Gläubiger ziehen Schlussstrich unter Witex AG

Buch wird nach sechseinhalb Jahren nun zugeklappt

Von Thorsten Engelhardt

Im Amtsgericht Detmold ist gestern die Insolvenz der Witex AG beendet worden. Das Verfahren hat letztlich dazu geführt, dass Witex in einer anderen Unternehmensform noch heute am Markt ist.

Augustdorf / Detmold. 2003 war die Witex AG in Augustdorf insolvent geworden. Mit dem Schlusstermin gestern im Amtsgericht klappten die Gläubiger das Buch nach sechseinhalb Jahren zu. "Für eine Insolvenz in der Größenordnung ein kurzer Zeitraum", bilanzierte Dr. Per Hendrik Heerma, Sozius der Rechtsanwaltskanzlei "FRH" in Hamburg, die den Insolvenzverwalter Wolfgang van Betteray begleitet. Denn es habe einzelne Forderungen im hohen zweistelligen Millionenbereich und insgesamt mehr als 1000 Gläubiger im Verfahren gegeben.

Letztlich sei nun eine einstellige Insolvenzquote festgelegt worden. Wesentlicher sei aber in diesem Verfahren etwas anderes, sagte Dr. Heerma. Denn während die Witex AG abgewickelt wurde, führte der Insolvenzveralter die 2003 gegründete Witex International Flooring GmbH über vier Jahre weiter. 2004 sei die Witex International Flooring GmbH (WIF) insolvenzfrei gewesen, gab Dr. Heerma einen Rückblick. 2007 übernahm die US-amerikanische Investmentbank Bear Stearns die Mehrheit und wandelte die Gesellschaft in die Witex Flooring Products GmbH (WFP) um.

"Die Fortführung hatte also einen wesentlich höheren Nutzen für die Gläubiger", so Heerma. Damit seien Arbeitsplätze und auch die Absatzwege der Gläubiger erhalten worden. Die Witex-Geschichte sei damit ein Lehrbuchbeispiel für die Möglichkeiten, die eine Insolvenz bereit halten könne.

"Die Insolvenz der Witex AG ist für uns ohne Auswirkungen gewesen", sagte gestern Dr. Börge Schümann, Geschäftsführer der heutigen WFP. Alle 220 Mitarbeiter seien noch immer im Unternehmen. Allerdings gibt es - wie in dieser Woche berichtet - einen neuen Haupt-Gesellschafter: die Harvard Investment Group (HIG). Denn Bear Stearns ist in der Bank JP Morgan aufgegangen, die den damit übernommenen Anteil an der WFP abgeben wollte. HIG passe sehr viel besser zum Unternehmen, sagte Schümann. Zudem seien er und zweite Geschäftsführer Wiest selbst als Gesellschafter eingestiegen.

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