Dieser Detmolder lernte das Fussballspielen hinter der Bielefelder Alm

Axel Bürger

  • 0
Trainer aus Leidenschaft: Wolfgang Schlichthaber ist seit den 60er Jahren mit dem Fußball verbunden. - © Axel Bürger
Trainer aus Leidenschaft: Wolfgang Schlichthaber ist seit den 60er Jahren mit dem Fußball verbunden. (© Axel Bürger)

Detmold. Früher fingen Fußballer-Laufbahnen oft auf der Straße an. Bei Wolfgang Schlichthaber bedurfte es dieses Klischees nicht.

Der 74-Jährige wohnte als Kind im Bielefelder Westen direkt hinter dem Stadion Alm. Er wurde Torwart, spielte Regionalliga West, machte als Trainer weiter und lebt heute fast ohne Fußball in Hiddesen.

Das „fast" ist der obligatorischen Sportschau in der ARD geschuldet. An der kommt bekanntlich kaum jemand am Samstag vorbei. Ansonsten ist es still geworden um den Trainer Schlichthaber. „Mit 69 Jahren habe ich noch einmal in Brakel trainiert, die weiten Fahrten raubten mir allerdings irgendwann die Motivation", ergänzt er.

Schlichthaber war schon immer Torwart und denen wird ein besonderer Charakterzug nachgesagt: Ein bisschen verrückt seien sie. Der Detmolder dürfte eine der Ausnahmen sein. Verrückt war allenfalls die Odyssee seiner Vereinswechsel. Mit dem damaligen Trainer bei Arminia Bielefeld verstand er sich nicht besonders.

Als sein Vater Anfang der 60er Jahre mit einem Mäzen aus Bad Pyrmont im Urlaub auftauchte, war es bis zum Vereinswechsel nicht mehr weit.

Hochzeit und Umzug nach Detmold folgten. Danach kickte Schlichthaber noch für Steinheim, TuS Paderborn-Neuhaus („Meine schönste Zeit"), den VfL Schlangen und startete als Spielertrainer in Lothe. Weitere Clubs in der Trainerlaufbahn: TuS Horn-Bad Meinberg und natürlich seine Zeit als Coach beim TBV Lemgo. „Damals sind wir sofort zweimal aufgestiegen." Noch heute spricht man in der alten Hansestadt von der „goldenen Generation" mit Spielern wie Kopp, Tasler, Tonn, Kuhlmann und Mischer.

Auf die Frage, was für ein Trainertyp er gewesen sei, kommt Schlichthaber nicht ganz an einem Vergleich mit Felix Magath vorbei. Fit seien seine Mannschaften immer gewesen. Bis zur 90. Minute. „Ich habe kaum ein Spiel in der Schlussviertelstunde verloren", erinnert er sich.

Ein Spiel, das sofort wieder in der Erinnerung auftaucht? „Viele, mit Paderborn gegen Bielefeld in der höchsten Amateurklasse, damals vor rund 10.000 Zuschauern, und einige Partien mit Arminia vor 20.000 auf der Alm, beispielsweise gegen Aachen."

Alles lange her. Der Detmolder Rentner will sich nicht im Klagelied über den Kommerz im Fußball wiederfinden, sieht es trotzdem ähnlich. „Ich war vor Jahren mal bei einem Spiel von Bayern München, bin extra runter gefahren, konnte letztendlich von meinem Platz nicht vernünftig sehen und wurde nachher aus dem Stadion quasi rausgeschoben."

Gedränge gibt es daheim in Hiddesen nicht. Die Schlichthabers haben viel Platz rund ums Haus. Der liebevoll gepflegte Garten ist dem grünen Daumen seiner Frau Roswitha geschuldet, alle Hecken müssen indes vom Ex-Torwart in Form gehalten werden. Beim Frühstück liest das Paar die Tageszeitung, danach wird der Tag geplant.

„Wir gehen immer mal wieder schwimmen in Bad Meinberg, haben jetzt beide ein E-Bike, mit dem wir rund um Detmold unterwegs sind." Eine der beiden Töchter wohnt direkt nebenan, und das Enkelkind will natürlich mit Opa durch den Garten galoppieren.

Sein Job in der Automobilbranche hat Wolfgang Schlichthaber kaum weniger lange geprägt als das Fußballgeschäft. Erst mit 71 Jahren ging er in Rente. Die meisten Jahre arbeitete er bei Opel in Steinheim und Horn. „Als die Kollegen irgendwann meinten, mich würde man mal raustragen müssen, habe ich dann doch ans Aufhören gedacht", blickt Schlichthaber auf das Jahr 2014 zurück.

Bleibt die Frage, ob dem Verkauf von Autos und dem Trainieren von Fußballmannschaften eine Gemeinsamkeit innewohnt. Schlichthaber: „Sie brauchen Fingerspitzengefühl und sollten vom Produkt überzeugt sein."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!