Fall Arzu Özmen: Razzia bei Rechtsanwälten

VON HUBERTUS GÄRTNER

Bielefeld. Im Fall der verschwundenen kurdischen Jesidin Arzu Özmen (18) aus Detmold hat es ein außergewöhnliches Ereignis gegeben. Staatsanwälte und Polizisten haben am 15. Dezember eine Bielefelder Rechtsanwaltskanzlei durchsucht. Die Kanzlei vertritt vier Brüder und eine Schwester von Arzu Özmen, die alle in Untersuchungshaft sitzen und im Verdacht stehen, Arzu Özmen am 1. November verschleppt und möglicherweise sogar getötet zu haben, weil die 18-Jährige eine Beziehung zu einem Andersgläubigen unterhielt.

Die Durchsuchung der Bielefelder Rechtsanwaltskanzlei ist nach Informationen dieser Zeitung vor dem Hintergrund erfolgt, dass die inhaftierte Schwester bei ihrer polizeilichen Vernehmung angegeben hat, dass Arzu noch lebe. Ihre Anwältin wisse, wo Arzu festgehalten werde, habe die inhaftierte Schwester gesagt.

Wenn diese Aussage der Wahrheit entspricht, dann könnte sich die Verteidigerin der inhaftierten Schwester strafbar gemacht haben: Nach Paragraf 138 des Strafgesetzbuches wäre sie verpflichtet gewesen, den Sachverhalt zur Anzeige zu bringen. Zwar sind Anwälte zum Schutz ihrer Mandanten zur Verschwiegenheit verpflichtet, aber bei schweren Straftaten, die geplant werden oder sich noch in der Ausführung befinden, gilt eine Ausnahme.

Um die genaueren Umstände aufzuklären, wurde eine Razzia in der Anwaltskanzlei durchgeführt. Ein Sprecher der Detmolder Staatsanwaltschaft wollte keine Details nennen. Er bestätigte auf Nachfrage lediglich die Durchsuchung sowie die Existenz eines Ermittlungsverfahrens. Die beschuldigte Anwältin und ein Vertreter der Kanzlei wollten sich ebenfalls nicht äußern. Letzterer ließ allerdings Kritik am Vorgehen der Detmolder Staatsanwaltschaft durchblicken.

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