Schwelentruperin feiert mit ihren Shetlandponys viele Erfolge

Sylvia Frevert

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Eine begeisterte Fahrerfamilie: Andrea Ringe mit ihrem Mann Carsten und Sohn Leo sowie den sogenannten Partbred-Shetlandponys. - © Sylvia Frevert
Eine begeisterte Fahrerfamilie: Andrea Ringe mit ihrem Mann Carsten und Sohn Leo sowie den sogenannten Partbred-Shetlandponys. (© Sylvia Frevert)

Dörentrup-Schwelentrup. Berghoch, um die Kurve, weiter berghoch im zweiten Gang und noch gefühlte fünf Kurven. Dann endlich zeigen Pferdeanhänger, Weiden und ein Pferde-Lkw: Ziel erreicht. Schwelentrup ist nicht nur „Das Dorf der Tiere", sondern offensichtlich auch das Dorf der Berge. Im nordlippischen Bergland gelegen, ist diese so gar nicht „kutschenfreundliche" Hügellandschaft die Heimat der passionierten Fahrerfamilie Ringe.

Andrea Ringe (38) ist LK 1-Fahrerin, ihr Ehemann Carsten (41) – heute im Kutschenverkauf tätig – fährt seit fast 30 Jahren Turniere und ihr Sohn Leo (2) sitzt schon als „Hosenschisser" auf dem Kutschbock. Die Familie hält gemeinsam die Leinen fest in der Hand, wobei ganz erstaunlich ist, mit welchen „Pferden" ein Erfolg nach dem anderen eingefahren wird. Es sind nicht etwa bewegungsstarke Warmblüter oder ausdrucksvolle Friesen – nein, Ringes fahren Shetlandponys: die kleinsten Pferde, die im Turniersport eingesetzt werden.

„Das hat sich so ergeben", erinnert sich Andrea Ringe an das Jahr 1999 zurück, als nach einem Unfall ihres Reitpferdes, mit dem sie auf ländlichen Turnieren in Springen bis Klasse L und Dressur bis Klasse A startete, die ersten beiden Shettys einzogen. Als sie keinen passenden Ersatz für ihr Reitpferd fand, sagte sich die bis dato passionierte Reiterin: „Gut, dann kaufe ich mir eben zwei Shetlandponys und fahre sonntags mit der Kutsche spazieren".

Aber beim Spazierenfahren allein blieb es schließlich nicht. Keine zwei Jahre dauerte es, bis Andrea Ringe ihr erstes Turnier nannte. „Das war in Schlangen", erinnert sich die Pony-Fahrerin. So ganz gute Erinnerungen hat sie an diesen ersten Turnierstart nicht. Andrea Ringe meint lachend: „Ich blieb während der Dressur-Aufgabe in einer Ecke, in der der Boden so richtig tief war, einfach stecken. Die Ponys liefen einen schönen Arbeitstrab, dann Schritt, Schritt, noch einen Schritt und blieben schließlich stehen. Ich winkte ab und schied aus".

Humor ist, wenn man trotzdem lacht – und das Lachen hat Andrea Ringe nicht verloren. „Ich bin nie frus᠆triert", verrät sie ihr Erfolgsrezept im Umgang mit Ponys, Richtern und Turnierflops.

Flops hat die mittlerweile mit rund zwölf Turnierstarts jährlich routinierte Fahrerin in der vergangenen Zeit kaum erlebt. Titel wie Lippische Meisterin im Zweispänner, die Teilnahme ihrer Ponys an Showprogrammen oder unzählige Siege und Platzierungen hat sie im Laufe ihres aktiven Fahrerlebens verbucht.

In diesem Jahr startete sie mit ihren Ponys zum ersten Mal in der schwersten Turnierklasse S. Das Ergebnis kommentiert sie selbst: „Gutes Mittelfeld. Dafür, dass wir Exoten sind unter den vielen größeren Ponys, ist das ein sehr gutes Ergebnis für die Shettys".

Der Schweiß, den der liebe Gott vor den Preis gesetzt hat, fließt bei Andrea Ringe täglich – nicht nur beim Fahrtraining den Alten Sternberg rauf und runter, sondern auch wenn Ringe mit der Mistgabel hantiert und die mittlerweile acht Vierbeiner versorgt. „Unsere Ponys stehen bei uns zu Hause im Offenstall", sagt Ringe und schiebt die Schubkarre ohne Verdruss. Ihr Leben ist ein Pony-Hof – mit allem, was dazu gehört.

Information
Shetlandponys sind klein, aber stark
Das Shetlandpony ist die älteste Pferde-Rasse Großbritanniens und stammt
von den nördlich von Schottland gelegenen Shetlandinseln. Das raue Klima der Inseln und die karge Vegetation prägten das Erscheinungsbild der Ponys, die viele Jahrhunderte ausschließlich draußen in der Wildnis lebten und sich von Flechten, Moos, Seetang und dem nur spärlich gedeihendem Gras ernährten. Das Ergebnis dieser Bedingungen war ein natürlicher Zwergwuchs. Obwohl es so klein ist, ist das Shetlandpony das stärkste Pferd der Welt – gemessen im Verhältnis zu seiner Größe.

Seine Kraft gepaart mit der geringen Größe sorgten dafür, dass im 18. Jahrhundert das wohl traurigste Kapitel in der Geschichte der Ponys begann: ihre Verwendung in englischen und amerikanischen Bergwerken. Manche dieser Tiere wurden unter Tage geboren, lebten in kleinen Ställen und starben dort. Sie sahen nie das Tageslicht und viele waren infolgedessen blind. Heute werden Shetlandponys in Deutschland in drei Schlägen gezüchtet: die Mini-Shetlands mit bis zu 86 Zentimetern Rückenhöhe, der kräftige Originaltyp mit bis zu 107 cm und das durch die Einkreuzung von Vollblut-Pferden veredelte, sportliche Partbred-Pony, das etwas größer werden darf. Zudem gibt es das Amerikanische Shetlandpony – das größte seiner Art.

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