Politik gibt grünes Licht für Aldi-Erweiterung

Tobias Schneider

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Soll größer werden: Der Lebensmitteldiscounter Aldi will mehr Verkaufsfläche haben. Dafür soll ein neues Gebäude entstehen. Der Ausschuss für Bauen, Planen und Gemeindeentwicklung hat nun für die notwendige Änderung des Bebauungsplanes gestimmt. - © Tobias Schneider
Soll größer werden: Der Lebensmitteldiscounter Aldi will mehr Verkaufsfläche haben. Dafür soll ein neues Gebäude entstehen. Der Ausschuss für Bauen, Planen und Gemeindeentwicklung hat nun für die notwendige Änderung des Bebauungsplanes gestimmt. (© Tobias Schneider)

Extertal-Bösingfeld. Mehr Verkaufsfläche für Aldi: Der Lebensmitteldiscounter am Bruchweg in Bösingfeld will sich vergrößern und gleichzeitig seine Geschäftsräume modernisieren. Die Politiker in Extertal haben dafür jetzt grünes Licht gegeben. Nach dem Fachausschuss stimmte auch der Rat einstimmig für die erforderliche Änderung des Bebauungsplanes.

Zuvor hatte Michael Bach als Vertreter der Grundstückseigentümer über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Demnach ist vorgesehen, für den Aldi ein neues Gebäude mit einer Verkaufsfläche von bis zu 1400 Quadratmetern zu errichten. Darin soll auch der Bäckerei-Shop mit einer Fläche von knapp 100 Quadratmetern einziehen.

Zudem ist ein drittes Einzelhandelsgeschäft mit einer Fläche von bis zu 600 Quadratmetern vorgesehen – voraussichtlich ein Modegeschäft, wie es hieß. Um den nötigen Platz zu schaffen, wollen die Eigentümer die alten Gebäude abreißen lassen.

Mit der Aldi-Erweiterung einher geht eine Modernisierung des dann L-förmigen Gebäudekomplexes, wie Michael Bach deutlich machte. So soll es künftig statt des Satteldaches ein Flachdach geben. In das alte Dach regne es hin und wieder hinein, berichtete er im Ausschuss. Zudem soll eine großzügige Schaufenster-Front entstehen.

Veränderungen sieht das Konzept auch bei den Parkflächen vor, die in Abstimmung mit dem benachbarten Rewe-Markt erarbeitet würden, so Bach. Vorgesehen sind 77 zusätzliche Stellplätze mit einer Breite von jeweils 2,70 Metern. Insgesamt gäbe es dann vor den beiden Supermärkten 157 Parkplätze. Darüber hinaus soll die „Einfahrtssituation" geändert werden, wie Michael Bach weiter erklärte: Derzeit führen viele Wege zu den Supermärkten. Künftig soll es möglichst nur noch eine Zufahrt geben.

Wie berichtet, erhofft sich die Gemeinde, dass sich die Erweiterung des Aldi-Marktes positiv auf die Nahversorgungsstruktur und die Kaufkraft in Extertal auswirkt. Auch die Politiker nahmen die Pläne wohlwollend zur Kenntnis, wie bei der Abstimmung im Gemeinderat deutlich wurde.

„Es ist positiv, dass sich etwas tut am Standort", sagte beispielsweise Christian Sauter, Fraktionsvorsitzender der FDP. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionschef Karl-Heinz Sievert, mahnte jedoch gleichzeitig: „Wir dürfen die Situation im Ortskern nicht aus den Augen verlieren."

Kommentar: "Das Auge kauft mit"

von Thomas Reineke

Handel ist Wandel, heißt es. Und das ist im Moment in Lippe zuhauf zu erleben. Ob in Lemgo, Nordlippe, Lage, Leopoldshöhe oder Detmold – überall wollen sich Discounter oder Nahversorger vergrößern. Galt vor einigen Jahren noch eine Verkaufsfläche von 700 Quadratmetern als Maß der Dinge, müssen es nach Ansicht der Strategen im Einzelhandel heute 1200 Quadratmeter sein, damit ein Geschäft „funktioniert".

Dabei geht es oft nicht darum, mehr Produkte im Laden unterzubringen. Die Breite der Wege im Markt, die Großzügigkeit der Warenpräsentation und das Ladendesign stehen bei bei den Überlegungen zur 
„Expansion" oft an oberster Stelle. Vorgemacht hat das in Lippe seinerzeit der Marktkauf in Lemgo. Er wandelte sich vor einigen Jahren von einer besseren Wellblech-Verkaufshütte zu einer 
schicken Einkaufswelt, die zuvor nur aus modernen Warenhäusern bekannt war.

„Das Auge kauft mit", heißt heute der Slogan, den selbst Discounter immer mehr beherzigen. Häufig muss die Politik mitspielen und größere Verkaufsflächen im Bebauungsplan genehmigen.

Sich gegen diesen Trend zu stemmen, ist allerdings hoffnungslos. Märkte, die sich nicht entwickeln können, werden über kurz oder lang verschwinden. Wer die Innenstädte gegen die Versorger auf der „Grünen Wiese" schützen will, muss dies mit Sortimentslisten tun. Die Begrenzung der Verkaufsfläche ist hier kein passender Hebel.

Information
Der Zeitplan
Nachdem Fachausschuss und Rat ihre Zustimmung für die Änderung des Bebauungsplanes im Teilbereich „Bahnhofsstraße-Bruchstraße-Extertalbahn" gegeben haben, fließen die Änderungen mit in das förmliche Bauleitplanverfahren ein.
Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, können die Arbeiten auf dem Grundstück beginnen. Die Eigentümer gehen davon aus, dass sie im Laufe des nächsten Jahres mit Abriss und Neubau des Aldi-Gebäudes beginnen können.

Weil unter anderem das Gebäude des Rewe-Getränkemarkts abgerissen wird, verändert sich die Gesamtgröße der Verkaufsfläche auf dem Areal des Bebauungsplans laut Gemeinde nicht.

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