Arzus Mutter wird wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung angeklagt

Oberlandesgericht lässt Klage gegen Adile Özmen zu

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Detmold (lz). Arzu Özmens Mutter Adile muss sich nun ebenfalls vor Gericht verantworten. Das Landgericht Detmold hatte die von der Staatsanwaltschaft erhobene Anklage im vergangenen Jahr zwar abgewiesen. Aber auf die Beschwerde von Oberstaatsanwalt Christopher Imig hin hob das Oberlandesgericht Hamm diese Entscheidung nun aber wieder auf.

"Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen bestehen hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass die Mutter im Rahmen des in Frage stehenden Tatgeschehens Ende August 2011 eine aktive und einflussreiche Rolle gespielt habe", heißt es in der Begründung. Damals hatte die Familie von Arzus Beziehung zum Bäckergesellen erfahren und die 18-Jährige war daraufhin brutal von ihrer Familie verprügelt worden. Dann wurde sie für mehrere Tage in ihrem Elternhaus eingesperrt, nur mit Mühe gelang ihr die Flucht.

Im November war Arzu von fünf ihrer Geschwister aus der Wohnung ihres Freundes entführt und anschließend vom jüngsten Bruder Osman mit zwei aufgesetzten Kopfschüssen hingerichtet worden.

Die Staatsanwaltschaft Detmold sieht einen "hinreichenden Tatverdacht der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung". Eine Beteiligung an der Ermordung ihrer Tochter ist nicht Gegenstand des Strafverfahrens gegen die Mutter.

Wegen der für den Fall eines Schuldspruchs bestehenden Straferwartung von mehr als zwei Jahren Freiheitsstrafe hat der Senat angeordnet, dass die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht – Schöffengericht – in Detmold stattfinden soll. Aufgrund ihrer Vorstellungen über die "Familienehre" könnte sich die Angeschuldigte gemeinsam mit ihren Mittätern zu Herren über die Rechte Arzus auf körperliche Unversehrtheit, freie Entfaltung der Persönlichkeit und Fortbewegungsfreiheit aufgeschwungen und damit fundamental gegen die der staatlichen Ordnung in Deutschland zugrundeliegenden Wertentscheidungen verstoßen haben.

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