Uwe Lyko begeistert beim Detmolder Vollmond-Kabarett als Herbert Knebel

André Gallisch

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Von wegen unbeweglich: Herbert Knebel (Uwe Lyko) greift auch immer wieder zum Mikrofon un lässt sich von Ozzy Ostermann auf der Gitarre begleiten. - © André Gallisch
Von wegen unbeweglich: Herbert Knebel (Uwe Lyko) greift auch immer wieder zum Mikrofon un lässt sich von Ozzy Ostermann auf der Gitarre begleiten. (© André Gallisch)

Detmold. „Hör ma" schallt es durch die Detmolder Stadthalle. Viel mehr braucht es nicht, um den 450 Gästen im ausverkauften Saal das erste Lachen zu entlocken. Herbert Knebel hat sein Publikum in der Reihe „Detmolder Vollmond Kabarett" sofort im Griff gehabt.

Von einem „Geben und Nehmen" spricht der Ruhrpottler bei seinem neuen Programm. „Ihr habt Euer Eintrittsgeld für mich gegeben", erläutert er, „und ich hab es genommen." Das zunehmende Alter und die damit einhergehende Beschwerlichkeit bei vielen Tätigkeiten hat Uwe Lyko seiner Kultfigur als Grundlage für den Titel „Im Liegen geht’s" verpasst.

Wer nun aber einen beschaulichen Abend in der Horizontalen erwartet, der wird nicht nur mit der Geschichte von der „Alten-Wohngemeinschaft" und dem Wiedertreffen mit Petra Schlecker, Herberts Schwarm aus der Hippie-Generation, eines Besseren belehrt. Ihn habe damals immer der Name dieser Frau angezogen: „Petra." Nun erfährt er, dass die Anziehungskraft damals auf Gegenseitigkeit beruhte – und zwar weil seine Traumfrau den Namen „Knebel" so inspirierend fand.

Immer wieder gelingt es Herbert Knebel in seinen Alltagsgeschichten ganz feine, fast zu überhörende politische Botschaften zu integrieren. Doch bei seinem kaputten Fön hört das auf. Die Aussage „Reparieren lohnt sich nicht, das kostet drei Mal so viel wie ein Neuer" bringt ihn in Rage. Und plötzlich ist keine Rede mehr vom beschaulichen Liegen auf dem Sofa. Jetzt gerät er in Bewegung. Themen wie Nachhaltigkeit und Verklappung von Elektro-Schrott in Afrika bringen ihn zu der Quintessenz: „So ist nämlich Kapitalismus: ballaballa."

Hier und da gönnt sich Herbert Knebel kurze schöpferische Pausen. Die füllt Ozzy Ostermann mit seinem gefühlvollen Gitarrenspiel aus. Klar, dass Knebel den Begleitmusiker dabei immer ein bisschen durch den Kakao zieht. Doch nutzt er dessen filigranes Saitenspiel auch, um sein eigenes Gesangstalent – etwa beim „Bluesdruckmessen" – zu präsentieren. Ein Abend, der das Zwerchfell der Zuschauers in Bewegung brachte.

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