Grüße von der Knef und Jacques Brel

André Gallisch

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Ein Abend mit klangvollem Tiefgang: Pe Werner und Frank Chastenier gelingt es, ihr Publikum im Detmolder Sommertheater ganz sanft in „Stille Wasser" mitzunehmen. - © André Gallisch
Ein Abend mit klangvollem Tiefgang: Pe Werner und Frank Chastenier gelingt es, ihr Publikum im Detmolder Sommertheater ganz sanft in „Stille Wasser" mitzunehmen. (© André Gallisch)

Detmold. Der mächtige Bechstein-Flügel dominiert die Bühne. Daran Frank Chastenier, der mit seinem sanften, präzisen Fingerspiel gleich zu Beginn ein Roger-Willemsen-Zitat über seine Kunst – „Frank Chastenier kann auf dem Klavier tiefer sehen" – bestätigt. Dann mischen sich zarte Schritte in den Saitenklang: Die Sängerin Pe Werner tritt auf.

Die beiden Künstler sind in Ulrike Wahrens Reihe „bekannt" im Detmolder Sommertheater zu Gast. Sie präsentieren ihr gemeinsames Bühnenprogramm „Stille Wasser". Mit „Hello" scheint Pe Werner die fast 250 Zuschauer im Saal in lockerer Form zu begrüßen. Doch verleiht sie mit ihrer einfühlsamen Stimme und ihrer einnehmenden Ausstrahlung dem Lionel-Richie-Hit noch einmal eine ganz spezielle Facette. „Es heißt ja immer, beim ersten Mal tut’s noch weh", spielt sie anschließend auf ihre Premiere in Detmold an, „ich finde überhaupt nicht." Dabei strahlen ihre Augen so voller Energie, aber auch Neugier, dass man für einen Moment vergessen mag, was sie dann in Anspielung an Ulrike Wahrens charmante Anmoderation selbst richtig stellt: „Ich bin nicht mehr 25."

Klar, dass an einem solchen Abend, der nicht in erster Linie eigenen Songs, sondern einer Auswahl an Lieblingstiteln aus dem Fundus großer Chansons und Lieder gewidmet ist, dennoch ein ganz bestimmtes Lied nicht fehlen darf, das man wie kein anderes mit der Sängerin verbindet. Doch auch beim „Kribbeln im Bauch" zeigt Pe Werner, dass sie die Interpretation des Titels von 1991 aktuell in deutlich größerer Nähe zum Chanson-Genre angesiedelt hat. Ein echter Genuss.

Genau diesen möchte das kongeniale Duo mit Piano und Stimme an diesem Abend erzeugen. Und das gelingt vortrefflich. Da erinnert die Sängerin zum Beispiel an die ebenso großen wie bewegenden französischen Chansonniers Jacques Brel oder Yves Montand. Sie weist aber auch darauf hin, dass so bekannte Welterfolge wie Paul Ankas für Frank Sinatra geschriebenes „My Way" mit „Comme d’habitude" auf ein französisches Vorbild aus der Feder von Claude Francois, Jacques Revaux und Gilles Thibault zurückgeht.

Gleich zwei Mal erscheint Hildegard Knef in der Erinnerung der Zuhörer an diesem Abend auf der Bühne. Pe Werner vermag dabei ihre Verehrung der Knef, der sie mit „In dieser Stadt" sowie später mit „Eins und eins, das macht zwei" huldigt, nicht zu verbergen. Will sie auch gar nicht – ganz im Gegenteil.

Und immer wieder, zum Beispiel in seinen Prologen, sorgt Frank Chastenier dafür, dass das Motto vom „Stillen Wasser", das ja zu Recht häufig als tief – hier im Sinne von Tiefgang – angesehen wird, zu seiner Berechtigung kommt. Wenn der Ausnahmepianist an diesem Abend sein ganz sanftes, präzises Tastenspiel in den Saal flüstert, erzeugt er eine unglaubliche Stille, die nahezu greifbar ist.

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