Compagnie Adhok zeigt fesselnde Performance an der Ameide

André Gallisch

  • 0
Party-Stimmung: Die Heranwachsenden feiern in der geschützten Umgebung ihres Nests. - © André Gallisch
Party-Stimmung: Die Heranwachsenden feiern in der geschützten Umgebung ihres Nests. (© André Gallisch)

Detmold. Dunkel. fast ein bisschen bedrohlich breitet sich der Abendhimmel über der Detmolder Innenstadt aus. Aber auf der Ameide durchdringt ein Lichtstrahl die Finsternis. Er trifft auf „Das Nest“, aus dem sich plötzlich eine Hand, dann mehrere, dem Himmel entgegenstrecken. Rund 100 Zuschauer folgen gebannt der Compagnie 
Adhok bei deren ersten Teil des Stückes „Immortels“.

„Was ist heute jung sein?“ Dieser Frage nähern sich Eliot Maurel, Marine Garcia, Jonathan Aubart, Jacob Auzanneau, Laurene Thomas, Maggi Mattia, Nathan Chouchana, Tom Verschueren und Yoanna Marilleaud darstellerisch und tänzerisch, während sie sich langsam immer weiter aus dem riesigen, schützenden Nest herauslehnen. In einem zirkusartigen Halbrund können die Zuschauer verfolgen, wie das Ensemble früheste Kindheit und den allmählichen Aufbruch aus dem Schutz bietenden Nest heraus szenisch und tänzerisch, mal mit Humor, einem Schuss Melancholie, aber auch düsteren Aspekten anschaulich macht. Dabei suchen die neun bewusst auch immer wieder das wärmende Innere ihres Nestes auf.

Schule, Party, erste Liebe und das Entdecken der Sexualität gehören ebenso zu den Aspekten wie Freundschaft, das Vergleichen körperlicher Attribute mit den Geschlechtsgenossen oder der Aufbruch in das Berufsleben.

Dabei wartet das Ensemble aus Frankreich immer wieder auch mit akrobatischen Elementen auf. Doch vor allem der zunächst humorvolle Umgang mit den Sorgen und Hoffnungen der U-18-Generation im digitalen Zeitalter macht das Zuschauen zu einem Erlebnis. Die selbst zwischen 18 und 25 Jahre alten Darsteller vermitteln durch ihre Nähe zu der angesprochenen Generation eine besonders hohe Authentizität.

Besonders spannend ist der Moment, in dem die Tänzer tatsächlich ihr Nest verlassen und sich auf dem Weg in die Welt machen. In einem wunderschönen Licht kommt es nun zum kurzen, direkten Kontakt mit dem Publikum. Ein Augenblick zum Innehalten. Der wird dann aber durch die eingespielte Ansprache des damaligen Staatspräsidenten Francois Hollande an das französische Volk nach den Terroranschlägen vom 13. November 2015 in Paris, gerade auch auf die überwiegend jungen Leute im Konzertsaal Bataclan, dramatisch zerstört. Und die jungen Menschen laufen...

Der zweite Teil, „Der Flug“, ist am Samstag um 16 und um 19 Uhr an der Brunnenstraße/Ecke Volkwinstraße zu sehen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!