Beamter aus Detmold muss vor Gericht

Jobst Lüdeking

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Ein Beamter aus Lippe hat nebenbei einen Escort-Service betrieben. - © Symbolbild: Pixabay
Ein Beamter aus Lippe hat nebenbei einen Escort-Service betrieben. (© Symbolbild: Pixabay)

Detmold. Die berufliche Vermischung erscheint mindestens ungewöhnlich: Neben seiner hoheitlichen Tätigkeit als Beamter (61) des Kreises Lippe soll ein Detmolder parallel einen Escort-Service mit mehreren Frauen betrieben haben – offeriert wurden sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung.

Ein Vorgang in dieser Agentur bringt den Beamten am Dienstag vor das Schöffengericht in Detmold. Die Vorwürfe der Anklageschrift wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem „Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung" vor – der Strafrahmen liegt bei einer Verurteilung im Bereich von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft.

2015 soll er Kontakt zu einer 17-Jährigen aufgenommen und sie „in Kenntnis ihres Alters überredet haben, die Prostitution aufzunehmen, um ihre finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden". So soll er dem Opfer geholfen haben, ein Inserat auf einer Internetseite aufzugeben. Als Gegenleistung soll der Beamte dann zehn Prozent der Einnahmen verlangt, dem Mädchen aber gleichzeitig Schutz versprochen haben.

In einem Fall soll das Mädchen dann auch der Prostitution nachgegangen sein und dafür 100 Euro erhalten haben. Am nächsten Tage habe sie dann aber ihr Inserat wieder gelöscht – sie war von Verwandten erkannt worden. „Mein Mandant wird sich zu den Vorwürfen äußern", erklärt Rechtsanwalt Andre Pott, der Strafverteidiger des Mannes.

Wie in anderen Fällen auch wurde gegen den 61-Jährigen ein Disziplinarverfahren seitens des Kreises Lippe eingeleitet. Es ruht bis zum Abschluss des Strafverfahrens. Im Fall einer Verurteilung zu einer Haftstrafe von mehr als einem Jahr droht dem Angeklagten automatisch auch der Verlust seines Beamtenstatus. Darüber hinaus schreibt das Gesetz auch vor, dass sich ein Beamter – auch in seiner Freizeit – „amtsangemessen" – zu verhalten hat.

Ob das Anbieten sexueller Dienstleitungen dazu gehört, darf zumindest bezweifelt werden. Darüber hinaus müssen Nebentätigkeiten von Beamten dem Dienstherren gemeldet werden. Ob sein Escort-Service von der Kreisverwaltung – die für die Aufsicht über Bordelle und Prostituierte zuständig ist – genehmigt wurde, wird sich am Dienstag herausstellen.

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