Ein Humfelder Pilz erweist sich als wahrer Riese

Reinhold Sölter

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Besonderer Fund: Experte Günther Dreier misst den großen Pilz. - © Reinhold Sölter
Besonderer Fund: Experte Günther Dreier misst den großen Pilz. (© Reinhold Sölter)

Dörentrup-Humfeld. Ein „Rotbrauner Riesenträuchling" in Humfeld macht seinem Namen alle Ehre. Der Pilz, den Günther Dreier entdeckt hat, ist größer als es im Lehrbuch nachzulesen ist.

Die Fruchtkörper der Pilze tragen alle „Hut", auffällig bei einer Pilzpopulation am östlichen Dorfrand von Humfeld ist die ungewöhnliche Größe – die ist durchaus rekordverdächtig. Der Dörentruper Pilzexperte Günther Dreier wurde beim Anblick der Naturerscheinung angeregt, den Fund genau zu untersuchen.

Die Identifizierung war nach dem Vergleich mit der bekannten Pilzbuchliteratur schon bald möglich, es handelt sich um den „Rotbraunen Riesenträuschling". Die Durchmesserangaben für den Hut schwanken in den Bestimmungsbüchern zwischen 10 bis 20 Zentimetern, ein Pilzbuch wagt sogar die Angabe: bis 27 Zentimeter möglich. Günther Dreier hat natürlich immer seinen Zollstock dabei, und der bringt Erstaunliches an den Tag. 28,5 Zentimeter misst die größte Knolle in Humfeld.

Auf einem Häckselguthaufen des Vorwinters hat sich der Pilz ausgebreitet. Das ist durchaus sein natürlicher Standort. Die Naturform ist aber eigentlich weitgehend in Südeuropa verbreitet. In den 1950er-Jahren wurde er als Zuchtpilz aus Amerika eingeführt, lässt sich auf Strohballen gut züchten und ist im Handel unter dem Namen „Braunkappe" bekannt.

Der Frühling ist nicht unbedingt die Zeit, in der man mit rekordverdächtigen Pilzen rechnet – die Hauptsaison für Pilzsammler ist eigentlich der Herbst. Einige Pilze wachsen aber auch schon im Frühjahr, wie eben der Rotbraune Riesenträuchling: Seine Fruchtkörper können sich nicht nur im Herbst, sondern auch schon Anfang Mai bilden. Dieses Jahr war das Wetter in der Woche des Monatswechsels von März auf April genau richtig. Bei den idealen Verhältnissen ist seit diesem Zeitraum offensichtlich auch das rekordverdächtige Exemplar gewachsen.

Obwohl der Rotbraune Riesenträuschling auch schon zum Verzehr gesammelt wurde und insbesondere im Jugendstadium durchaus essbar ist – sein Wert als Speisepilz ist dennoch eingeschränkt. Schließlich wird die „Braunkappe" nicht von jedem Menschen gleich gut vertragen. Der Bestand übt also wohl auf Pilzsammler keine große Anziehungskraft aus.

Die Naturerscheinung ist aber trotzdem für den Pilzfreund einen Blick wert, haben hier doch ideale Umweltbedingungen ein optimales Wachstum ermöglicht und ein besonderes Naturphänomen entstehen lassen.

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