Arzu: Bestatter hätte Leiche nicht ohne Kopf zeigen dürfen

Staatsanwalt Lübeck lehnt Verantwortung für Pietätlosigkeit ab

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Detmold (sap/cap). Die ungewöhnliche Freigabe der Leiche der getöteten Arzu Özmen sorgt weiter für Verwunderung. Am Dienstag wurde der Körper der 18-Jährigen von der Staatsanwaltschaft Lübeck freigegeben, allerdings ohne den Kopf, der für weitere Untersuchungen benötigt werde.

Die Tatsache, dass die Familie von Arzu Özmen die nicht vollständige Leiche des Mädchen ansehen musste, führt die Staatsanwaltschaft Lübeck auf das Handeln des Bestatters aus Bremen zurück. "Wir haben den Leichnam freigegeben, das ist richtig", sagte gestern Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. "Als der Bestatter den Leichnam in Lübeck abgeholt hat, wurde er auch darauf hingewiesen, dass der Kopf fehlt."

Nach Ansicht von Oberstaatsanwalt Schultz hätte der Bestatter wissen müssen, dass man der Familie einen solchen Anblick ersparen muss – auch im Hinblick darauf, dass der Leichnam womöglich schon mehrere Wochen am Fundort gelegen hat. "Es sei denn, die Angehörigen haben darauf bestanden, ihn trotzdem zu sehen." Dass ein Teil der Leiche für feingewebliche Untersuchungen sichergestellt bleiben muss, sei nicht ungewöhnlich. Es sei die Entscheidung der Rechtsmediziner. "Anders war das in diesem Fall nicht möglich."

Für Rechtsanwalt Detlev Binder, der einen Bruder Arzus verteidigt, ist das Verhalten der Staatsanwaltschaft in Lübeck nicht nachzuvollziehen. "Man muss doch wissen, dass in manchen Kulturkreisen die letzte Leichenbeschau elementarer Bestandteil der Bestattung ist", sagt er.

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