Bewegende Trauerfeier für die ermordete Arzu

Über 250 Bekannte, Freunde und Nachbarn nehmen Abschied von der 18-Jährigen - Beerdigung in der Türkei

Von Erol Kamisli

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Bewegende Trauerfeier - © Detmold
Bewegende Trauerfeier (© Detmold)

Detmold-Remmighausen. Bis zur Tür stehen die Gottesdienstbesucher in der voll besetzten Friedenskirche. Vielen ist es ein Herzensanliegen, sie verabschieden sich mit Tränen in den Augen von Arzu. Ihre Eltern sind nicht gekommen.

"Unfassbar" ist das Wort, das an diesem Abend am häufigsten fällt. Über 250 Trauergäste kamen zum ökumenischen Trauergottesdienst in die Friedenskirche nach Remmighausen, um Abschied von dem Teenager zu nehmen. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Dieter Bökemeier, dem früheren Lagenser Pfarrer Martin Hankemeier und dem jezidischen Geistlichen, Pir Ömer Oduncu, sind die Freunde von Arzu an der Reihe.

Zunächst erklingt das Musikstück "Bitte hör‘ nicht auf zu träumen" von Xavier Naidoo. Das hatte Arzu gern gehört. Es folgen eine Lesung und Gebete. Anschließend präsentieren die Freunde der Ermordeten ein Video mit zahlreichen Aufnahmen von der 18-jährigen Kurdin unterlegt mit Titelmusik des Titanicfilms "My heart will go on". Die Blicke senken sich und Tränen fließen.

"Arzu ist tot, und wir alle können es nicht begreifen, wir sind fassungslos", sagte Pfarrer Dieter Bökemeier. Doch aus dieser Fassungslosigkeit dürfe nicht Hass und Wut gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen entstehen. "Wir haben Tränen in den Augen, aber keinen Hass im Herzen", so der Geistliche. Und Pir Ömer Oduncu aus Detmold betonte während seiner Predigt: "Nichts rechtfertige diese Tat, Mord und Gewalt seien niemals mit einer Religion in Einklang zu bringen."

Die Kirche ist voll besetzt, nicht alle Gottesdienstbesucher bekommen einen Sitzplatz. Viele von ihnen kannten Arzu nicht persönlich, sind auch keine regelmäßigen Kirchgänger. Doch an diesem Abend kamen sie trotzdem.

"Man denkt immer, so was passiert nur woanders", sagt die 16-jährige Sarah aus Hidessen. Auch sie kannte Arzu nicht. Das schreckliche Schicksal der jungen Frau sei jedoch unter ihren Freunden Hauptthema. Ingrid Schröder kannte Arzu vom Sehen, die ältere Frau ist erschüttert. "Es ist so furchtbar", findet sie. Und Heinz-Helmut Dreimann sagt: "Wir verstehen das nicht. Auch wenn wir Arzu nicht kannten, wir wollen Solidarität zeigen." Viele der Besucher gehen nach vorn, um eine Kerze für Arzu anzuzünden, Briefe oder Blumen niederzulegen. Am Altar steht ein Foto der blonden jungen Frau – viele kennen es von den Suchplakaten der Polizei.

Nach dem Trauergottesdienst stehen die Menschen noch lange vor der Friedenskirche zusammen. Viele umarmen sich schweigend. Erinnerungen werden ausgetauscht, einige weinen, es wird auch da und dort leise gelacht. Aber dann immer wieder dieses eine Wort: "Unfassbar."

Arzu war am 1. November vergangenen Jahres von Geschwistern entführt worden – ihre Leiche wurde am vergangenen Wochenende in Schleswig-Holstein entdeckt. Die Geschwister der Ermordeten sitzen in U-Haft. Inzwischen haben die Ermittler die Leiche freigegeben. Die Beerdigung soll "in den nächsten Tagen" im engsten Kreis in der Türkei stattfinden, so Oduncu.

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