Die Detmolder Bierbörse zieht auf den Schloßplatz

Janet König

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Gute Stimmung trotz Regen: Bei der ersten Detmolder Bierbörse im Jahr 2015 floss auf dem Parkplatz des Kaiser-Wilhelm-Platzes nicht nur das Bier in Strömen. Jetzt freuen sich die Aussteller auf den Umzug zum Schloßplatz. - © Archivfoto: Torben Gocke
Gute Stimmung trotz Regen: Bei der ersten Detmolder Bierbörse im Jahr 2015 floss auf dem Parkplatz des Kaiser-Wilhelm-Platzes nicht nur das Bier in Strömen. Jetzt freuen sich die Aussteller auf den Umzug zum Schloßplatz. (© Archivfoto: Torben Gocke)

Detmold. Tausende Liter Bier sollen vom 23. bis 25. Juni auf dem Schloßplatz fließen. Denn die dritte Detmolder Bierbörse zieht ins Herz der Stadt um. Nach zwei Jahren auf dem Parkplatz des Kaiser-Wilhelm-Platzes hatten die Anbieter genug: Hätte der Standortwechsel in diesem Jahr nicht geklappt, wäre die Veranstaltung in Detmold Geschichte gewesen.

Organisator Kay Rohr stand unter Druck. Parallelveranstaltungen und der mäßige Standort auf dem Parkplatz am Rande der Innenstadt hatten seine Aussteller im vergangenen Jahr unzufrieden zurückgelassen. „Sie haben mir zu verstehen gegeben, dass sie nicht wiederkommen wollen, wenn wir uns nicht weiterentwickeln", gibt Rohr zu.

Dabei seien die Teilnehmer vom Detmolder Publikum begeistert gewesen, doch auf einem Parkplatz lasse sich die gewünschte Biergartenatmosphäre eben nicht umsetzen: „Seit 30 Jahren gibt es die Bierbörse in Deutschland – und in Detmold mussten wir zum ersten Mal auf einen Parkplatz." Rohr habe das hingenommen, um einen Fuß in die Tür zu bekommen. „Wir haben gezeigt, was für eine friedliche und großartige Veranstaltung das ist", sagt er zufrieden.

Mit der zweijährigen Testphase hat das Konzept nun auch Stadt- und Schlossverwaltung überzeugt. „Uns war es wichtig, dass die Veranstaltung zum schöngeistigen Konzept des Schloßplatzes passt", sagt Gerd Smolich von der Schlossverwaltung. Es müsse gesittet zugehen, daher seien vom Veranstalter am neuen Standort auch mehr Toilettenwagen gefordert. Gerade, wenn viele Liter Bier flössen, sei der regelmäßige Gang zur Toilette unausweichlich. Außerdem müsse das Sicherheitskonzept um weiteres Schutzpersonal erweitert werden. Hinnehmen muss der Veranstalter auch, dass auf dem Schloßplatz keine elektronisch verstärkte Musik erlaubt sein wird. Doch das spreche nicht gegen das eigentliche Konzept der Bierbörse. „In einem riesigen Biergarten soll man sich wohlfühlen und unterhalten können." Als Alternative zur großen Bühne könnten in diesem Jahr also Straßenmusiker mitwirken.

Auch die Stadt zeigt sich als Miteigentümer des Schloßplatzes mit dem Standortwechsel zufrieden. „Im ersten Jahr stand der Schloßplatz nicht zu Verfügung", sagt Kämmerer Frank Hilker. Und nach dem aus Veranstaltersicht enttäuschenden zweiten Jahr seien die Gespräche neu aufgenommen worden. In die Entscheidung spiele auch mit rein, dass Stephan Prinz zur Lippe neuen Veranstaltungen gegenüber aufgeschlossen stehe. Organisator Kay Rohr weiß das Vertrauen zu schätzen: „Wir werden niemanden enttäuschen." Ziel sei es, die Bierbörse langfristig in Detmold zu etablieren und auszubauen. „Ich freu mich wie ein König", sagt Rohr. Zu diesem Gefühl passt der neue Standort.

