Ermittler sehen neue Hinweise auf Arzu eher skeptisch

Alle Geschwister bleiben in U-Haft – Anklage im Januar

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Ermittler sehen neue Hinweise skeptisch - © Detmold
Ermittler sehen neue Hinweise skeptisch (© Detmold)

Detmold (sb). Die fünf Geschwister der Anfang November verschleppten Kurdin Arzu Özmen (18) bleiben allesamt in U-Haft. Gegen den ältesten Bruder, einen 24-jährigen Familienvater aus Steinheim, hat Oberstaatsanwalt Michael Kempkes gestern den Haftbefehl auf Geiselnahme mit Todesfolge erweitern lassen.

Bei einem Haftprüfungstermin verfügte der Richter, dass der Vater zweier Kleinkinder weiter im Gefängnis bleibt.

Die rund 20 Hinweise, die bei der Detmolder Kripo eingingen, nachdem der Fall Arzu am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst" gezeigt worden war (wir berichteten), hätten bislang keine heiße Spur gebracht, sagte Ermittlungsleiter Jürgen Heinz. "Ein Zeuge will das Opfer in Heppenheim gesehen haben, ein anderer sogar in Lemgo", äußerte sich Heinz skeptisch. Die Spuren müssten noch ausgewertet werden.

Auch Oberstaatsanwalt Kempkes scheinen die aktuellen Zeugenaussagen nicht davon zu überzeugen, dass Arzu noch lebt. Die Erweiterung des Haftbefehls auf Geiselnahme mit Todesfolge spricht eine deutliche Sprache. Das Strafmaß für ein solches Kapitalverbrechen liegt zwischen zehn Jahren Haft und lebenslänglich. Anzunehmen ist, dass in absehbarer Zeit auch die anderen Haftbefehle erweitert werden, wenn die Geschwister weiter schweigen.

Inzwischen wurde bekannt, dass Arzu im August vor ihrer Flucht ins Frauenhaus vor den Augen ihrer jesidischen Familie von ihrem Vater und einem Bruder wegen ihrer verbotenen Liebe zu einem Andersgläubigen verprügelt worden war. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen wegen Körperverletzung auf. Kurz bevor Arzu verschleppt worden war, hatten sich die Eltern in einem Brief an die Behörde gewandt. "Wir wollen nur das Beste für unsere liebe Tochter", heißt es darin. Inwieweit dem Vater auch eine Mittäterschaft an der Verschleppung vorzuwerfen ist, wird geprüft. Ein dringender Tatverdacht, der eine U-Haft rechtfertige, bestehe nicht, sagte der Oberstaatsanwalt.

Kempkes geht davon aus, dass die Anklage bereits im Januar vorgelegt wird, auch wenn Arzu bis dahin nicht gefunden werden sollte. Ein Gerichtsverfahren ohne Leiche hat es in Detmold schon einmal gegeben. 2005 wurde der angeklagte Ehemann wegen Totschlags zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt.

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