Vater bietet Sohn Sportwagen für 100.000 Euro anstelle des Erbes an

Dirk-Ulrich Brüggemann

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Ein Lipper hat seinem Sohn einen teuren Sportwagen anstelle des Erbes versprochen. Laut Gerichtsurteil ein sittenwidriges Angebot. Das Pressefoto zeigt einen Nissan GT-R Track Edition, erhältlich ab MY 2017. - © Pressefoto: Nissan.de
Ein Lipper hat seinem Sohn einen teuren Sportwagen anstelle des Erbes versprochen. Laut Gerichtsurteil ein sittenwidriges Angebot. Das Pressefoto zeigt einen Nissan GT-R Track Edition, erhältlich ab MY 2017. (© Pressefoto: Nissan.de)

Detmold. Wenn ein Zahnarzt seinen gerade 18 Jahre alt gewordenen Sohn einen umfassenden Erbverzicht abfordert und diesen lediglich mit einem etwa 100.000 Euro teuren Sportwagen abspeist, den der junge Mann nur erhalten soll, wenn er bis zum 25. Lebensjahr eine Berufsausbildung absolviert hat, dann sind diese Vereinbarungen sittenwidrig. So urteilte das Oberlandesgericht (OLG) Hamm und bestätigte damit ein Urteil des Landgerichts Detmold (Az: 10 U 36/15).

Der 10. Zivilsenat kam genau wie das Landgericht zu dem Schluss, dass der notarielle Vertrag mit dem umfassenden Erb- und Pflichtteilsverzicht sittenwidrig und damit nichtig sei. Den Erbverzicht und die Abfindung hätten Vater und Sohn in dem notariellen Vertrag als Geschäfte so verbunden, dass sie miteinander „stehen und fallen" sollten. Nach Meinung der Richter weise die Abfindung ein erhebliches Ungleichgewicht zu Lasten des Sohnes auf. So wurde der umfassende Erbverzicht mit sofortiger Wirkung und unbedingt vereinbart.

Zudem erhalte der Vater den Verzicht auf das Erbe kostenlos, wenn der Sohn die geforderte Ausbildung zum Zahntechniker und Zahntechnikermeister nicht mit gutem Ergebnis abschließen würde. Die Vorgabe der erfolgreich zu absolvierenden Ausbildung schränke den Sohn außerdem in zu missbilligender Weise in der Wahl seines beruflichen Werdegangs ein.

Eine berufliche Umorientierung lasse die Vereinbarung nicht zu. Die Behauptung des Vaters, er habe seinen Sohn nur zu einer zügigen und erfolgsorientierten Ausbildung motivieren wollen, sei vorgeschoben. Zudem habe der Vater die jugendliche Unerfahrenheit seines Sohnes ausgenutzt.

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