Ausbau des Detmolder "Wohnzimmers" steht 2019 an

Der Ausbau des Schloßplatzes ist ein Projekt des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes. Er steht laut Technischem Beigeordneten Thomas Lammering frühestens für 2019 an. „Außerdem", ergänzt dazu Bürgermeister Rainer Heller, „müssen die Detmolder sagen, was sie auf dem Platz im Herzen ihrer Stadt gerne wollen."

Er verweist auf ein umfängliches Verfahren der Bürgerbeteiligung im Zusammenhang mit dem Ausbau. Es stehe an, wenn die Herrichtung des Kaiser-Wilhelm-Platzes abgeschlossen sei – auch hierzu wird es eine Beteiligung von Bürgern geben, und zwar in diesem Jahr. Außerdem bleibe noch der weitere Ausbau der Stadthalle abzuwarten, bevor es an den Schloßplatz gehe – der zweite Abschnitt solle bald begonnen werden, da wolle man sich nicht ins Gehege kommen.

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Ein Drittel des Schloßplatzes gehört der Stadt, der Rest dem Fürstenhaus. Gemäß eines Vertrages von 1919, so Heller, haben man sich „jeweils ins Benehmen" zu setzen, falls Änderungen für das Areal anstünden. Heller: „Es ist der Platz mit der größten Aufenthaltsqualität." Das „Wohnzimmer" der Detmolder sei aber für die Ausrichtungen von Veranstaltungen eigentlich nicht ausgelegt.

Die Stadt möchte das ändern, und Technischer Beigeordneter Thomas Lammering zählt auf: Es gehe um die Wege, um Drainagen, um Elektrik, um Abwässer. Lammering: „Und wenn wir auf dem Schloßplatz etwas machen, dann wird es für die nächsten 40 Jahre sein." Er beruhigt, dass auf keinen Fall die Wege im Park betoniert werden müssten. Da gebe es andere Lösungen, die visuell dem aktuellen Zustand nahekommen, aber deutlich festere Untergründe aufweisen würden, so dass sie bedenkenlos befahren werden könnten. Aktuell sei es etwa nicht machbar, den Wochenmarkt im Winter auf den Schloßplatz zu verlegen. Es habe sich gezeigt, dass die Wege und Flächen bei schlechtem Wetter nicht fest genug seien und beispielsweise Menschen mit Rollatoren nicht gut vorankämen.

„Generell", so Heller, „müssen wir überlegen, welche Art von Veranstaltungen es auf dem Schloßplatz geben soll und wie viele. Denn damit hängt unmittelbar zusammen, welche Infrastruktur auf dem Areal benötigt werden wird. Für kommerzielle Events müsste der Platz ja abschließbar sein." Hier sei es erforderlich, dass die Detmolder sich eine Meinung bilden – auch, um eine gute Argumentationsgrundlage für weitere Fördersummen zu haben.

Denn: Die der Stadt zur Verfügung stehenden Gelder seien nur für „ihren" Teil des Platzes gedacht. Man müsse also mit dem Eigentümer der anderen Flächen, dem Fürstenhaus, über Kosten reden und sich dann um weitere Gelder, zum Beispiel aus Denkmalfördertöpfen, bemühen.

Information

Die Braukunst der Welt gewidmet


Bereits seit 30 Jahren ist die Bierbörse in ganz Deutschland unterwegs. Mittlerweile erstrecken sich die Veranstaltungen über 24 Städte in der Bundesrepublik Deutschland – zum Beispiel in Bonn, Köln, Leipzig oder Magdeburg. Nach Angaben der Veranstalter ist die Bierbörse der Braukunst aus aller Welt gewidmet. Sie diene dazu, viele verschiedene heimische und exotische Biersorten zu probieren. Ein vielfältiges Verkaufsangebot von brauereitypischen Nebenprodukten an den Verkaufsständen gehöre ebenfalls zum Erscheinungsbild. Ein weiterer Bestandteil ist ein Musik- und Unterhaltungsangebot für die unterschiedlichen Besuchergruppen. In Detmold findet die Bierbörse von Freitag, 23., bis Sonntag, 25. Juni, statt.

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