Gericht sieht keine Hinweise für Vergewaltigungen

Astrid Sewing

Landgericht Detmold. - © LZ
Landgericht Detmold. (© LZ)

Detmold. Drei Männer sind am Donnerstag von dem Vorwurf, eine junge Frau am 5. Februar 2016 mehrfach vergewaltigt zu haben, freigesprochen worden. Widersprüchliche Aussagen der 22-Jährigen und eine zwölfminütige Handy-Tonaufnahme ließen das Gericht unter dem Vorsitz von Karsten Niemeyer zu dem Schluss kommen, dass die Männer aus dem Verhalten der Frau nicht darauf schließen konnten, dass sie den Sex nicht wollte.

Am Ende der Verhandlung gab es beides: Die Familienmitglieder der vier Männer, einer war nach dem 5. Februar untergetaucht, triumphierten, sprachen von den „armen Männern, die wegen nichts vor Gericht gezerrt worden waren und deren Familien Schlimmes durchgemacht hatten". Die Mutter der 22-Jährigen war wütend. Ihrer Tochter sei keine Gerechtigkeit widerfahren.
Moralisch, das stellte Niemeyer in Richtung der Anklagebank klar, „haben Sie sich alle nicht mit Ruhm bekleckert." Letztendlich habe es aber keine deutlichen Hinweise darauf gegeben, dass die Frau gezwungen worden war.

Die 22-Jährige hatte die Ereignisse nach der Karnevalsparty in Schloss Holte-Stukenbrock bei der Vernehmung durch die Polizei anders geschildert. Demnach war sie nach der Party in das Auto der vier Männer gestiegen, weil diese ihr versprochen hatten, sie nach Hause zu fahren. Im Auto habe sie die Annäherungsversuche zurückgewiesen. Dann, als die 26, 27 und 28 Jahre alten Bielefelder auf einem Waldweg am Donoper Teich gehalten hatten, sei sie gezwungen worden, die Männer zu befriedigen.

Ihre Freundin, mit der sie zu der Zeit zusammenwohnte, schilderte, wie die Detmolderin bei ihr gegen 4 Uhr angekommen war. „Sie hat geschrien, war völlig durch den Wind und konnte sich kaum beruhigen", sagte sie aus. Allerdings schilderte sie auch eine andere Seite der jungen Frau. „Sie konnte nicht Nein sagen, hat sich eher immer so daraus gewunden, wenn sie Männer abweisen wollte."

Die schwierige psychische Situation hatte die Psychologin Cornelia Orth in einem Gutachten beleuchtet. Die 22-Jährige hatte mit 18 den Selbstmord ihres Vaters verkraften müssen, vor zwei Jahren waren ihr während einer Feier K.O.-Tropfen gegeben worden. Das Gericht unter dem Vorsitz von Karsten Niemeyer sprach den Angeklagten damals wegen Vergewaltigung schuldig. „Es ist kaum zu erklären, dass jemand, der das schon mal erlebt hat, in das Auto einsteigt und mit fremden Männern mitfährt", sagte Niemeyer in seiner Urteilsbegründung.

Die Psychologin Cornelia Orth hielt die Aussage der jungen Frau trotzdem für „sehr wahrscheinlich wahr". „Sie hat Erinnerungslücken, und die füllt sie auf. Deshalb schildert sie die Reihenfolge anders. Sie hat Schuldgefühle und will sich nicht als Opfer fühlen", sagte Orth.

Die Verteidiger hielten das keineswegs für schlüssig. „Sie haben nicht gefragt, ob sie vielleicht einfach gerne Sex mit mehreren Männern haben wollte", sagte Dr. Detlev Binder. Auch die Tonaufnahme entlaste die Angeklagten. „Da ist nichts davon zu hören, dass etwas gegen ihren Willen geschieht. Im Gegenteil. Sie sagt auch noch, dass die Drei sie nicht befriedigt haben." Binder kritisierte, dass das Gutachten dazu beigetragen hatte, dass es zu einer Verhandlung gekommen war. Die Angeklagten wurden freigesprochen und bekommen eine Entschädigung für die Zeit, die sie in Untersuchungshaft gesessen haben. Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat.

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