Arzu Özmens Freundin belastet angeklagten Vater

Polizei weist regen Handykontakt in der Tatnacht nach

Von Silke Buhrmester

Gericht hört wichtigen Telefon-Mitschnitt - © Detmold
Gericht hört wichtigen Telefon-Mitschnitt (© Detmold)

Detmold. Dritter Tag im Prozess gegen den Vater von Arzu Özmen: Telefonmitschnitte und die Aussage einer Freundin sollen am Freitag beweisen, dass Fendi bei der Ermordung seiner Tochter eine zentrale Rolle gespielt hat.

"Sie hatte eine Höllenangst vor ihrem Vater. Sie hat gesagt: Wenn ich nach Hause gehe, bringt mich Papa um." Eine 48-Jährige, die Arzu im Frauenhaus kennengelernt hatte, spricht deutliche Worte im Zeugenstand. Arzu habe Fendi Özmen als "den liebsten Vater, den man sich vorstellen kann", beschrieben - bis zu dem Zeitpunkt, als er der Liebe seiner Tochter zu einem Nicht-Jesiden auf die Schliche kam. Dann wurde sie von ihm und einem Bruder grün und blau geschlagen und eingesperrt.

Der 18-Jährigen gelang die Flucht, mit Hilfe einer Rechtsanwältin änderte sie ihre Identität. Doch die Familie war ihr weiter auf den Fersen, Schwester Sirin arbeitete bei der Detmolder Stadtverwaltung, eine Cousine bei der Bezirksregierung. So kam die Familie an Arzus Daten und versuchte, Kontakt zu ihr zu bekommen. Im Frauenhaus jedoch fühlte sie sich sicher: "Bei unserem letzten Gespräch wirkte sie befreiter, zuversichtlich", berichtet die Anwältin dem Gericht.

 - © Foto: Gerstendorf-Welle
(© Foto: Gerstendorf-Welle)

Warnungen, ihren deutschen Freund nicht mehr zu sehen, schlug Arzu in den Wind. Und so lauerten ihre fünf älteren Geschwister ihr vor der Wohnung des Freundes auf, um sie in der Nacht zum 1. November 2011 zu entführen, mit ihr gen Norddeutschland zu fahren und sie dort zu ermorden.

In dieser Nacht, berichtet ein Polizist der Mordkommission Bielefeld am Freitag dem Gericht, habe es etliche Kontakte zwischen den Handys der Geschwister und einem Handy gegeben, das die Polizei im Elternhaus der Özmens in Remmighausen ortete. Die Polizei nimmt an, dass die Kinder damals mit dem Vater in Verbindung standen.

Im Januar wurde Arzus Leiche gefunden, im Mai wurden die Geschwister für den "Ehrenmord" verurteilt. Ihren Vater haben sie nie beschuldigt. Doch der Staatsanwalt geht von einer Mitschuld aus.

Vorsitzender Richter Michael Reineke lässt im Gerichtssaal Telefonate von Familienangehörigen vorspielen, die die Polizei nach dem Auffinden von Arzus Leiche mitgeschnitten hat. Als Reineke die Zusammenfassung des Gesprächs vom 7. Februar 2012 zwischen einer Nichte des Angeklagten und einer anderen Frau verliest, wird es unruhig im Zuschauerraum. Fendi Özmen hört dagegen scheinbar regungslos zu. Die junge Frau habe berichtet, dass ihr Onkel sich herablassend über die Tote geäußert habe, so der Richter, der die obszönen Worte laut zitiert. Zudem sei Fendi sinngemäß auch verärgert gewesen, dass der Freund nicht ebenfalls umgebracht worden sei.

Ein weiteres Telefongespräch vom 22. Januar 2012 zwischen einem Verwandten und Fendi verdeutlicht dessen Rolle als Familienoberhaupt: "Du bist Hirte gewesen und hast Deine Aufgabe nicht erfüllt", sagt der Verwandte, und Fendi antwortet: "Ja, was soll ich machen, es ging nicht mehr."

Am kommenden Montag soll das Urteil gesprochen werden.

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