Bauerei mit den Kästen der Brauerei

Studenten der Hochschule Ostwestfalen-Lippe schaffen einen höchst ungewöhnlichen Pavillon

Von Thorsten Engelhardt

Ungewöhnlicher Pavillon - © Detmold
Ungewöhnlicher Pavillon (© Detmold)

Aus mehr als 2000 Bierkästen ist in Detmold ein echtes Gebäude entstanden. Gestern wurde es eingeweiht – natürlich mit Detmolder Bier.

Detmold. Henri Schweynoch ist Student an der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur. Bei der Brauerei Strate hat er seit 2007 einen Job. Studium und Brauerei-Job haben zu einer besonderen Synthese geführt, denn Schweynochs Entwurf liegt einem Pavillon aus Bierkästen zu Grunde, der seit gestern komplett auf dem Campus Emilie zu sehen ist – alles andere als eine Idee aus einer Bierlaune heraus, sondern wohlüberlegt.

Mehr als 2000 Strate-Bierkästen, 20 000 Holzlatten und 30 000 Schrauben stecken in dem freitragenden geometrischen Gebilde, einer "Minimalfläche", die durch die Krümmung nach verschiedenen Seiten Spannung erhält. "Es sieht aus wie eine große Welle", beschrieb Brauerei-Geschäftsführerin Simone Strate das skulpturale Bauwerk, als sie es in Augenschein nahm.

Professor Marco Hemmerling, der mitverantwortlich für den  Entwurf des Mercedes-Museums in Stuttgart war, erklärte Simone Strate und ihrer Mutter Renate die Hintergründe. Hemmerling lehrt in Detmold digitales Entwerfen. Er hatte zehn Studenten die Aufgabe gegeben, Entwürfe für einen Pavillon am Computer zu erstellen. Das Besondere: "Die besten Entwürfe sollten realisiert werden, das ist an einer Hochschule oft nicht möglich", sagte er. Als eine von zwei Studien wurde Henri Schweynochs "Boxel" ausgewählt. Seine Bierkisten-Idee überzeugte aber nicht nur den Professor. Simone Strate: "Er stellte uns das Projekt mit einem professionellen Plan und Berechungen vor, und es hat uns gereizt, zu sehen, ob es wirklich funktioniert." Daher stellte das Unternehmen Bierkisten zur Verfügung, die sonst nach rund zehn Jahren Nutzung ins Recycling gegangen wären und spendete zur Einweihung reichlich gefüllte Gebinde.

Eine gebogene Fläche: So stellt sich der Bierkisten-Pavillon namens "Boxel" dar, auf dem hier einer der studentischen Bauarbeitern arbeitet.  - © Foto: Gerstendorf-Welle
Eine gebogene Fläche: So stellt sich der Bierkisten-Pavillon namens "Boxel" dar, auf dem hier einer der studentischen Bauarbeitern arbeitet.  (© Foto: Gerstendorf-Welle)

Wiederverwertung und lokale Nähe waren auch für Schweynoch zwei wesentliche Aspekte in seiner Arbeit. Aber wie baut man mit Bierkisten? Die Frage brachte die Studentengruppe zunächst ins Baulabor und dann zu einer Verschraubungstechnik, die neue Baumöglichkeiten jenseits des Bierkisten-Stapels ermöglichte.
Denn schließlich soll das Bauwerk bis Oktober genutzt werden. Als Präsentationshintergrund und Aufenthaltsmöglichkeit auf dem Campus. Eine Lichtinstallation kommt noch hinein. Und im Sturm am Mittwochabend zeigte es erstmals seine Bier-Bauer-Qualität.

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