Iraker soll Verwandte in der Asylunterkunft vergewaltigt haben

Astrid Sewing

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Landgericht Detmold (© Symbolfoto LZ)

Detmold. Egal, wie das Gericht entscheiden wird: In zwei kurdischen Familien drohen Racheakte. Es geht um den Vorwurf gegen Yasar Z. (alle Namen geändert), der die Frau seines Schwagers, Nazrin Y., in den Asylunterkünften in Detmold und Lemgo zweimal vergewaltigt haben soll.

Der 35-jährige fünffache Familienvater bestreitet das. Vor Gericht schilderte er am Montag, dass sich Y. an ihn herangemacht habe. Die 26-Jährige konnte vor Gericht nicht aussagen, denn sie erwartet in diesen Tagen ein Baby. Auch um dieses Kind ging es vor Gericht, denn der Ehemann von Nazrin Y. will wissen, ob das Kind von ihm ist.

Das Paar war im Januar 2016 gemeinsam mit dem Angeklagten und seiner Familie nach Deutschland gekommen. Im Januar 2017 wandten sich die beiden in Lemgo an eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin und schilderten, dass Nazrin Y. zwei Mal von dem 35-Jährigen vergewaltigt worden war.

In Detmold hatten alle zusammen in der Asylunterkunft gelebt. In dieser Zeit soll ein Nacktfoto gemacht worden sein, das Y. unter der Dusche zeigt. Gemacht haben soll es die Frau des Angeklagten, ihr Mann soll Nazrin Y. damit erpresst haben. Nachdem alle nach Lemgo umgezogen waren, soll sich der 35-Jährige in einem Waschhaus an der Kurdin vergangen haben.

Gericht hält den Haftbefehl aufrecht

Ob es das Foto und die Textnachrichten gab, konnte das Gericht am Montag nicht klären, denn die Daten auf allen Handys waren gelöscht worden. Die Ehefrau sagte aus, sie habe ihr Handy beim gemeinsamen Duschen nie dabei gehabt. Ihre Schwägerin sei keine gute Frau für ihren Bruder, weil sie zu freizügig sei.

Der 35-Jährige gab an, dass ihm Y. Liebesgedichte geschickt hatte, er habe auch geantwortet. Als seine Frau Verdacht geschöpft habe, habe er das Handy zerstört. Die Nachfrage von Richter Karsten Niemeyer, ob er mit ihr in Detmold einvernehmlichen Sex gehabt hatte, wollte Z. nicht beantworten. „Das kann zum Tod führen. Die Schwester von Nazrin ist umgebracht worden, weil sie fremd gegangen ist."

Auf Nachfrage des Gerichts räumte er ein, dass es ebenfalls zu einer Blutfehde zwischen den Familien kommen kann, wenn eine Frau vergewaltigt werde. Nazrin Y. habe sich an ihm rächen wollen. „Sie wollte freiwillig mit ihrem Mann in den Irak zurückkehren, ich wollte aber nicht auch zurück."

Dem Antrag seines Verteidigers Remzi Yalcins, den Haftbefehl auszusetzen, gab das Gericht nicht statt. Es bestehe Fluchtgefahr und es sei nicht auszuschließen, dass Z. versuche, den Aufenthaltsort von Nazrin Y. herauszubekommen. Der ist geheim, weil das Paar Racheakte befürchtet. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 6. Juli, ab 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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