zur Lippe: Nein, sicher nicht. Wir lassen uns aber immer gerne in allen Fragen von den Denkmalämtern beraten und schätzen deren Expertise. Wir wollen das Schloss schließlich erhalten und zum Glänzen bringen.

Darf so ein traditionsträchtiges Haus mit einer modernen Einrichtung versehen werden?

Zur Lippe: Selbstverständlich. Jede Generation hat ihren Stil eingebracht. Gleichzeitig darf man die Würde und Historie des Hauses nicht vergessen. Die Mischung macht’s.

Wie verbringen Sie das erste Weihnachtsfest im neuen Heim?

Zur Lippe: Ganz klassisch. Erst geht es in die Kirche, dann ist Bescherung und es gibt ein gutes Weihnachtsessen. Einer wird dabei natürlich fehlen und das ist mein Vater. Ihn werden wir in unserem Herzen tragen.

Ein Wahrzeichen mit langer Geschichte
Das Fürstliche Residenzschloss ist aus der Detmolder Innenstadt nicht wegzudenken. Es ist das Wahrzeichen der lippischen Residenz schlechthin – und zwar eines, dass im Laufe der Jahrhunderte zerstört, in neuer Form wieder aufgebaut und auch erweitert worden ist.

„Die Mauern des markanten dicken Turmes stammen noch von dem Bergfried einer älteren, im Jahre 1366 erstmals erwähnten Burg in Detmold", erklärt die Stiftung Fürstliches Residenzschloss Detmold GmbH in einer Abhandlung zur Baugeschichte. Sie dürfte aber noch älter sein und habe wohl schon im 13. Jahrhundert bestanden, als der Edelherr Bernhard III. zur Lippe die Stadt Detmold gründete.

Im Jahre 1447, zur Zeit der Soester Fehde, ließ der Erzbischof von Köln Burg und Stadt durch Böhmische Söldner zerstören. Wenig später wurde die alte Burg teilweise wieder aufgebaut und mit einer Wallanlage bewehrt. Bereits seit 1511 diente sie den lippischen Landesherren als Residenz.

Das Konzept einer vierflügeligen Anlage stammt von Baumeister Jörg Unkair, der dieses bereits beim Bau des Schlosses Neuhaus bei Paderborn verwirklicht hatte. Zwei Giebel an der rechten Seite der Vorderfront des Schlosses und die beiden vorderen Treppentürme tragen noch seine Handschrift. Später fügte der flämische „Steinschneider" Johann Robin im Schloßhof eine Renaissancegalerie zwischen den beiden Treppentürmen ein und Baumeister Kord Tönnies vollendete den Neubau des Schlosses.

„Erst im 18. Jahrhundert wurde das Schloss teilweise barockisiert", erklärt die Stiftung. Ab 1780 seien die Befestigungsanlagen im Eingangsbereich beseitigt worden, um Raum für den Schloßplatz zu schaffen. Im Jahr 1982 wurde das Schloss in die Denkmalliste der Stadt eingetragen.
Weitere Informationen unter www.schloss-detmold.de

Information
Persönlich
Stephan Prinz zur Lippe ist Jahrgang 1959. Nach dem Abitur studierte er Jura in Bonn und den USA und arbeitete dann als Anwalt in Hamburg und Düsseldorf. 1996 kam er nach Detmold zurück, wo er mit Maria Gräfin zu Solms-Laubach eine Familie gründete. Er hat drei Söhne und zwei Töchter. Heute betreibt er eine eigene Kanzlei in Detmold und kümmert sich um die Fürstlich-Lippische Zentralverwaltung, die vor allem mit Forstwirtschaft das zur Erhaltung des Schlosses nötige Geld verdient. In seiner Freizeit setzt er sich für die Ausgrabung der Falkenburg ein.

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