Familienvater legt Feuer im eigenen Haus, um Sexgeister zu vertreiben

Erol Kamisli

Großalarm: Die gesamte Blomberger Feuerwehr müsste im Oktober 2016 zum Löscheinsatz in Großenmarpe. - © Archivfoto: Jost Wolf
Großalarm: Die gesamte Blomberger Feuerwehr müsste im Oktober 2016 zum Löscheinsatz in Großenmarpe. (© Archivfoto: Jost Wolf)

Detmold/Blomberg. Er erzählte von erotischen Fantasien, Fremde hatten Sex mit seiner Ehefrau und immer wieder hörte der 40-jährige Tischler Stimmen und fühlte sich von Geistern verfolgt – um die zu vertreiben, zündete er im Oktober vergangenen Jahres das eigene Mühlen-Anwesen in Großenmarpe an. Das Landgericht Detmold ordnete die Unterbringung des Familienvaters in einer Psychiatrie an.

Zwei Tage zuvor hatte die 39-jährige Ehefrau des Angeklagten gemeinsam mit den fünf Kindern das Haus verlassen. „Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten", sagte die Erzieherin im Zeugenstand. Die anschließende Einsamkeit in dem Haus verstärkten die Stimmen im Kopf und Halluzinationen, erklärte der Angeklagte.

Er habe sich nicht mehr aus dem Haus getraut und sich unter die Bettdecke verkrochen. „Irgendwann wusste ich nicht mehr weiter und habe das Feuer im Wohnhaus und in der angrenzenden Scheue gelegt, damit diese Stimmen endlich ruhig sind", sagte der gebürtige Kasache, der mit seiner Familie 1988 nach Deutschland kam.

„Mit brennenden Küchentüchern habe ich die Gebäude angezündet. Der Brand sollte die Sexgeister und Stimmen vertreiben", sagt der geständige Angeklagte. Das Feuer habe sich rasend verbreitet, dann habe er sich aufs Fahrrad gesetzt und sei weggefahren – zwei Stunden später konnten ihn Polizeibeamte festnehmen.

In der Zwischenzeit war die gesamte Blomberger Feuerwehr ausgerückt. Mit mehr als 100 Mann und etwa 20 Fahrzeugen waren die Rettungskräfte zum Brand geeilt. „Flammen schlugen aus dem Anbau mit der ehemaligen Mühle und dem Erdgeschoss des angrenzenden Wohnhauses", erinnerte sich ein Polizeibeamter im Zeugenstand.

Mehrere Trupps hätten den Mühlentrakt unter schwierigsten Bedingungen durchsucht, da Einsturzgefahr bestanden habt. „Brennende Strohlager mussten sogar von Hand aus der Scheune nach außen gebracht werden, um sie zu löschen", sagte der Polizeibeamte. Das Haus sei völlig niedergebrannt – der Sachschaden liegt im sechsstelligen Bereich.

„Ich wollte das nicht", kommentiert der Angeklagte, der seit Oktober in der Psychiatrie untergebracht ist, die Aussage des Beamten. In der Klinik werde seine Krankheit erfolgreich behandelt und er sei jetzt geheilt und „fit für die Familie", die inzwischen in Detmold eine Bleibe gefunden hat. Seine Ehefrau wolle die Vormundschaft für ihn übernehmen, die eine Zwangseinweisung im Notfall beinhalte.

Doch das Gericht, unterstützt durch ein psychiatrisches Gutachten, lehnte eine sofortige Rückkehr des Angeklagten zu seiner Familie ab und ordnete ein weitere Unterbringung in der Psychiatrie an. „Sie sind noch nicht soweit", sagt Richter Karten Niemeyer in der Urteilsbegründung.

Der 40-Jährige habe trotz seiner Schuldunfähigkeit eine schwere Straftat begangen, daher müsse er wieder Schritt für Schritt in die Gesellschaft eingegliedert werden. Ob die Unterbringung auf Dauer sein müsse, entscheide der 40-Jährige. „Wenn sie sich helfen lassen, können sie auch bald zu ihrer Familie", so Niemeyer.

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