Fall Arzu: Detmolder Polizei übernimmt Ermittlungen

Trauermarsch am Samstag

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Ermittler suchen nach Spuren auf dem Golfplatz bei Lübeck. - © FOTO: DPA
Ermittler suchen nach Spuren auf dem Golfplatz bei Lübeck. (© FOTO: DPA)
Trauermarsch

am Samstag - © Detmold
Trauermarsch
am Samstag (© Detmold)
Detmold/ Grossensee (nw/cap). Die Ermittlungen im Fall Arzu Özmen aus Detmold gehen weiter. Die Polizei Detmold hat jetzt die Untersuchung in Schleswig-Holstein übernommen. Der Detmolder Staatsanwalt Michael Kempkes kenne mittlerweile die Todesursache, werde sie aber aus ermittlungstechnischen Gründen vorläufig nicht nennen, sagte er am Montag. Unklar sei weiterhin der Todeszeitpunkt. Sicher sei aber, dass die am Freitag in Großensee östlich von Hamburg gefundene Frau gewaltsam ums Leben gekommen sei.

Eine letzte Gewissheit fehle allerdings noch immer, dass es sich bei der Leiche um die seit dem 1. November vermissten Arzu Özmen aus Detmold handele, so die Polizei. Auch drei Tage nach dem Fund der Leiche in Schleswig-Holstein sei noch nicht bewiesen, dass es sich um die vermisste Kurdin handelt.

Information
Trauermarsch und Kundgebung

Freunde von Arzu Özmen, die auch die Facebook-Gedenkseite für die 18-Jährige unter dem Namen "Arzu Lena Özmen" betreiben, haben in Zusammenarbeit mit der bekannten Buchautorin und Menschenrechtlerin Serap Cileli und dem Verein "Peri e.V." einen Trauermarsch mit anschließender Kundgebung auf dem Detmolder Marktplatz organisiert. Laut Pressemitteilung treffen sich die Teilnehmer jetzt erst am Samstag, 21. Januar, um 16 Uhr an der Bäckerei "Ihr Bäcker e.K.", Hornsche Straße 239, in Remmighausen. Von dort wollen die Teilnehmer bis zum Detmolder Marktplatz marschieren.

Die Ermittler glauben, dass die 18-Jährige am 1. November von fünf ihrer Geschwister verschleppt wurde. Vier Brüder und eine Schwester sitzen in Untersuchungshaft. Grund für die Gewalttat war nach Überzeugung der Ermittler, dass die Familie die Liebesbeziehung der Tochter zu einem Bäckergesellen nicht tolerieren wollte. Die Familie gehört zur Glaubensrichtung der Jesiden. Diese erlaubt streng genommen keine Beziehung zu einem Nicht-Jesiden.

Minimalkonsens war, Arzu von ihrem Freund wegzuholen

Der Anwalt eines der inhaftierten Brüder, Detlev Binder, erwartet, dass nach dem Fund der Leiche nun Bewegung in den Fall kommt. Die Interessenlage der Verdächtigen habe sich geändert. Es scheine klar zu sein, dass alle fünf als Minimalkonsens den Plan hatten, Arzu von ihrem Freund wegzuholen. Unmittelbar nach dem Verlassen der Wohnung habe sich die Gruppe aber getrennt. Die Geschwister hätten bislang weitgehend geschwiegen. "Jetzt muss jeder für sich entscheiden, ob er dabei bleibt", sagte Binder.

Am Sonntagabend hatten sich rund 150 Menschen spontan zu einer Trauerkundgebung vor dem Elternhaus von Arzu Ö. in Detmold und der nahe gelegenen Bäckerei versammelt, in der Arzu gejobbt hatte. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. "Wir sind alle sehr, sehr traurig und schockiert", sagte Bäckermeister Johannes Müller. In seinem Laden hatten sich Arzu und der Bäckergeselle kennengelernt.

Nach Prügel flieht Arzu ins Frauenhaus

"Die Familie hatte immer gesagt, dass sie nicht zulassen würde, wenn Arzu mit einem anderen, also einem, der nicht Jeside ist, gehen würde", sagte Müller. Ende August 2011 wird Arzu verprügelt, sie zeigt die eigene Familie an und flieht ins Frauenhaus. "Ihre Mutter und auch Geschwister haben uns damals gefragt, wo Arzu ist", erzählte der Bäcker. "Dann habe ich gefragt, was sie denn mit Arzu machen würden, wenn sie sie finden", sagte Müller. Diese Beziehung würden sie nie tolerieren, sei die Antwort gewesen.

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