Vogelparkdirektor haut im Büro aufs Schlagzeug

Martin Hostert

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Eins ist nur für ihn, das andere ist für alle offen: Friedrich-Wilhelm Eckstein in einem seiner beiden Büros. Zum Schlagzeugspielen kommt er kaum noch. - © Vera Gerstendorf-Welle
Eins ist nur für ihn, das andere ist für alle offen: Friedrich-Wilhelm Eckstein in einem seiner beiden Büros. Zum Schlagzeugspielen kommt er kaum noch. (© Vera Gerstendorf-Welle)
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(© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold-Heiligenkirchen. „Büros der Chefs" heißt diese LZ-Serie, und im 34. Teil stimmt der Titel im Plural erstmals: Friedrich-Wilhelm Eckstein nutzt nämlich zwei Büros. In dem einen dominieren ein Schlagzeug und PC-Bildschirme, im anderen Plüschpapageien, Fachbücher, Aktenordner.

Zunächst zum ersten Büro, seinem „offiziellen, kaufmännischen Büro" mit Rechnern und Buchführungsdokumenten. Da steht auch ein Schlagzeug drin. Trommeln, Becken und Hi-hat im Chefzimmer des Vogelparkes Heiligenkirchen? Eckstein lacht und holt handschriftlich erstellte Notenblätter hervor: „Ich kann nach Noten trommeln. Hier: Radar Love von Golden Earring oder Smoke on the Water von Deep Purple."

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Vier Antworten

1. Ich bin derzeit sehr zufrieden, weil...
der Park einen hohen Zuspruch erfährt.

2. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass...
mein Sohn den Betrieb erfolgreich weiterführen kann.

3. Für den Park wünsche ich mir, dass...
weiterhin so viele Menschen hier eine schöne Zeit haben und etwas über die Natur lernen können.

4. Meine Mittagspause verbringe ich...
mit meiner Frau am Mittagstisch.

Vor 15 Jahren habe er Lust aufs Drummen bekommen und es von Grund auf bei einem Schlagzeuglehrer erlernt. Eckstein hatte eine Möglichkeit gesucht, sich mal auszuklinken, sich auf etwas ganz anderes konzentrieren zu können. Heute spielt er allerdings nur noch selten: Die Augen, das Gehör... „Ich bin ja nun schon 61", kokettiert er.

Da ist eher ein zweites Hobby angesagt: Das Angeln hat Friedrich-Wilhelm Eckstein wieder angefangen – auch eine Möglichkeit zur ab und an nötigen Auszeit von seinem geliebten Vogelpark, schließlich wohnt er ja auf dem Gelände im Schling.

Ein Areal, das er von seinem Büro aus ganz gut im Blick hat. Sind die Parkplätze voll? Wie sieht es auf dem Grundstück aus? Dreimal am Tag durchquert er den Park, sieht nach seinen Tieren: „Ich gucke mir jedes an. Das ist für mich das Allerwichtigste. Ich bin kein Büromensch, aber der Papierkram wird immer mehr. Schrecklich." Natürlich kennt er nicht jeden Wellensittich, jeden Präriehund oder Biber persönlich, aber die besonderen Papageien oder die Tukane, die schon. „Doch ich sehe beim Blick in die Volieren immer, ob etwas los ist oder ob alles seine Richtigkeit hat."

Den Blick hat Eckstein drauf, 48 Jahre schon kennt er den Park, der seit 31 Jahren seiner ist – seit er ihn von den Eltern übernommen und kontinuierlich professionalisiert und erweitert hat. Die Selbstständigkeit hatte den gelernten Zahntechniker gelockt, den Park liebte er schon als Junge. In all den Jahren hat Multitalent Eckstein nicht nur gelernt, einen Zoo zu leiten und Schlagzeug zu spielen, er kann auch am besten von allen 24 Mitarbeitern Bagger fahren, kann Dächer decken und mauern, denn im Park ist immer was zu tun.

Das zweite Büro ist nicht abgeschlossen, da darf jeder rein. Ein Verkehrsschild „Parrots crossing" („Papageien queren") hängt an der Wand, Pappkartons mit Werbematerial stehen neben Tischdecken. Papageien und Tukane in allen Farben und Größen lugen aus Kartons, Reklame-Regenschirme stehen in einem Fass. Begriffe wie „Spielgerätekontrolle" oder „Baumsicherung" sind auf den Rücken der Aktrenordner zu lesen. Im Schrank Vogelbücher aller Art, Lexika, Nachschlagewerke zur Tiermedizin. „Dass hier alles zugänglich ist, ist mir ganz wichtig", betont Eckstein.

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück der Kollegen, denn „die Mitarbeiter müssen über alles Bescheid wissen", sagt Eckstein, der viel Wert auf Kommunikation legt. Auch das gesamte Tiermanagement ist hier einsehbar, in guten alten Akten und natürlich digital. Apropos digital: Vor dem Frühstück checkt der Vogelparkchef Facebook & Co., liest Mails. „Da sind wir absolut auf dem Laufenden. Ohne die sozialen Medien geht nichts mehr."

Er selber ist fit in diesen Dingen – noch fitter allerdings ist Eckstein Junior. Sohn Marc-Philipp verantwortet den Onlineauftritt und bald den gesamten Park. Der studierte Zoologe und Geograf wird den Vogelpark in dritter Generation übernehmen, muss allerdings erst die klassische Lehre beenden: Er macht zurzeit eine Ausbildung zum Tierpfleger beim Vater. Wenn er die fertig ist, wird er zwei Büros beziehen dürfen.

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