Hetze gegen Kellig hat ein juristisches Nachspiel für OWL-Vorsitzenden der Partei "Die Rechte"

Jens Reichenbach und Martin Hostert

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Wehrt sich: Matitjahu Kellig aus Detmold. - © Bernhard Preuß
Wehrt sich: Matitjahu Kellig aus Detmold. (© Bernhard Preuß)

Detmold/Bielefeld. Am Donnerstag, 7. September, steht der OWL-Vorsitzende der Partei „Die Rechte“, Sascha Krolzig aus Bielefeld, von 11 Uhr an vor dem Amtsgericht in seiner Heimatstadt. Er hatte den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Detmold/Herford, Matitjahu Kellig, als „frechen und selbstgefälligen Juden“ bezeichnet. Krolzig ist wegen Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt.

Dass der Termin zustande kommt, ist Kelligs Rechtsanwalt Thomas Walther zu verdanken. Walther, der sich unter anderem als Vertreter der Nebenkläger im Detmolder Auschwitz-Prozess gegen Reinhold Hanning in der Region und bundesweit einen Namen gemacht hat, hatte gegen die zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft veranlasste Einstellung des Ermittlungsverfahrens Beschwerde vor dem OLG Hamm erhoben. So erreichte er eine Wiederaufnahme.

Der emeritierte Detmolder Musikprofessor Kellig hatte sich vor mehr als einem Jahr gegen die rechten Tiraden mit einer Strafanzeige gewehrt, unterstützt von Walther. Für diesen steht zweifelsfrei fest, dass der Ausdruck „frecher Jude“ vor allem von Hitler und führenden Leuten des Dritten Reiches herablassend und beleidigend eingesetzt worden war. „Die Rechte“ hatte mit der Wortwahl, die Krolzig nun vor Gericht bringt, auf Kelligs Kritik am Verlagsprogramm der Deutschen Verlagsgesellschaft aus Preußisch Oldendorf reagiert. Die DVG hatte rechtsextreme Schriften verbreitet.

Krolzig ist mehrfach einschlägig vorbestraft und hat als Jugendlicher wegen Volksverhetzung im Arrest gesessen. Zahlreiche Verurteilungen zu Arbeitsleistungen und Geldstrafen folgten. Er stand wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen und Verleumdung vor Gericht, die Verfahren sind indes teilweise eingestellt worden. Im Februar 2016 hatte das Verwaltungsgericht Minden seine Klage gegen die Nicht-Zulassung für ein Referendariat im Justizdienst abgewiesen. „Die Bandbreite der vom Kläger begangenen Straftaten ist erheblich“, heißt es unter anderem in der Urteilsbegründung.

Kellig und Walther wollten sich im Vorfeld nicht zu dem nun anstehenden Verfahren äußern. Der Bielefelder Staatsanwalt Udo Vennewald erklärte auf Anfrage dieser Zeitung: „Auf der Homepage der Partei ,Die Rechte‘ ist ein Artikel erschienen mit dem Titel ,Linke und Jüdische Gemeinde hetzen gegen Verleger’. Darin wird der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als ,frecher Judenfunktionär‘ bezeichnet. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte mit dieser Formulierung bewusst an die NS-Ideologie angeknüpft und der Gemeindevorsitzende beleidigt werden.“

Der Angeklagte sei im Sinne des Telemediengesetzes verantwortlich für den Inhalt der Homepage des Kreisverbandes OWL. Die Formulierungen Krolzigs sind bis heute auf der Homepage der Rechten nachzulesen. Aktuell wirbt Krolzig im Netz für die Sonderausgabe des Heftes „NS heute“. Der Titel: „30 Jahre Rudolf-Heß-Gedenk-Aktionen – eine Chronik“.

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