Mit 16 Jahren schon Vollblutregisseur: Ruben Michael inszeniert neues Stück

Thomas Krügler

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Bringen viel Glanz auf die Bühne: Florian Kretlow, Evangelia Giannopoulou und Simon Herten (von links). - © Thomas Krügler
Bringen viel Glanz auf die Bühne: Florian Kretlow, Evangelia Giannopoulou und Simon Herten (von links). (© Thomas Krügler)

Detmold. Talente zeigen sich früh und reifen bei viel Glück zur Kunst. So ergeht es Vollblutregisseur Ruben Michael, der als 16-Jähriger seine zweite Oper inszeniert. Mit Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti" (1952) ist ihm ein großer Wurf gelungen. Rund 150 Gäste in der Neuen Aula vom Gymnasium Leopoldinum waren begeistert.

Mit fünf professionellen Sängern und acht Musikern der Musikhochschule hat er eine beeindruckende Inszenierung auf die Beine gestellt. Als 15-jähriger hat Ruben Michael in Mozarts frühem Singspiel „Bastien und Bastienne" noch Streitereien eines jungen Liebespaares in Szene gesetzt. Nun ist er gereift und traut sich an Szenen einer Ehe.

Zur Handlung: Das Ehepaar Sam und Dinah hat sich auseinandergelebt und erstickt im kleinbürgerlichen Mief der 50er Jahre. Streit ist an der Tagesordnung und echte Kommunikation unmöglich. Sie leben nebeneinander her und flüchten in Scheinwelten. Sam ist im Sportclub der Held und Dinah oft beim Psychiater. Der Titel stammt von einem fiktiven Kinofilm. Könnte doch das Leben so sorglos sein wie im Hollywood-Rührstück.

Unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Julian Wolf erhält die reduzierte Orchesterversion viel Pfiff. Melodiöse Arien wechseln mit fetzigen Songs, die mit jazzigen Elementen gewürzt sind. Die Nähe zum Musical ist nicht zu leugnen. Neben dem tristen Ehepaar mit Opernstimmen steht ein schwungvolles Trio, das der Inszenierung mit typischen Musical-Sing- und Tanzeinlagen Leben einhaucht.

Evangelia Giannopoulou, Florian Kretlow und Simon Herten bringen viel Glanz auf die Bühne. Das Trio harmoniert in bester Klangbalance. Ruben Michael lässt den kleinen Chor immer wieder überraschend komisch auftreten. Mal tanzen sie vor dem Haus, stehen als Geisterchor im Schattenspiel hinter den Protagonisten oder gestalten Umbauten.

Als genialer Schachzug dient eine mobile Wohnzelle, die schnelle Umbauten ermöglicht. Als amerikanisches Häuschen stellt sie Fläche für Sprayer, und umgedreht erlaubt sie Einblicke in die weiß getünchte Scheinidylle der Ehe. Die Sprayer-Aktion zu Beginn, an der sich das Publikum beteiligen darf, bereitet den Angriff auf die kleinbürgerliche Fassade vor. Selbst eine Duschszene erlaubt das Bühnenbild als Schattenspiel.

Alle Sänger meistern überzeugend die englische Originalsprache in klarer Deklamation und hervorragender Textverständlichkeit. Bariton Laurin Siebert gibt einen kernigen Sam und Sopranistin Rohde eine facettenreiche Dinah. In der Höhe lässt sie ihr Timbre lyrisch aufblühen. Schauspielerisch überzeugend vollzieht sie die Wandlung, in der sie sich wie eine Schlange häutet und die Scheinwelt des trauten Heims hinter sich lässt. Die Solisten gestaltet ausdrucksstark ihre Partien. Die Figuren sind nicht überzeichnet. Allen Künstlern ist ein packendes Kammerspiel in großer musikalischer Qualität geglückt, das viel Applaus erhielt.


Ein weiteres Mal ist das Stück in der Aula am Freitag, 17. November ,19.30 Uhr zu sehen. Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Schulhof vom Leopoldinum.

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