Die dunkle Seite des Thomas T.

Martin Hostert

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Blumen, ein Teddy und Kerzen erinnern an das grausame Verbrechen in der Immelmannstraße. - © Bernhard Preuss
Blumen, ein Teddy und Kerzen erinnern an das grausame Verbrechen in der Immelmannstraße. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Der von der Polizei unter Hochdruck gesuchte Thomas T. ist bereits im Januar 2005 wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes vom Landgericht Detmold zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Davon hatte er sechs Jahre abgesessen.

Thomas T. steht in dringendem Verdacht, eine junge Bulgarin und ihren Sohn (6) getötet zu haben. Die beiden waren am Montagabend in dessen Wohnung in der Immelmannstraße aufgefunden worden, sie waren an Stich- und Schnittverletzungen gestorben. Wie Oberstaatsanwalt Christopher Imig gestern sagte, seien sie mindestens seit Sonntag schon tot gewesen, die Ermittlungen dauerten an.

Für eine Vergewaltigung gebe es bislang keinerlei Hinweise, die Tote sei vollständig bekleidet gewesen. Die Waffe wurde trotz des Einsatzes eines Spürhundes bislang nicht gefunden. Der mutmaßliche Täter sei nach Absitzen der Strafe von 2005 nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten, berichtet die Polizei.„Die Tat weist Ähnlichkeiten zu dem aktuellen Tötungsdelikt auf. Dies haben Ermittlungen der Sonderkommission ergeben."

Thomas T. habe auch damals „im sozialen Nahbereich einen längeren Kontakt zu einer Frau aufgebaut". Im August 2004 hatte er eine 24-jährige Frau in Bad Salzuflen mit 20 Messerstichen lebensgefährlich verletzt und vergewaltigt; er stellte sich wenig später der Polizei. Angesichts des erfüllten Tatbestandes „Versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und besonders schwere Vergewaltigung" wäre damals eine lebenslange Haftstrafe möglich gewesen.

Das Detmolder Landgericht hatte jedoch eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten nicht ausgeschlossen. Psychiater Horst Sanner hatte von „Lernbehinderung" und „Debilität" gesprochen, eine volle Schuldfähigkeit indes für möglich gehalten. Er hatte dem Angeklagten „stark eingeschränkte intellektuelle Möglichkeiten attestiert." Thomas T. war damals schwer zu durchschauen: „Was passiert ist, ist mir völlig unklar", wurde Sanner in der LZ zitiert.

Die Polizei erhofft sich weiterhin Hinweise auf den Aufenthaltsort T's. Es seien wenig Hinweise eingegangen, hieß es am Mittwoch. Der Leiter der 16-köpfigen Mordkommission, Kriminalhauptkommissar Thorsten Stiffel, setzt auf mehr Tipps durch weitere Informationen und erklärte, Thomas T. habe sich vor einigen Wochen eine Verletzung am linken Arm zugezogen. „Er muss eine abnehmbare Gipsschiene tragen. Außerdem soll er einen Rucksack mitgenommen haben, der einem Bundeswehrrucksack ähnlich sehen soll."

Imig nannte der LZ weitere Details zur Biografie der jungen Mutter. Ihr damaliger Lebensgefährte und Vater des Kindes habe die beiden Ende 2016 aus Bulgarien nach Deutschland geholt. Beide Elternteile hätten hier Arbeit gefunden, sich jedoch mittlerweile getrennt. Die Soko habe mit dem Vater gesprochen, er habe mit dem Verbrechen nichts zu tun. Weitere Angehörige seien zumindest in Deutschland nicht ausfindig gemacht worden. Thomas T. sei allen Ermittlungen zufolge lediglich „ein hilfsbereiter Nachbar" gewesen. Imig: „Da spricht gar nichts für eine Beziehung."

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