Lange Haft für Arzus Vater Fendi Özmen

Sechseinhalb Jahre Haft für Fendi Özmen - © Detmold
Sechseinhalb Jahre Haft für Fendi Özmen (© Detmold)

Detmold. Er hat seine Tochter geschlagen, und er hat sie nicht geschützt, als die älteren Geschwister sie töteten. Das Landgericht Detmold hat den Vater der ermordeten Jesidin Arzu Özmen deshalb zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt – wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen sowie gefährlicher Körperverletzung.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Michael Reineke ließ keine Zweifel, dass der 53-jährige Fendi Özmen über die Entführung und Ermordung seiner Tochter Arzu in der Nacht zum ersten November 2011 stets im Bilde gewesen sei. "Das Mordkommando war unterwegs. Das wusste der Angeklagte."

Ein einziges Wort des Familienpatriarchen hätte genügt, "und Arzu wäre noch am Leben". Diesen Einfluss habe der Vater nach Aussage zahlreicher Zeugen unbedingt gehabt. Wesentliche Merkmale für Özmens Rolle als "Gehilfe" des Mordes seien deshalb erfüllt.

Der Angeklagte verlässt das Landgericht Detmold. - © ARCHIVFOTO: GERSTENDORF-WELLE
Der Angeklagte verlässt das Landgericht Detmold. (© ARCHIVFOTO: GERSTENDORF-WELLE)

Der 53-Jährige habe dazu nicht über jeden Schritt seiner Kinder informiert sein müssen. Dass diese in der Mordnacht mit dem Vater stets engen Kontakt gehalten hätten, stehe schon aufgrund der Daten einer Handy-Ortung zweifelsfrei fest: "Und niemand anderes als der Angeklagte hat das im Wohnhaus der Özmens geortete Handy genutzt." Was dabei gesprochen wurde, sei irrelevant. Entscheidend sei, was Özmen nicht gesagt habe: "Sie haben nicht gesagt: Tut Arzu nichts an. Sie haben nicht gesagt: Geht nicht zum Äußersten."

Der zehnfache Familienvater schwieg vor Gericht bis zum Schluss. Das Urteil nahm er reglos zur Kenntnis und zeigte Regung erst, als er nach der Verhandlung über Herzprobleme klagte. Nach dem Prozess kam er direkt ins Gefängnis. Das Gericht sah Fluchtgefahr, denn diese zweite Verhandlung im Fall Özmen war nicht die letzte. Auch die Mutter wird sich wegen Körperverletzung an ihrer Tochter verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre und neun Monate gefordert. Oberstaatsanwalt Christopher Imig zeigte sich "sehr zufrieden". Özmens Anwalt Torsten Gieseke sprach von einer "Frechheit" und kündigte Revision an. An seinem Mandanten sei "ein Exempel statuiert" worden. Er hatte auf eine Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung plädiert – Özmen hatte Arzu auch geschlagen. Beihilfe zum Mord sei nicht beweisbar.

Der Indizienprozess hat bundesweites Medieninteresse hervorgerufen. Im Mai hatte das Landgericht fünf Geschwister Arzus zu langer Haft verurteilt. Dass sich nun die Eltern verantworten mussten, gilt als einmalig. Vergleichbare Verfahren hat es in Deutschland bislang nicht gegeben.

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